W. Koppen: Erforschung der freien Atmosphäre mit Hülfe von Draehen.
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Holzes gelegt sind, während sie gegenüber in den Muttern gg sitzen. Das Endauge jedes Spanndrahtes geht
durch einen Schlitz des Winkelblechs und wird durch einen Stift gehalten, der hinter das Winkelblech ge
schoben ist.
Diese Bleche sind von einer eigenthümlichen, sehr zweckmässigen Gestalt. Fig. 38 stellt in natür
licher Grösse das platte, noch nicht gestanzte Blech dar, Fig. 39 dasselbe Blech, nachdem es die Stanze
passirt hat. Der breite Lappen ist zur Aufnahme der Breitseite einer der Leisten, die zur Seite gerichteten
und der nach unten gehende Lappen zur Aufnahme der Schmalseite zweier anderen Leisten bestimmt. Der
erstere wird mit Schraube und Mutter befestigt, die Seitenlappen nur festgelascht, der abwärts gerichtete
Lappen wird mit Stiften befestigt und gelascht. Nach den von Washington erhaltenen Mustern hat die
Seewarte für diese Bleche zwei sogen. „Schnitte“ und eine Stanze anfertigen lassen; für die quadratischen
Blech-Unterlagen für die Schraubenköpfe und für die T-förmigen Bleche ist hier kein besonderer Schnitt
vorhanden, sie werden vielmehr durch Theilung der Vollbleche hergestellt. Bleche dieser Arten können
unter Angabe der Dicke, vom Mechaniker Gudenberg in Hamburg-Eimsbüttel (Bismarckstrasse) bezogen
werden. Für die 6V3 qm-Drachen werden Bleche von 0.56 mm (Gewicht 3.75 g), für die 4 qm-Drachen solche
ebenfalls aus Weissblech, aber grossentheils 0.4 mm dick genommen (Gewicht 2.0 g), für 2 qm-Drachen
Magnaliumbleche von 0.5 mm Stärke (Gewicht 1.0 g), die sich gut bewähren.
Ausser 48 Blechen der eben beschriebenen Gestalt sind in einem Marvin-Drachen 30 T-förmige Bleche
ohne den Lappen A und ferner 48 vierkantige Bleche A als Unterlagen für die Schraubenköpfe erforder
lich. Alle Bleche und Schrauben eines Marvin-Dracliens von 6V3 qm Tragfläche wiegen zusammen 363 g.
Die Längsstäbe werden an die vier Querrahmen durch Schrauben und Muttern befestigt (die Muttern
kommen auf die Innenseite). Die einzusetzenden Spanndrähte müssen sehr genau abgemessen sein, da sie
weder lose sein, noch den Rahmen verbiegen dürfen. Man erreicht dieses, indem man die Augen an ihren
Enden über entsprechend von einander entfernten Nägeln auf einem Brett herstellt. Hat man einmal die
richtige Länge heraus, so ist das Herausnehmen eines Drahtendes und dessen Wiederbefestigung in seiner
Lage Sache weniger Minuten und ist man der richtigen Form des Drachens ohne weiteres Messen sicher.
Steht das Gestell fertig da, so wird der Drache bezogen. Hierzu wird eine Zeugbahn, von der Breite
des Zwischenraums der Querleisten jeder der Zellen des Drachens mit Einlegung einer Schnur (eines Lieks)
gesäumt und rund um den Rahmen geschlagen. Die Enden dieser Bahn werden in solider Weise mit
mehreren Nähten gesäumt und dann mit starkem Garn aneinander geheftet.
Das Zeug muss eben genügend gespannt sein, ohne die Leisten bedeutend zu krümmen; eine anfäng
liche leichte Krümmung der Längsleisten schadet in sofern nicht, als das Zeug sich im Winde reckt und
dann nachgiebt. Die beiden Längsränder der Bahn werden mit Bindfaden in etwa */ 2 cm grossen Stichen
an die Leisten angenäht und nach jedem zehnten Stich etwa unverrückbar befestigt. Diese Befestigungsart
ergiebt das geringste Gewicht; freilich bedingt sie beim Bruch eines Querholzes ein etwas umständliches
Neu-Benähen des Holzes; deshalb habe ich sie neuerdings durch das Aufnähen von plattem Band in passen
den Abständen ersetzt, durch welche die Leiste durchgesteckt wird. Die drei kurzen Längsstäbe, welche
die Zwischenfläche der Vorderzelle spreizen, liegen in Hohlsäumen und sind mit anders geformten einfacheren
Blechen in dem Rahmen festgelascht.
Zum Transport werden die Längsstöcke herausgenommen und die Querrahmen aneinander geschoben;
um die Bleche vor Bruch zu schützen, empfiehlt es sich, die Längsstöcke durch ca. 1 dm lange Leisten zu
ersetzen, an die die Endbleche geschraubt werden. Beim Aufschlagen sind die 4 Kantstäbe innerhalb, die
2 Mittelstäbe ausserhalb des Zeuges zu setzen.
Die Dimensionen des Marvin-Drachens zwischen den Aussenrändern der Leisten sind die folgenden:
Breite 198 cm, Länge der drei Zellen 64+72 + 64 cm,*) insgesamt 200 cm, Tiefe 82 cm; jede der fünf Trag
flächen ist also 0.64X1.98 = 1.27 qm gross, ihr Gesamtareal also 6.35 qm. Das Gewicht des Drachens be
trägt 4.00 kg, also 630 g pro Quadratmeter.
Der Originaldrache aus Washington ist bei den meisten Aufstiegen vom November 1899 bis Anfang 1901
zur Verwendung gekommen und hat eine Anzahl von Malen Leisten gebrochen, die aber gleich ersetzt
werden konnten, ohne dass das Zeug oder die Drähte hätten erneuert werden müssen.
*) Die Breite der Leisten ist hier den beiden Endzeilen zugeschlagen, da auch sie Tragflächen darstellen.