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Full text : 26, 1903

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  —  1903  No.  4  —

fach,  am  stärksten  in  Memel  ausgeprägt,  als  Hauptmaximum  erscheint.  Diese  Maxima  finden  sich  getrennt
durch  ein  sekundäres  Minimum  im  November  oder  seltener  im  Oktober.  Als  charakteristisch  muß  hervorgehoben ­
  werden,  daß  das  Maximum  im  Juli-August  in  Kiel,  Swinemünde  und  Neufahrwasser  nicht  hervortritt.
Die  Winde  des  NE-Quadranten  verlaufen  in  ihren  Monatswerten  den  vorigen  entgegengesetzt.  Nach
kleineren  Änderungen  und  im  ganzen  gleichmäßiger  Verteilung  von  Juli  Dis  Marz  steigt  die  Häufigkeit  zum
April  stark  an;  für  April  bis  Juni  besteht  ein  sehr  ausgeprägtes  Maximum,  mit  absolutem  Maximum  von
nahezu  gleichen  Beträgen  im  April  und  Mai,  worauf  die  Häufigkeit  wieder  von  Juni  zu  Juli  stark  ab  fällt.
Minima  treten  meist  im  Juli  und  Dezember  (oder  November)  auf,  während  sich  ein  zweites  unbedeutendes
Maximum  vielfach  im  Oktober  andeutet.  Das  Hauptminimum  fällt  für  die  Mehrzahl  der  Orte  auf  den  Juli.
In  Neufahrwasser  finden  wir  das  sekundäre  Maximum  nur  schwach  angedeutet  und  eine  fast  stetige  Abnahme
der  Häufigkeit  des  NE-Quadranten  von  dem  Maximum  im  Mai  bis  zu  einem  Minimum  im  Dezember.
Die  Kurven  der  beiden  anderen  Windquadranten  zeigen  im  allgemeinen  kleinere  Amplituden  und  lassen
in  gleichmäßigerem  Verlaufe  meist  ein  Maximum  und  ein  Minimum  in  gleicher  Deutlichkeit  hervortreten.
Die  Winde  des  SE-Quadranten  nehmen  an  Häufigkeit  von  einem  Minimum  im  Juni-Juli  bis  zu
einem  Maximum  im  November  —  Neufahrwasser  und  Memel  im  Dezember  —  zu  und  dann  wieder  bis  Juni
ab,  wobei  jedoch  der  April  durch  vorübergehende  Zunahme  meist  ein  sekundäres  Minimum  auzeigt.  Die
Zeit  der  größten  und  kleinsten  Häufigkeit  des  SE-Quadranten  fällt  nahezu  mit  derjenigen  der  entgegengesetzten ­
  Extreme  des  SW-Quadranten  zusammen,  sodaß  sich  die  Winde  der  beiden  südlichen  Quadranten
im  allgemeinen  im  Juli  an  Häufigkeit  am  meisten  von  einander  entfernen  und  sich  im  November  am  meisten
nähern,  abgesehen  von  der  meist  sehr  gleichmäßigen  Verteilung  auf  die  Quadranten  im  April  und  teilweise  Mai.
Die  Winde  des  NW-Quadranten  nehmen  nach  einem  Maximum  ihrer  Häufigkeit  im  Juni-Juli  bis
zu  einem  Minimum  im  Oktober  bis  Dezember,  mit  absolutem  Minimum  meist  im  November,  ab:  die  Aendel'ungen
  von  diesem  winterlichen  Minimum  bis  zum  Maximum  im  Sommer  verlaufen  nicht  sehr  gleichartig,
doch  tritt  meist  ein  sekundäres  Minimum  im  April,  dem  sekundären  Maximum  des  SE-Quadranten  entsprechend, ­
  hervor.  Dieses  sekundäre  Minimum  nähert  sich  seinem  Betrage  nach  an  der  Ostsee  dem  winterlichen ­
  Hauptminimum  und  stellt  sich  in  Rügen  waldenniinde,  besonders  aber  in  Memel,  als  absolutes  Minimum ­
  dar.
C.  Die  tägliche  Drehung  der  Windfahne  an  der  deutschen  Küste  —  Land-  und  Seewinde.
Die  Kurven  A  auf  der  Tafel  lassen  sehr  erhebliche  Unterschiede  in  der  Verteilung  der  Winde  auf  die
Quadranten  für  den  gleichen  Ort  zu  den  verschiedenen  Tageszeiten,  wie  beim  Vergleich  von  Ort  zu  Ort  zu  den
gleichen  Tageszeiten  hervortreten.  Der  Einfluß  des  Meeres  zeigt  sich  sehr  auffällig  in  den  Monaten  April
bis  Juni.  Es  soll  versucht  werden,  den  täglichen  Gang  der  Windfahne  und  seine  lokalen  Eigentümlichkeiten
unter  Berücksichtigung  des  Verlaufs  der  Kiiste  an  den  verschiedenen  Stationen,  möglichst  klar  auf  seine
Ursachen  zurückzuführen.  Dabei  werden  sich  Anhaltspunkte  ergeben,  um  zu  beurteilen,  zu  welcher  Tagesund ­
  Jahreszeit  und  in  welcher  Ausdehnung  Land-  und  Seewinde  an  der  Küste  anzutreffen  sind.
§  8.  Theoretische  Erörterung  des  Einflusses  der  Nachbarschaft  von  Meer  und  Land  auf  die
Verteilung  der  Winde  an  der  Küste  auf  die  Quadranten.
Um  den  Einfluß  des  Meeres  auf  die  Winde  an  der  Küste  zu  verstehen,  stellen  wir  uns  die  Küste  an
jedem  Orte  gradlinig  verlaufend  vor  und  haben  es  demnach,  soweit  infolge  von  Verschiedenheiten  der  Temperatur ­
  über  dem  Meere  und  dem  Festlande  Unterschiede  in  der  Verteilung  des  Luftdrucks  hervorgerufen
werden,  mit  solchen  Aenderungen  zu  tun,  die  sich  parallel  zur  Küste  anordnen.  Zu  der  gewöhlichen  Luftdruckverteilüng,
  wie  sie  sich  ergeben  würde,  falls  das  Meer  durch  Land  ersetzt  würde,  treten  hiernach  noch
besondere  Isobaren  an  der  Küste,  dieser  parallel  verlaufend,  auf,  die  wir  uns  den  anderen  übergelagert  vorstellen. ­
  Nehmen  wir  an,  daß  diese  Sonder-Isobaren  keine  große  Erstreckung  senkrecht  zur  Küste  haben,
so  werden  die  durch  sie  hervorgeruf’enen  Winde  zur  Küste  senkrecht  stehen.  Den  Einfluß  der  Nachbarschaft
von  Meer  und  Land  ersetzen  wir  also  durch  Luftströmungen,  die  zu  den  allgemeinen  hinzutreten  und  zur
Zeit  des  Eimvirkens  der  thermischen  Gegensätze  von  Land  und  Meer  senkrecht  zur  Küste  wehen.  Gemäß
dieser  Vorstellung  haben  wir  an  der  Küste  nach  der  Tageszeit  verschiedene  Ablenkung  der  Winde,  in  weiterer
Abhängigkeit  von  der  Richtung  der  Küste.  Wie  weit  jene  Annahme  der  Richtung  der  durch  thermische
Gegensätze  hervorgerufenen  Sonderströmungen  senkrecht  zur  Küste  eine  Modifikation  erfahren  muß,  wird
sich  weiterhin  zeigen;  es  sei  jedoch  schon  hier  berichtet,  daß  sich  eine  Drehung  der  Meereswinde  im  Laufe
            
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