W. Koppen: Erforschung der freien Atmosphäre mit Hülfe von Drachen.
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vortbeilhaft, bei starken aber ungünstig sind, und man bei starken dieses Zusatzes auch nicht bedarf, so
empfiehlt sich ihre Verwendung am ehesten in demjenigen Theile, der dem Drachen nur bei schwächeren
Winden beigegeben wird. Natürlich muss auch dieser Theil so gehalten sein, dass eine Schädigung des
Drachens durch ihn im Falle eines unerwarteten Auffrischens des Windes nur sehr geringe Wahrscheinlichkeit
habe. Der ganze Leesegel-Apparat des Drachens besteht (Fig. 46) aus einer langen Leiste aa, auf der die
Bendsei bbb festgelascht sind, mittels deren sie an den vorderen Botangstäben in der Mitte zwischen den zwei
Hauptsegeln befestigt wird. An dieser Leiste hängen die zwei Flügel ff und die zwei schmalen Zwischen
segel ss; erstere werden mit Haken an Oesen gehakt, die auf den Stäben a, h und b der Seitenrahmen, Fig. 45,
sitzen; letztere -werden mit den Bendsein rrr an die Querstreben (h, Fig. 45) der drei Rahmen festgemacht.
Es sind 4 Drachen dieses Modells gebaut worden, von denen auf Figur VII (Tafel 2) No. 1 im auf
geschlagenen, No. 4 im zusammengelegten Zustande dargestellt sind. Ihre Dimensionen sind wie folgt:
No. 1 und 3
No. 2
No. 4
ohne mit
ohne mit
ohne mit
Leesegeln
Zwischensegel*)
Leesegeln
Breite
0.90 m
1.80 m
1.96 m
1.96 m
1.50 m
2.50 m
Länge der Hauptsegel ....
0.64 »
—
0.82 »
—
0.82 »
—
Tragfläche
1.12 qm
1.53 qm
3.4 qm
4.0 qm
2.5 qm
3.1 qm
Gewicht (mit Bucht)
1.04 kg
1.39 kg
3.10 kg
3.36 kg
2.26 kg
2.7 kg
Gewicht pro Quadratmeter
0.93 >
0.90 »
0.91 *
0.84 »
0.904 kg
0.87 kg
*) No. 2 hat nur die Eläclien ss, keine Flügel.
Die Erfahrungen -waren am günstigsten mit dem ältesten dieser Drachen, No. 1. Kurz nach seiner
Herstellung ist er am 7. und 8. Oktober 1901 in heftigen Regen- und Graupelböen anhaltend stabil ge
blieben, ausser als er einmal durch Nachgeben des nur provisorisch durch Leim und Stecknadeln am Ge
stell befestigten Zeuges, und ein zweites Mal durch Knickung einer Leiste im Winde dauernde Deformation
erfuhr und zur Reparatur herabgeholt werden musste. Aber auch in diesen Fällen schoss er nicht etwa
herab, sondern wich er nur anhaltend nach einer Seite ab. Der Zug des Drachens hatte 5—12 kg betragen
(ohne elastische Bucht).
Dagegen zeigten No. 2 und 3 die Neigung, ohne erkennbaren Grund zeitweise sich auf die Seite zu
legen und alsdann weit aus der Windrichtung heraus zu fliegen, allerdings in stabiler Weise, aber doch in
kurzen Fristen, bald nach rechts, bald nach links. No. 4 zeigte eine auch bei No. 2 in einem Falle hervor
getretene Neigung zu „tauchen“, d. li. sich vorn über zu neigen und mit loser Schnur abwärts auf den Boden
zu gleiten. Dieser Neigung kann durch Anhängen eines Schwanzes oder Anspannen eines höheren Drachens
an den Rücken von diesem abgeholfen werden, aber es ist natürlich höchst unerfreulich, dass ihr Grund
vorläufig nicht angegeben werden und sie daher nicht an ihrem Ursprung ausgemerzt werden kann. Der
Schluss der Versuche für dieses Jahr hat eine weitere Verfolgung dieser Aufgabe fürs erste verhindert.
Sehr interessant aber ist das Verhalten einer Verbindung von zwei solchen Froschdrachen zu einer
einzigen langen Treppe, das noch zum Schluss durch einige Versuche festgestellt werden konnte. Verbindet
man in der auf Fig. 47 angegebenen Weise die zwei gleichen Drachen No. 1 und 3, was in sehr einfacher
Weise durch Anbinden je einer langen kräftigen Leiste zu beiden Seiten der Drachen geschehen kann, so
erhält man ein Gebilde, das sich durch ausserordentlich ruhige langsame Bewegungen auszeichnet. Einen so
stabilen Flug in nächster Nähe vom Erdboden liabe ich in der That selbst bei Hargrave-Drachen nicht gesehen,
wenn sie nicht durch einen an ihren Rücken gespannten Drachen getragen wurden, was hier nicht der Fall
war. Dieser „Doppelfrosch“ oder ein ähnlicher Drache wird voraussichtlich für die Zwecke der Photographie
aus der Höhe sehr geeignet sein. Zur Verwendung für meteorologische Aufstiege müsste er bessere Steig
winkel zeigen, als bei den 2 — 3 bis jetzt angestellten Versuchen der Fall war, da dieser kaum 40° er
reichte, trotz frischen Windes. Wahrscheinlich lag dieses an der übergrossen Schwere dieses Doppeldrachens,
die durch die Hinzufügung der beiden Längsstöcke zu der ohnedies kräftigen Konstruktion der beiden
Drachen entstand; vielleicht auch an der Bucht, die bei einem neuen Drachen nicht immer leicht zu treffen
ist, da man den Angriffspunkt und die Richtung der Resultirenden des Winddrucks nicht genau kennt.
Immerhin ist am 28. Oktober d. J. von 2 h 20 m bis 3 h 50 m p. m ein kleiner Aufstieg durchgeführt worden,
in welchem als oberer Drache der eben besprochene „Doppelfrosch“ und zwar mit den 4 Flügeln, gedient