I)r. L. Großmann: Die Drehung der Winde an der deutschen Küste etc.
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des Tages liier und da angedeutet findet. Es sollen folgend die Normalen zur Küste so bezeichnet werden,
daß sie vom Festland nach der betreffenden Richtung zeigen; messen wir weiter die Neigung der Normalen
von Nord ausgehend nach Ost und West hin. so würde nach dieser Bezeichnung die Küste von Memel
eine Normale von 90° Nord nach West haben.
Um den Einfluß der genannten Luftströmungen auf die Verteilung der
Winde auf die Quadranten zu untersuchen, machen wir die einfachste An
nahme über ihre ursprüngliche Verteilung, nämlich daß sie alle von gleicher
Stärke und an Zahl ganz gleichmäßig über die Kompaßrose verteilt seien,
ehe sie der Beeinflussung des Meeres ausgesetzt werden. Stelle in Figur I
ab nach Richtung und Stärke die senkreeht zur Küste auftretende ab-
lenkende Luftströmung dar und ad in gleicher Weise einen Wind vor seiner
Ablenkung, so erhalten wir durch Konstruktion des Parallelogramms den
resultierenden Wind nach Richtung und Stärke durch ac dargestellt. Be
schreiben wir mn b den Kreis mit bc, so stellen die von a nach den Punkten
der Peripherie gezogenen Strahlen die Gesamtheit der Winde nach ihrer
Ablenkung dar.
Uns interessiert besonders, die Winde aufzusuchen, die nach ihrer Ab
lenkung als Winde von Nord, Süd, West und Ost Auftreten. In Figur II
mögeu NS und EW in den Meridian bezw. den Breitenkreis fallen, sodaß aN, aE, aS und a II' den unter
dem Einfluß des Meeres wirklich beobachteten Nord-, Ost-, Süd- und Westwind darstellen. Verbinden wir
b mit N E, 18 und W und ziehen durch a die vier Strahlen parallel zu
diesen Radien, so stellen diese Strahlen a N', a E', a S' und a W nach der
Richtung die ursprünglichen Winde dar, aus denen durch Ablenkung der
beobachtete Nord, Ost, Süd und West hervorgegangen ist; zieht man Ne
parallel zu ab, so überzeugt man sich gleich von der Richtigkeit. Die
unter dem Einflüsse des Meeres wirklich auftretenden Winde des NE-Qua-
dranten gehörten also vor der Ablenkung dem Gebiet N\ E\ der Kompaß
rose und entsprechend die der übrigen Quadranten den Gebieten S\ E\,
S\ T'Et und N\ IFt an, wobei zu beachten, daß wir es nicht mit den Bogen-
werten, sondern mit den Winkelwerten um a zu tun haben. Es besteht
nun die Aufgabe, zu untersuchen, wie sich die Häufigkeiten der Winde in
den resultierenden Quadranten zu den ursprünglichen verhalten. Zu diesem
Zweck ziehen wir in Figur II bpi EW und ho X NS, so haben wir
sin (NaN\) = oh : bN — vi sin а: v und sin (EaE\) = Ьр : b E = Vi cos а : v.
Es wird also <%^EaE\ = <Г jV, a N und somit <£ Ei a N\ - ■ 90°, falls sin « = cos и, also « = 45° ist.
Nach Fig. II ergibt sich, daß also in dem Falle einer um 45° von Nord nach West geneigten Küstennormale
durch den Einfluß der ablenkenden Winde eine solche Verteilung
der Winde hervorgerufen wird, daß dem NE-Quadranten (und
dem SW-Quadranten) gleich viele Winde wie bei der ursprüng
lichen Verteilung angehören, während der NW-Quadrant er
heblich an Zuwachs gewinnt, der SE-Quadrant aber den gleichen
Fig. III.
Betrag verliert.
(w){—f—I
Auf diesem Wege gelangen wir zu einem Gesamtbilde des
Einflusses der Ablenkung auf die Häufigkeit der Winde der
+(e) versc ^ lie ^ enen Quadranten in seiner Abhängigkeit von
J Klistennormale, wie wir es in Fig. III dargestellt haben.
der
Die
vier konzentrischen Kreise entsprechen den Quadrantenhäufig
keiten, die Radien den Küstennormalen, von denen die acht
Hauptrichtungen eingezeichnet wurden. Die Zeichen +, —
und O bezeichnen der Reihe nach, daß die Häufigkeit der
Winde in Folge der Ablenkung durch den Einfluß des Meeres
für den durch den Schnittpunkt gekennzeichneten Quadranten