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Volltext: 24, 1901

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Aus dem Archiv der Deutscheu Seewarte — 1901 No. 1 — 
drachens durch einen leichteren verzichten soll, der ihn leicht und sicher durch die Hindernisse der untersten 
Luftschicht (aufwärts und abwärts) hindurch lotst. Dieses Anheben kann zwar auch durch einen zweiten 
Hargrave-Drachen geschehen, allein durch die Verwendung eines Malay-Drachens hierfür kann die Zahl der 
verwendbaren Tage, wie die Tabelle zeigt, sehr vergrössert werden. Fürchtet man, dass in der grösseren 
Windgeschwindigkeit der Höhe ein Herabdrücken des Malay-Drachens eintreten könnte, so braucht man ihn 
nicht mit hinaufgehen zu lassen, sondern lässt ihn nur in der in Abschn. 7 beschriebenen Weise den Har 
grave-Drachen hinaufschleppen und diesen nach Erlangung genügenden Windes sich von jenem lösen, worauf 
der Malay wieder eingezogen wird. 
Wenn die bis jetzt gewonnenen günstigen Erfahrungen sich dauernd bestätigen, so vereinigt das neue 
Drachenmodell der Seewarte von 1901 das leichte Steigen des Malay- und die Stabilität des Hargrave- 
Drachens und kann daher an durchschnittlich 119 + 124 — 243 Tagen im Jahre oder 67% aller Tage ver 
wendet werden, und zwar ohne Beihülfe eines andern Systems. An die Stelle der bedenklichen Verwendung 
von zweierlei Drachen, die so verschieden sind, dass eine geringe Aenderung des Wetters während des Auf 
stiegs den einen oder den andern dafür ungeeignet macht, tritt dann ein einheitlicher, nur eventuell bei 
schwachem Winde durch Zugabe von Segelfläche noch steigfähiger gemachter Drache, der auch mit dieser 
vergrösserten Fläche wahrscheinlich ziemlich viel Wind verträgt, da die Unveränderlich eit der Form bei ihm 
annähernd ebenso gesichert ist, wie beim Hargrave-Drachen. 
Was kann an windstillen Tagen geschehen? Es trägt sich, was an jenem Drittel aller Tage 
geschehen kann, an denen auch mit Zuhilfenahme leichter Drachen wegen Windstille am Boden nicht hoch 
zu kommen ist? Wenn es auch an Arbeit für diese Tage zur Vorbereitung der Aufstiege an den übrigen 
Tagen nicht fehlt, so ist es doch gewiss unerwünscht, auf meteorologische Aufzeichnungen aus der freien 
Atmosphäre für dieselben von vorn herein verzichten zu müssen, um so mehr, als im Innern der Festländer 
die Zahl solcher Tage noch viel grösser ist und damit gewisse höchst wichtige Wetterlagen, wie z. B. das 
Innere barometrischer Maxima, der Untersuchung geradezu entzogen wird. Hier bieten sich nun drei Wege: 
Der eine dieser Wege ist, statt des Drachens an solchen Tagen einen Fesselballon empor zu senden. 
Da indessen in der Mehrzahl derselben die Windstille nur in der untersten Luftschicht herrscht, der kugel 
förmige Fesselballon aber vom Wind niedergedrückt wird, so kommt hierfür nur der Drachenballon in Be 
tracht. Der Betrieb eines solchen bildet denn auch einen wesentlichen Punkt im Programm der Aero 
nautischen Abtheilung des Preuss. Meteorologischen Instituts; nähere Auskunft darüber giebt Herr Assmann 
im Julihefte 1900 der Zeitschrift „Das Wetter“. Es ergiebt sich aus jener ungeschminkten Darstellung, 
dass die Aussichten des Drachenballons für meteorologische Zwecke, wenn man sie zusammenhält mit den 
grossen einmaligen und Betriebs-Kosten, nicht sehr günstig sind. 
Der Drachenballon des Berliner Aeronautischen Observatoriums fasst 37 cbm;*) er hat eine Länge von 
9% m und einen Durchmesser von 2'/i m. Die Firma A. Riedinger in Augsburg hat zwei solche Ballons 
geliefert; der erste, aus gummirter Baumwolle augefertigte, wog 25 kg und konnte kaum 500 m des erforder 
lichen 1 mm starken Stahldrahts tragen; der zweite, aus doppelter Seide mit dazwischengepresster Kautschuk 
lage hergestellte Ballon wog nur 15 kg und hatte also 10 kg mehr Auftrieb, konnte aber das Wasserstoffgas 
nur wenige Stunden halten und musste, um grössere Dichte zu erreichen, wieder um einige kg schwerer 
gemacht werden. Die Herstellungskosten desselben betragen etwa 1800 M. Die Drahtlänge, die er tragen 
kann, beträgt im besten Falle noch nicht 2000 m. Die Drachenwirkung des Drachenballons reicht wegen 
des grossen Stirnwiderstandes desselben nur eben hin, um ihn nicht, wie den Kugelballon, durch den Wind 
tief herabdrücken zu lassen; der Winkel, den der Draht mit dem Horizont bildet, ist beim Drachenballon 
bedeutend geringer, als bei guten Drachen. 
Die nöthigen Räumlichkeiten und das nöthige Personal sind natürlich beträchtlich grösser, als bei 
blossem Drachen-Betriebe, und die Kräfte, mit denen man arbeitet, sind viel bedeutender; ohne starken 
Motor ist ein solcher Betrieb heutzutage gar nicht denkbar. Verhält sich der Drachenballon im Winde viel 
ungünstiger, als der Drache, so hat er in voller Windstille wiederum wegen seiner Form ein viel ungünsti 
geres Verhältniss zwischen Volum und Gewicht, als der Kugelballon. Solche volle Windstille ist freilich 
*) Bei den Versuchen ndt dem Zeppelin'schen Luftschiff wurde für die Feststellung der Verhältnisse in 500 m Höhe 
ein Drachenballon von 100 cbm Inhalt angewendet.
	        
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