A. Nippoldt ji\: Die tägliche Variation der magnetischen Deklination.
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Im Winter tritt <lie Tagesbewegung zurück gegen die im Sommer und zwar in jedem Jahre. Dies be
sagt, daß jene Ursachen, die die Tagesbewegung ausmachen, vom Stande der Erde im Kaum abhängen. Ist
es nun einfach die Rotation der Erde im Sonnenpotential, die wir als Quelle der gesuchten Kraft auifassen
dürfen, so muß für Orte der Südhalbkugel und solche gleicher Breite der Nordhalbkugel der Einfluß zu
gleicher Zeit der gleiche sein, d. h. es muß die Tagesbewegung z. B. im Dezember auf beiden Hemisphären
zurücktreten gegen die im Juli vorhandene.
Zum Vergleich kann man die Beobachtungen der deutschen Polarstation auf Südgeorgien*) herau-
ziehen. Darnach ergeben sich für die einzelnen Monate folgende maximale Amplituden:
Monat:.... IX X XI XII 1 II III IV V VI VII VIII
Amplitude: 6.9 10.9 10.0 8.6 7.7 8.3 8.8 6.6 3.5 2.6 3.5 4.5
Es zeigt sich eine ausgesprochene Tagesbewegung in den Monaten September bis März, also in der warmen
Jahreszeit der südlichen Halbkugel. Dies deutet also nicht auf einen direkten Einfluß der Sonne bei der
Erzeugung der täglichen Variationen. Es wird vielmehr wahrscheinlicher gemacht, daß meteorologische
Einflüsse wirksam sind. Hierfür spricht auch die Verschiebung der Extreme bis auf die Zeiten nach der
Kulmination der Sonne, eine Eigenschaft vieler meteorologischer Elemente. Ob eines der letzteren und
welches von Einfluß ist, läßt sich a priori nicht ermitteln; die bloße Parallelität der Erscheinungen besagt
gar nichts, sie können beide dieselbe Ursache besitzen.
Es ist hier nicht der Ort, die verschiedenen Hypothesen über den Sonneneinfluß zu besprechen, er
wähnt sei nur, daß die Annahme nur direkter Sonnenwirkung weder die periodischen Erscheinungen, noch
ilie Störungen erklärt, wie u. A. namentlich gezeigt haben Chambers, Lord Kelvin und Schuster, daß
dagegen der Zusammenhang mit meteorologischen Elementen sehr deutlich zu Tage tritt. Am wahrschein
lichsten dürfte sein, daß beide Arten der Sonnenwirkung gleichzeitig vorhanden sind. Um hier erschöpfend
zu sein, bedarf man einer zusammenhängenden Theorie der elektrischen und magnetischen Erscheinungen
der Erde, die sich zur Zeit erst vorbereitet.
Betrachtet man auf Tafel I die Kurven des täglichen Verlaufes der örtlichen Deklination zu Pawlowsk,
so sieht man, daß außer der Größe der Amplituden sich auch Zahl und Lage der Extreme im Jahre
ändert. Im Winter sind mehr Extreme vorhanden als im Sommer. Bei der üblichen Ablesungsgenauigkeit,
wo ein Skalenteil eine Minute gibt, kann man 4—6 Paar Extreme unterscheiden; gewöhnlich begnügt man
sich mit der Konstatierung von 4 Extremen; allein auch die übrigen folgen so regelmäßigen Gesetzen, daß
sie der Beachtung wert erscheinen. Der für das Jahresmittel geltende Zustand wurde als Norm betrachtet.
In jedem Monat ordnet man das höchste Maximum und das tiefste Minimum einer Ordnung 1 zu und läßt,
bis zur Ordnung 6 die Extreme dem absoluten Wert nach einander folgen. Es entsteht dann folgende
Uebersicht, in welcher die Zahlen die Eintrittszeiten in Stunden nach Ortszeit wiedergehen (Mitternacht
= OK), Mittag = 12Ü0). Die Deklination ist dabei, wie bei theoretischen Zwecken meist üblich, von Nord
über Ost gezählt; die Minima der östlichen Deklination entsprechen dann den Maximis der westlichen.
Pawlowsk. Maxima der östlichen Deklination. 1SS2/83.
Monat
Aug.
Sept.
Okt.
Nov. ! Dez.
I
Jan.
Febr.
März
April
Mai
Juni
Juli
Jahr
Ordng.
1
^.8
8.1
22.3
21.3 22.3
21.3
0.3
22.1
8.3
7.3
7.3
7.8
I 8.3
2
1.3
21.3
1.6
1.3 , 2.3
23.6
22.6
S.C
2.3
1.3
1.3
2.6
1 21,8
3
2-2.3
23.(1
8.6
5.3 9.3
1.3
20.6
19.6
4.8
21.6
0.1
23.3
23.3
4 1
20.8
1.3
4.6
9.6 [ 16.3
8.8
18.3
3.1
3.6
18.3
21.3
19.6
l.C
5
6
4.1
18.1
—
3.6 ' 7.3
4.8
18.3
9.3
5.8
5.6
14.3
22.1
19.6
17.8
—
4.6
Minima der östlichen Deklination.
i
13.8
13.8
14.3
13.6 12.S
13.3
14.3
(14.4)
14.1
13.«
14.3
14.6
j 13.8
2
3.«
2.3
3.6
7.3 1 6.3
19.6
4.3
15.3
20.6
19.6
19.3
20.6
3.1
3
22.1
20.3
5.8
4.6 17.3
7.6
6.8
0.6
22.6
22.6
22.6
0.3
5.3
4
0.3
5.3
19.3
2.(1 8.3
3.3
18.3
4.3
3.6
2.3
0.3
-:> »>
Kf.O
0.6
5
■—
0.6
0.3
.0.8 0.3
1.1
21.3
7.3
5.6
—•
2.3
—
22.8
c>
—
22.6
— —
22.6
23.3
20.3
—
—
—
—
*) K. Garthe: Die tag], und die jährl. Periode der erdmagnet. Kraft ja Sud-Georgien. Göttingen 1889. Tabelle p. 4.