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Full text: 26, 1903

I)r. L. Großmann: Die Drehung der Winde an der deutschen Küste etc. 
о 
des Tages liier und da angedeutet findet. Es sollen folgend die Normalen zur Küste so bezeichnet werden, 
daß sie vom Festland nach der betreffenden Richtung zeigen; messen wir weiter die Neigung der Normalen 
von Nord ausgehend nach Ost und West hin. so würde nach dieser Bezeichnung die Küste von Memel 
eine Normale von 90° Nord nach West haben. 
Um den Einfluß der genannten Luftströmungen auf die Verteilung der 
Winde auf die Quadranten zu untersuchen, machen wir die einfachste An 
nahme über ihre ursprüngliche Verteilung, nämlich daß sie alle von gleicher 
Stärke und an Zahl ganz gleichmäßig über die Kompaßrose verteilt seien, 
ehe sie der Beeinflussung des Meeres ausgesetzt werden. Stelle in Figur I 
ab nach Richtung und Stärke die senkreeht zur Küste auftretende ab- 
lenkende Luftströmung dar und ad in gleicher Weise einen Wind vor seiner 
Ablenkung, so erhalten wir durch Konstruktion des Parallelogramms den 
resultierenden Wind nach Richtung und Stärke durch ac dargestellt. Be 
schreiben wir mn b den Kreis mit bc, so stellen die von a nach den Punkten 
der Peripherie gezogenen Strahlen die Gesamtheit der Winde nach ihrer 
Ablenkung dar. 
Uns interessiert besonders, die Winde aufzusuchen, die nach ihrer Ab 
lenkung als Winde von Nord, Süd, West und Ost Auftreten. In Figur II 
mögeu NS und EW in den Meridian bezw. den Breitenkreis fallen, sodaß aN, aE, aS und a II' den unter 
dem Einfluß des Meeres wirklich beobachteten Nord-, Ost-, Süd- und Westwind darstellen. Verbinden wir 
b mit N E, 18 und W und ziehen durch a die vier Strahlen parallel zu 
diesen Radien, so stellen diese Strahlen a N', a E', a S' und a W nach der 
Richtung die ursprünglichen Winde dar, aus denen durch Ablenkung der 
beobachtete Nord, Ost, Süd und West hervorgegangen ist; zieht man Ne 
parallel zu ab, so überzeugt man sich gleich von der Richtigkeit. Die 
unter dem Einflüsse des Meeres wirklich auftretenden Winde des NE-Qua- 
dranten gehörten also vor der Ablenkung dem Gebiet N\ E\ der Kompaß 
rose und entsprechend die der übrigen Quadranten den Gebieten S\ E\, 
S\ T'Et und N\ IFt an, wobei zu beachten, daß wir es nicht mit den Bogen- 
werten, sondern mit den Winkelwerten um a zu tun haben. Es besteht 
nun die Aufgabe, zu untersuchen, wie sich die Häufigkeiten der Winde in 
den resultierenden Quadranten zu den ursprünglichen verhalten. Zu diesem 
Zweck ziehen wir in Figur II bpi EW und ho X NS, so haben wir 
sin (NaN\) = oh : bN — vi sin а: v und sin (EaE\) = Ьр : b E = Vi cos а : v. 
Es wird also <%^EaE\ = <Г jV, a N und somit <£ Ei a N\ - ■ 90°, falls sin « = cos и, also « = 45° ist. 
Nach Fig. II ergibt sich, daß also in dem Falle einer um 45° von Nord nach West geneigten Küstennormale 
durch den Einfluß der ablenkenden Winde eine solche Verteilung 
der Winde hervorgerufen wird, daß dem NE-Quadranten (und 
dem SW-Quadranten) gleich viele Winde wie bei der ursprüng 
lichen Verteilung angehören, während der NW-Quadrant er 
heblich an Zuwachs gewinnt, der SE-Quadrant aber den gleichen 
Fig. III. 
Betrag verliert. 
(w){—f—I 
Auf diesem Wege gelangen wir zu einem Gesamtbilde des 
Einflusses der Ablenkung auf die Häufigkeit der Winde der 
+(e) versc ^ lie ^ enen Quadranten in seiner Abhängigkeit von 
J Klistennormale, wie wir es in Fig. III dargestellt haben. 
der 
Die 
vier konzentrischen Kreise entsprechen den Quadrantenhäufig 
keiten, die Radien den Küstennormalen, von denen die acht 
Hauptrichtungen eingezeichnet wurden. Die Zeichen +, — 
und O bezeichnen der Reihe nach, daß die Häufigkeit der 
Winde in Folge der Ablenkung durch den Einfluß des Meeres 
für den durch den Schnittpunkt gekennzeichneten Quadranten
	        
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