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Full text: 24, 1901

IV. IvOppen: Erforschung der freien Atmosphäre mit Hülfe von Drachen. 
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der Flügel im Sinne der Prinzipe B und C mit; Chanute’s „ladder kite“ und „multiple winged machine“ 
zeigten alle drei Grundsätze vertreten, wie die Hargrave-Draclien, besassen jedoch auch eine automatische 
Verstellung der Flügel, auf die der Erfinder Werth legt. 
Das Prinzip G ist bei Drachen bis jetzt nur in der Form einer im Wind rotirenden Schraube auf 
einem Stock als Schwanz zur Anwendung gekommen, verdient aber weitere Berücksichtigung, vgl. „Illustr. 
Aeronaut. Mittheilungen“, 1899, S. 127, 1901, S. 159. 
c. Versuche mit kleinen Flugmodellen. Um die obigen Sätze mit Drachen im Winde nachzu 
prüfen, dazu gehört ein ausserordentlich grosser Betrag von Zeit, Arbeit und Kosten, da jeder gelungene 
Versuch erst durch Vergleich mit misslungenen seine volle Beweiskraft erhält, und da die Bedingungen im 
freien Winde nicht nur von Tag zu Tag, sondern von Minute zu Minute wechseln. Glücklicher Weise kann 
man durch Analogie die wichtigsten Fragen mittels sehr einfacher Versuche im Zimmer beleuchten. Statt 
nämlich die Luft gegen den schwebenden Drachen zu bewegen, können wir die Drachenfläche gegen die 
Luft sich bewegen lassen, und zwar durch ihre eigene Schwere; und um das schiefe Gleiten der Luft am 
Drachen nachzuahmen, können wir das Modell, durch blosse Verschiebung seines Schwerpunktes nach vorn, 
durch die Luft gleiten lassen und sein Verhalten dabei beobachten. Je ruhiger das Modell seinen geraden 
oder aufwärts gekrümmten Weg verfolgt, um so stabiler wird wohl die betreffende Form auch als Drache 
sein. In Fig. 16*4 stellt der Pfeil den Wind, die Linie ab den Drachen dar, in Fig. 16B ist ab das 
fallende Modell, der Pfeil die relative Bewegung der Luft gegen dasselbe. Man sieht, B ist A völlig ähn 
lich, nur um etwa einen halben rechten Winkel gedreht. Freilich spielt die Schwerkraft in B eine ganz 
andere Rolle als in A, sie vertritt hier in der Hauptsache den Zug der Leine. Man kann daher die Ana 
logie nur bis zu einer gewissen Grenze durchführen; für Erscheinungen, wo die Schwere beim Drachen eine 
wesentliche Rolle spielt, z. B. bei der Wirkung des Schwanzes, versagt sie. 
Wählen wir zu den Versuchen eine Anzahl kleiner Rechtecke von gewöhnlichem Schreibpapier, etwa 
4X10 cm gross. Lassen wir eines in beliebiger Lage aus der erhobenen Hand, also von etwa 180 cm Höhe 
fallen, so flattert es im Fallen unregelmässig hin und her und überschlägt sich in der Regel mehrmals, ehe 
es den Boden erreicht. Die Vorgänge bei diesem Fall haben Herr Dr. F. Alilborn und ich diskutirt und durch 
Versuche beleuchtet ; ersterer in seiner 1897 in den Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in 
Hamburg veröffentlichten Studie: „Der Schwebeflug und die Fallbewegung ebener Tafeln in der Luft“; ich 
selbst in den „Illustr. Aeronaut. Mittheilungen“, Oktober 1901, S. 149 — 159. 
Sobald wir die vier Ränder des Blatts auf die Breite von etwa 1 cm rechtwinklig aufwärts Umschlagen, 
ändert sich das Bild: die Platte sinkt langsam unter geringen Schaukelbewegungen senkrecht herab. Beweis 
für den Grundsatz A. 
Machen wir aber die vertikalen Ränder nur 2 mm hoch oder bringen wir sie nur an zwei Seiten des 
Blatts an, so fällt es zwar ruhiger, als ganz ohne Vertikalflächen, aber die Schaukelbewegungen werden doch 
so stark, dass es sich gewöhnlich vor Erreichen des Erdbodens mindestens einmal überschlägt. Schneiden 
wir nun etwa die Hälfte des horizontalen Theils der Tafel heraus — in der Form eines oder mehrerer 
Löcher, aber symmetrisch zum Mittelpunkt — so sinkt die Platte ruhig senkrecht herab. Beweis für den 
Grundsatz B. 
Verschieben wir den Schwerpunkt aus dem Mittelpunkt des Blattes heraus, was am einfachsten durch 
mehrmaliges Umbiegen des längeren Randes und Einstecken einer Stecknadel in denselben (vergl. Fig. 17) 
geschehen kann, so gleitet das Blatt schräg nach der Seite des beschwerten Randes abwärts. Ist dieser 
Vorderrand vier- bis fünfmal länger, als die beiden Seitenränder, so kann man, wenn man die Lage des 
Schwerpunkts durch ein verschiebbares Gewicht — z. B. die erwähnte Stecknadel — regulirt und diesen 
künstlichen Vogel vorsichtig ablässt, recht schöne Schwebeflüge erzielen, wie mich dieses Herr Leo Keller 
vor acht Jahren zuerst gelehrt hat; es ist aber ziemlich grosse Exaktheit in der Anfertigung und Han- 
tirung solcher kleinen Segler nöthig. Ist nicht der längere, sondern der kürzere Rand des Blattes beschwert, 
so gelingt dies bei aller Mühe nicht; es überschlägt sich im Fallen, besonders wenn der Schwerpunkt um 
weniger als J /io der Längsaxe aus dem Mittelpunkt der Karte verschoben ist. Auch ein Auf biegen der 
Seitenränder genügt in diesem Falle nicht, um dem Blatte Stabilität zu geben. Dagegen wird diese sofort 
erreicht, wenn man aus der Mitte der Karte den Raum zwischen den aufgebogenen Rändern auf ’/3 der 
Länge oder selbst mehr wegschneidet. Fig. 18A zeigt die Karte in diesem Zustand; es ändert wenig, wenn
	        
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