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Volltext : 24, 1901

W.  Koppen:  Erforschung  der  freien  Atmosphäre  mit  Hülfe  von  Drachen.

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ohne  etwas  an  der  Kraft  des  Drachens  beim  Aufstieg  einzubüssen.  Man  braucht  nur  die  Uhr  des  Registrirapparates
  nach  einer  vorher  bestimmten  Zeit,  wann  man  das  Einholen  beginnen  will,  eine  Schnur  durchschneiden
  zu  lassen,  welche  den  hinteren  Theil  der  Bucht  durch  eine  Schlinge  verkürzt,  so  dass  von  da  ab
der  Drachen  sich  um  so  viel,  als  man  wünscht,  flacher  legt  —  unabhängig  von  der  weiteren  Abnahme  seines
Einfallswinkels  bei  Verstärkung  des  Windes.  Bei  der  Anbringung  des  Registrirapparates  im  Innern  des
Hargrave-Drachens,  wie  sie  am  meisten  zu  empfehlen  ist,  kann  dieses  mechanisch  geschehen.  Statt  die
Bucht  nach  einer  gewissen  Zeit,  z.  B.  nach  drei  Stunden,  flach  zu  machen,  kann  man  dieses  eventuell  auch
nach  einem  bestimmten  Windwege  thun,  um  bei  schwacher  Luftströmung  das  Flachlegen  des  Drachens,  das
stets  mit  einem  starken  Fallen  des  Drachens  verbunden  ist,  zu  vermeiden,  da  dann  ja  der  Zug  überhaupt
nicht  stark  ist.
b)  Schnüre  und  Knoten.  Obwohl  in  allen  Fällen,  wo  es  auf  Hochaufstiege  ankommt,  für  die
Hauptleine  Metalldraht  die  Pflanzenfaser  unbedingt  verdrängt  hat,  bleibt  für  kurze  Verbindungsstücke,  wo
es  auf  das  grössere  Gewicht  und  Volumen  nicht  ankommen  kann,  Schnur  so  viel  bequemer,  dass  sie  neben
dem  Draht  ihre  Bedeutung  behalten  wird,  wenn  auch  die  dünnen  Stahlkabel  jetzt  in  solcher  Güte  in  Bezug
auf  Festigkeit  und  Biegsamkeit  hergestellt  werden,  dass  sie  zu  manchen  Zwecken  die  Schnur  mit  Vortheil
ersetzen  können.  Namentlich  wo  ein  Handhaben  in  der  Hand  nöthig  ist,  lässt  sich  Draht  kaum  verwenden.
Die  Ankoppelung  des  Drachens  an  den  auf  der  Winde  aufgewickelten  Draht  geschieht  am  besten  mittels
eines  „Vorläufers“  von  Schnur,  der  in  vielen  Fällen  zwar  ganz  kurz,  kaum  meterlang,  sein  kann,  aber  in
manchen  Fällen  auch  60  bis  100  m  lang  genommen  werden  muss,  wenn  z.  B.  die  Lage  des  Ortes  bei  gewissen
Richtungen  des  Windes  es  nicht  gestattet,  den  Drachen  von  der  festen  Stelle  der  Winde  selbst  aus  aufzufieren,
  in  welchem  Falle  es  immer  noch  bequemer  bleibt,  den  Drachen  aus  der  Hand  zu  lassen  und  erst,
wenn  er  zum  „Stehen“  gekommen  ist,  mit  ihm  zur  Winde  hinzugehen,*)  als  die  Winde  zu  transportiren.
Unter  allen  Umständen  ist  es  notliwendig,  dass  der  mit  Drachen  Hantierende  auch  mit  Schnüren  und  Knoten
Bescheid  weiss.
Als  Material  kommt  hauptsächlich  Hanf  und  Ramie  in  Betracht.  Die  Zerreissfestigkeit  der  letzteren
seidenähnlichen  Pflanzenfaser  soll  laut  freundlicher  Mittheilung  des  Herrn  Prof.  Dr.  Sadebeck,  hier,  die  des
russischen  Hanfes  sogar  im  Verhältniss  von  7  zu  4  übertreffen  (nach  Hanausek  und  llassack).  Eigene
Zerreissversuche  an  Proben,  die  ich  mir  verschaffte,  haben  mir  allerdings  nur  einen  geringen  Vorzug  der
Ramie  vor  dem  Hanf  ergeben,  der  den  viel  höheren  Preis  nicht  aufwiegt,  sofern  das  schönere  Aussehen
dieser  Schnüre  nicht  ins  Gewicht  fällt.  Ich  habe  mich  deshalb  mit  Hanf  begnügt.  Die  Erfahrung  hat  dabei ­
  gezeigt,  dass  für  jedes  Quadratmeter  Drachenfläche  etwa  Vj%  Quadratmillimeter  Schnurquerschnitt  ein
passendes  Verhältniss  ist.  Daraus  ergiebt  sich:
für  eine  Drachenfläche  von  2  qm  5  qm  8  qm
ein  Schnurquerschnitt  »  3  qmm  7  Vj  qmm  12  qmm
eine  Schnurdicke  (Durchmesser)  *  2  mm  3  mm  4  mm
Wo  es  sich  nur  um  kurze  Verbindungsstücke  zwischen  Draht  und  Drachen  handelt,  das  Gewicht  also
keine  Rolle  spielt,  thut  man  auf  alle  Fälle  besser,  die  Schnur  beträchtlich  stärker  zu  nehmen.  Bei  längeren
Leinen  kann  man  sich  auch  nach  der  jeweiligen  Windstärke  einrichten.
Ich  habe  stets  Schnüre  von  i l U,  2,  3  und  4  mm  Durchmesser  verwendet.  Allzuviel  Abstufungen  machen
das  Auseinanderhalten  schwierig.  Geflochtene  Schnüre  sind  etwas  schwächer,  als  gedrehte,  weil  die  kreuzweis ­
  übereinander  liegenden  Fäden  einander  schneiden.
Es  ist  übrigens  bei  den  hiesigen  Versuchen  vorgekommen,  dass  die  4  mm-Schnur  in  einer  Regenböe
bei  einem  Druck  gerissen  ist,  der  sicherlich  weit  unter  100  kg  betrug,  und  nicht  in  einem  Knoten,  sondern
in  ihrem  Verlaufe.  Im  Bruche  zeigte  sich  die  eine  der  drei  Duchten  dunkelbraun,  wie  angebrannt.  Wahrscheinlich ­
  hat  man  es  hier  mit  der  Wirkung  von  elektrischen  Funken  bei  ungleichmässiger  Benetzung  der
Schnur  zu  thun.  Wenigstens  hat  mir  auch  Herr  Teisserenc  de  Bort  erzählt,  dass  in  seinen  Versuchen  die
Zerstörung  der  Schnur  durch  elektrischen  Funken  ohne  Gewitter  vorgekommen  ist.
*)  Bei  schwachem  Winde  kann  ein  Mann  bequem  den  Zug  von  etwa  7  qm  Drachenfläche  beherrschen,  bei  starkem,  wo
dies  nicht  möglich,  ist  dafür  auch  weniger  Raum  zum  Auffieren  der  Drachen  erforderlich.
            
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