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Volltext : 24, 1901

W.  Koppen:  Erforschung  der  freien  Atmosphäre  mit  Hülfe  von  Drachen.

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einigemiaassen  frischem  Winde,  aus  welcher  Richtung  er  auch  komme,  der  Aufstieg  vom  Haspel  selbst  aus
erfolgen  können.  Ist  der  Wind  so  schwach,  dass  vor  dem  Aufstieg  mehr  als  80  m  Leine  ausgelassen  werden
müssen,  so  stehen  dafür  hei  den  häufigeren  westlichen  Winden  noch  mindestens  40  m  zur  Verfügung,  so
dass  der  Drache  mindestens  120  m  weit  vom  Haspel  aufsteigen  kann;  mehr  als  200  m  Abstand  zwischen
diesen  und  den  Drachen  zu  nehmen,  ist  selten  gut  durchführbar,  da  der  Draht  dann  zu  leicht  unklar  kommt.
Muss  man  diesen  Abstand  aber  zwischen  80  (resp.  120)  und  200  m  wählen  und  kann  man  dabei  nicht  auf
das  benachbarte  Grundstück  hinübergehen,  so  stehen  einem  zwei  Wege  zur  stärkeren  Ausnutzung  des  Platzes
zur  Verfügung:  entweder  man  lässt  die  Drachen  an  einem  ca.  200  m  langen  Vorläufer  aus  Schnur,  Draht
oder  dünnem  Kabel  von  einer  fahrbaren  Winde  aufsteigen,  die  man  an  eine  geeignete  Stelle  des  Grundstücks
bringt  und  darauf,  wenn  die  Drachen  stehen,  zum  Haspel  fährt,  wo  man  den  Vorläufer  an  den  Hauptdraht
befestigt;  oder  man  leitet  den  Draht  vom  Haspel  über  eine  Rolle,  die  man  in  der  Hand  etwa  an  diejenige
Stelle  bi'ingt,  wo  im  anderen  Falle  die  fahrbare  Winde  aufgestellt  wird;  in  dem  Maasse,  als  der  Drache  zu
ziehen  beginnt,  giebt  der  die  Rolle  haltende  Mann  dem  Zuge  nach  und  gelangt  so  zur  Drehbude,  die  zum
Schluss  nach  Lee  gedreht  wird,  worauf  der  weitere  Aufstieg  direkt  vom  Haspel  erfolgt.  Die.  Erfahrungen
in  Hamburg  haben  die  Durchführbarkeit  dieses  Verfahrens  bewiesen;  wegen  der  Nachbarschaft  des  Isebek-Kanals
  war  man  nicht  selten  dazu  genöthigt;  in  Berlin-Tegel  wird  gegenwärtig  die  fahrbare  Winde  und  der
Vorläufer  bei  allen  Aufstiegen  angewandt.  Etwa  30  —  40  m  von  der  Drehbude  entfernt  (eine  grössere
Entfernung  erzeugt  Zeitverlust),  befinde  sich  ein  fester  Schuppen  von  etwa  4X8X5  m  Rauminhalt,  der
als  Aufbewahrungsort  für  die  Drachen  und  als  Werkstatt  dient.  Nicht  durchaus  nothwendig,  aber  sehr
vortheilhaft  für  häufige  Aufstiege  ist  es,  wenn  noch  in  einer  Ecke  des  Grundstücks  ein  Häuschen  für  einen
der  ständigen  Angestellten,  mit  einem  Bureauzimmer  und  Schuppen  dabei,  sich  befindet.  Diesem  Angestellten
kann  zugleich  unbedenklich  ein  Theil  des  Grundstücks  als  Gemüseland  übergeben  werden,  wenn  nur  bei
Wahl  und  Vertlieilung  der  Kulturen  auf  die  Drachenaufstiege  Rücksicht  genommen  wird  und  genügend  Wege
radial  zur  Drehbude,  zwischen  den  Beeten,  gelassen  werden.  Als  Viehweide  lässt  sich  dagegen  der  Platz
nicht  benutzen.
Als  Personal  für  eine  regelmässig  funktionirende  Drachenstation  genügen,  neben  dem  wissenschaftlichen
Leiter,  der  in  der  Regel  nur  einen  Theil  seiner  Zeit  diesem  Zweige  wird  widmen  können,  drei  Personen,
nämlich  ein  praktischer  Leiter  und  zwei  Arbeiter.  Will  man  Aufstiege  so  oft  als  möglich  und  auch  solche
über  2000  m  hinaus  machen,  so  muss  man  einen  Motor  benutzen.  Steht  das  Geld  und  das  Personal  zur
Anschaffung  und  zum  Betriebe  eines  Elektromotors  nicht,  wie  in  Trappes  und  in  Berlin-Tegel,  zur
Verfügung,*)  so  wird  man  auch  mit  einem  einfachen  Benzin-Motor  ziemlich  viel  erreichen  können,  wenn
Motor-  und  Handbetrieb  sich  unterstützen  und  wo  nöthig,  ablösen  können.  Auch  ein  Windmotor  würde
unter  Umständen  für  diesen  Zweck  geeignet  sein;  denn  in  der  Regel  steht,  wenn  man  keine  zu  langen  Aufstiege ­
  macht,  Windkraft  für  das  Einholen  zur  Verfügung  und  zwar  um  so  mehr,  je  stärker  die  Drachen
ziehen,  also  je  grösser  die  zu  leistende  Arbeit  ist.
Die  Kosten  eines  solchen  einfachen,  aber  über  das  ganze  Jahr  sich  erstreckenden  Betriebes  dürften
sich  in  Hamburg  wie  folgt  stellen,  wenn  vorausgesetzt  wird,  dass  die  geistige  Oberleitung  nicht  aus  diesem
Fonds  zu  honoriren  ist  und  für  das  Grundstück  nichts  zu  zahlen  ist:  Jährliche  Ausgaben  7500  JVC.,  nämlich
persönliche  5500  dt.,  sachliche  2000  dt.;  dazu  einmalige  Ausgaben  an  Gebäuden:  Drehbude  400  dt.,  feste  Bude
1100  dt.,  Wohnhaus  mit  Bureau  8500  dt.,  zusammen  10000  dt.;  an  maschineller  Einrichtung:  Haspel  800  dt.,
Motor  1000  dt,  sonstige  200  dt.,  zusammen  2000  di.;  an  Drachenmaterial,  Draht  u.  s.  w.  900  di.;  Registrir-Apparate
  2300  dt.;  Unvorhergesehenes  300  dt;  im  ganzen  15  500  dt.,  ohne  das  Haus  nur  7000  dt.,  die  unter
Umständen  auch  auf  2  —  3  Jahre  vertheilt  werden  können.
Obiger  Kostenanschlag  ist  auf  Grund  der  hier  gemachten  Erfahrungen  aufgestellt  und  auf  einen  regelrechten ­
  Betrieb  durch  das  runde  Jahr  bemessen.  Er  stimmt  bezüglich  der  laufenden  Ausgaben  mit  demjenigen ­
  überein,  der  auf  dem  Kongress  russischer  Meteorologen  im  Winter  1899/1900  für  eine  „normale”
Drachenstation  aufgestellt  wurde;  an  einmaligen  Ausgaben  sieht  der  letztere,  offenbar  ohne  Wohngebäude
und  Motor,  nur  ca.  3500  dl.  vor,  was  eine  etwas  knappe  instrumenteile  Ausrüstung  voraussetzt.  Sollen  die
Versuche  einen  mehr  gelegentlichen  und  Studien-Charakter  tragen,  so  ist  mit  einer  viel  geringeren  Summe

*)  Die  Kabelwinde  auf  dem  letzteren  Institut  hat  (wahrscheinlich  ohne  die  Dampfmaschine)  4000  dt.  gekostet;  siehe
„Das  Wetter 1 -',  1900,  S.  174.
            
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