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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1903 No. 3 —
Die täglichen Verläufe der Deklination sind Mittel aus den Jahren 187G—1890.
Schon die Darstellung des jährlichen Verlaufes der p k , q k durch Unterkoeffizienten weist auf eine große
Aehnlichkeit der Wellen gleicher Ordnung hin. Trotzdem dürfte der Grad der Uebereinstimmung, wie er
aus den Zeichnungen erhellt, überraschen. Die Kurven zeigen einen ausgesprochenen, jährlichen Verlauf,
der von Station zu Station in Amplitude variiert aber der Extremlage nach und mithin der Gestalt des
Verlaufes nach eine oft bis ins Kleine gehende Uebereinstimmung zeigt. Die tägliche Variation der
Deklination stellt sich also für alle betrachteten Orte als überraschend gleichmäßig heraus,
denn die Beobachtungen selbst ließen eine solche Uebereinstimmung nicht erwarten.
Bezeichnet h die Tagesstunde, so ist die Amplitude der Welle w k zur Stunde hx
w k ,h - Uk sin (Ui;+ likx)
Für Uk+hk.r — ¿-J- wird iv k ein Extrem und zwar dann ein Maximum, wenn XJ k -\-hhx — 4- ’ da u k
stets positiv. Folglich stellt Uk die Lage der Extremzeiten fest und hängt von der Wahl der Epoche ab;
u k ist die halbe maximale Amplitude der Welle w k und von der Epoche unabhängig. Die u k sind also unter
allen Umständen auch quantitativ mit einander vergleichbar, die U k nur bei gleicher Epoche nach wahrer
Ortszeit.
U\: In den Zeichnungen bedeutet überall 1 J> = O.'l Bogenminute, bis auf Fort Rae, das seiner
großen Amplitude wegen ums Zehnfache kleiner dargestellt wurde. Die fünf Stationen der nördlichen Halb
kugel und die drei der südlichen stimmen unter sich sehr gut überein, nur sind die Verläufe an den Orten
südlicher Breite denen nördlicher Breite gerade entgegengesetzt. Das besagt, daß es nicht der direkte
Einfluß der Sonne als Magnet ist, welcher die Welle Wi bildet, sondern der indirekte durch die Jahreszeit
gegebene. Wenn man von Fort Rae absieht, wo die Störungen in einem nach Lüdeling ungenügenden
Maße eliminiert worden sind, ist die Gestalt des jährlichen Verlaufes auch in Einzelheiten sehr ähnlich, so
z. B. in dem Rückgänge im Mai. Auf der südlichen Hemisphäre zeigt das eine Jahr Südgeorgien einen
etwas weniger gleichmäßigen Gang als die langjährigen Mittel Batavia und Mauritius. Verschiebt man
die südlichen Kurven um 6 Monate und spiegelt sie an dem Mittelwert, so entspricht dieser Verlauf dem
nördlichen; Mauritius zeigt sogar wieder den Rückfall im Mai = November. Obwohl die meteo
rologischen Verhältnisse auf beiden Hemisphären sonst recht verschiedene sind, scheint
W\ davon unabhängig zu sein.
u t : Hier ist überall l' p — Oil. Wenn man von Fort Rae absielit, wo eine Uebereinstimmung der
Störungen wegen nur im großen und ganzen zu konstatieren ist, stimmen die übrigen nördlichen Stationen
unter sich wieder sehr gut und ebenso die südlichen unter sich. Im Gegensatz zu W\ aber besitzen
die südlichen Verläufe einen ganz anderen Charakter, sie sind doppelperiodisch. Dieser andere
Charakter kann nur durch Einflüsse bedingt sein, die auf den beiden Hemisphären verschieden wirken, und
es liegt nahe, hierfür die anders gearteten täglichen Variationen der meteorologischen Elemente anzuführen,
eine Vermutung, die, wie spätere Betrachtungen zeigen werden, wohl auch die richtige ist.
u 3 : Auch hier ist U’ stets Ofl; Batavia fällt für den Vergleich fort, da seine Berechnung mit k — *2
abbricht. ist für beide Halbkugeln doppelperiodisch, auf der südlichen mit etwas größerer Gleichmäßigkeit.
Der beiderseitigen Doppelperiode wegen stimmen alle Verläufe mit einander überein für die Natur von v:-
läßt sich hieraus nichts sagen, man bedarf dazu auch der A U%.
Da bis auf Mauritius die Berechnungen mit k = 3 enden, seien zunächst die aE4 betrachtet,
U\: l p ■ 1°, bei Batavia jedoch 10°. Die Uebereinstimmung ist äußerlich wegen der größeren
Variabilität keine so schöne wie bei U\. Pawlowsk, Wilhelmshaven und Wien sind unter sich sein-
ähnlich. Bei Tiflis ist das Maximum ein so hohes, daß die sonst vorhandene Gleichheit des Ganges ver
deckt wird; Fort Rae stimmt dem allgemeinen Gang nach mit den übrigen nördlichen Stationen gut über
ein. Im Gegensatz zu U\ haben die südlichen Stationen in Z7j der Extremlage nach denselben Gang wie
die nördlichen, d. h. im nördlichen Sommer sind die ü\ am kleinsten, im Winter am größten oder die
Eintrittszeit der maximalen Amplitude der Welle u\ ist im nördlichen Sommer am frühesten im Vergleich
zum nördlichen Winter. Ob ein Maximum oder ein Minimum eintritt entscheidet das Vorzeichen von ;
SO liegt bei khx = —U k ein Maximum, wenn Au-i > 0. Nun ist aber \u 2 in seinem Verlaufe auf der