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Dr. J. B. Mess er schmitt: Ergebnisse von Sextantenprüfungen an der Deutschen Seewarte.
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Spiegel liegen. Hat demnach der feste Spiegel des Sextanten eine solche Stellung gegen das Auge, dass
dieses über dem Spiegel weg ein zweites Objekt wahrnimmt, welches mit dem optischen zweimal reflektirten
Bilde des ersten Objektes koinzidirt, so ist der Winkel, den die beiden Objekte mit dem Augpunkte ein-
schliessen, doppelt so gross, als der Winkel der beiden Spiegel, der auf dem Limbus mit der Alhidade ab
gelesen werden kann. Um nun diese Umrechnung beim Beobachten zu vermeiden, ist die Limbustheilung
der Sextanten gleich der doppelten des entsprechenden Zentriwinkels.
Die Theorie der Reflektions-Instrumente ist seit langer Zeit genau studirt und daher bekannt, weshalb
sie in der vorliegenden Abhandlung nur so weit entwickelt werden soll, als es für das Verständniss der sich
daran anknüpfenden Betrachtungen notliwendig erscheint. Für sie kann ausserdem auf die erwähnte Arbeit
von Eylert und die bekannten Werke und Lehrbücher verwiesen werden. (Vgl. die Literatur am Schluss).
Dagegen soll die mechanische Konstruktion derselben, gestützt auf die in den letzten 25 Jahren an der See
warte erhaltenen Prüfungsergebnisse, einer näheren Betrachtung unterzogen werden.
Der Natur der Sache nach sind fast ausschliesslich Spiegelsextanten und Oktanten gewöhnlicher Kon
struktion zur Prüfung eingereicht worden; andere Reflexions-Instrumente, wie Prismensextanten, Prismenkreise,
Sextanten mit mehreren Spiegeln, Libellenquadranten und anderen Modifikationen kamen nur ausnahmsweise
vor und soll auch auf sie liier nicht weiter eingegangen werden, um so mehr, als sie in der Nautik fast
nie oder nur für spezielle Zwecke in Betracht kommen.
Sextantenkörper.
Der Sextant wird bei den Beobachtungen gewöhnlich in freier Hand gehalten, weshalb er leicht, aber
doch so kräftig und steif gebaut sein muss, dass in den verschiedenen Lagen keine Veränderungen und
Durchbiegungen in seiner Form und seinen Theilen eintreten können. Diese Bedingung der Unveränderlich
keit lässt sich am besten durch Verwendung von Metall erzielen und cs werden gegenwärtig auch fast aus
schliesslich metallene Instrumente hergestellt.
Der Körper des Sextanten selbst besteht aus einem Bogenstück, das durch radienförmige Speichen mit
einer in seiner Mitte befindlichen Scheibe verbunden ist. Durch geeignete Verstrebungen in dem sektor
förmigen Zwischenraum wird die Stabilität des Ganzen gesichert und erhöht, und zugleich ein passender
Ort für die Befestigung des Handgriffs gewonnen. Der Sextantenkörper ist gewöhnlich aus einem Gussstück
von messingähnlichem Metall (Gelbguss und sog. Rothguss) hergestellt, auf welchem die übrigen Theile des
Sextanten angebracht sind. Das Metall soll selbst nicht zu weich sein, damit es sich nicht zu leicht ver
biegt, was bei reinem Messing (Gelbguss) mehr als bei Rothguss der Fall ist; wegen der Schwierigkeit bei
der Bearbeitung darf es aber auch wieder nicht zu spröde sein. Ausnahmsweise kommen auch Sextanten
aus Neusilber vor. Die Hoffnungen, welche man auf die Verwendung des Aluminiums zu Sextanten
körpern gesetzt hat, haben sich nicht erfüllt. Wenn auch bei der Verwendung dieses Metalls das Gewicht
auf etwa '/ 5 eines gewöhnlichen Sextanten vermindert wird und dadurch eine grosse Bequemlichkeit beim
Beobachten entsteht, so ist, abgesehen von dem höheren Preis, das Material gegen die atmosphärischen
Einflüsse namentlich in salzhaltiger Seeluft nicht widerstandsfähig genug, wodurch die Instrumente stark
leiden und rasch verderben. Auch sonst dürfte das Aluminium weniger dauerhaft und namentlich gegen
Stösse u. dgl. viel empfindlicher als Messingkompositionen sein. Es ist dieser Umstand allerdings sehr zu
bedauern, da sich solche leichte Sextanten besonders bei Vermessungen gut eignen, indem bei deren Gebrauch
weniger leicht eine Ermüdung eintritt, als bei schweren Instrumenten. Seltener sind Konstruktionen, bei
denen der Sextantenkörper aus verschiedenen Metallstücken, gitterartig verbunden, zusammengesetzt ist.
Die Versteifung des Sextantenkörpers wird in verschiedener Weise ausgeführt. Die einen Fabri
kanten lassen z. B. ein bis zwei Kreisausschnitte parallel zum Limbus gehen, welche wieder durch radiale
Verbindungsstücke mit dem Kreise oder auch mit der Axenbtichse verbunden werden. Hierbei wird der
Handgriff an zwei Punkten dieses Gerippes befestigt, einmal in der Nähe der Axe und das andere Mal
an einer der Kreuzungsstellen der Versteifungsstäbe näher dem Limbus. Durch einen T förmigen Querschnitt
der Rippen wird eine Erhöhung der Stabilität bewirkt.
Manchmal werden vom zentralen Theile aus je zwei bandartige Radien nach den Kreisenden geführt
und dabei noch ein Kreisbogen in der Nähe des Limbus eingefügt. Die Zwischenräume dieser Doppelradien
enthalten ein bis drei kurze Kreisbogen. Durch diese Anordnung entsteht ein leiterartiges Aussehen, woher