W. Koppen: Erforschung der freien Atmosphäre mit Hülfe von Drachen.
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/. Flaue Tage, an denen sich günstige Momente für Aufstiege finden lassen, aber viel Geduld und
Aufmerksamkeit hierzu nöthig ist: zwischen 10 ß und 4P mindestens eine Stunde zwischen 5 und 8 m pro Sek.,
andere unter 5 m pro Sek.
m. Gute Tage für Malay-Drachen: von V bis 4P alle Stundenmittel 5 bis 8 m pro Sek., aber minde
stens eine der Stunden unter 6.1 m pro Sek., daher für Hargrave-Drachen nur wie /, wenn nicht gar wie c.
b. Gute Tage für beiderlei Drachen: alle drei Stunden von 1P bis 4 P , Mittel von 6.1 bis 8 m pro Sek.
h. Gute Tage für Hargrave-Drachen, aber zeitweise zu windig für Malay-Drachen: von 1P bis 4P
6 bis 12 m pro Sek., mindestens 1 Stunde über 8 m pro Sek.
n. Diejenigen Tage unter h, die nachträglich durch Auffrischen des Windes zwischen 4P und 7 p über
12 m pro Sek. auch für Hargrave-Drachen gefährlich geworden wären.
S. Stürmische Tage, an denen der Drachenbetrieb auch für Hargrave wegen allzu grosser Windstärke
gefährlich oder unmöglich geworden wäre: eines der drei Stundenmittel zwischen 1P und 4P hegt über
12 m pro Sek. (15 m pro Sek. nach alter Skala).
Die angegebenen Windgeschwindigkeiten gelten für den Thurm der Seewarte. In der Höhe der Drachen
ist die Windgeschwindigkeit dabei fast stets viel grösser, aber andererseits der Wind viel gleichmässiger.
Zahl der Tage im sechsjährigen Mittel
(auf ganze Tage abgerundet, mit Ausnahme der Klassen n und S).
Jan.
Febr.
März
April
Mai
Juni
Juli
Ang.
Sept.
Okt.
Nov.
Dez.
Hall
| kalt
)jahr
warm
Jahr
c. stille Tage
9
7
8
8
9
8
7
9
9
11
8
10
1
53
50
103
/. flaue Tage
7
6
G
8
7
9
9
9
6
7
7
6
39
48
87
in. gut für Malay . .
3
9
O
4
4
4
4
4
4
4
9
K>
5
3
| 22
24
46
b. gut für beide . . .
3
4
3
3
6
0
4
3
3 i
3
2
o
O
18
24
42
h. gut für Hargrave
8
6
8
C
6
4
G
5
7
G
G
8
| 43
34
77
n. nachher stürmisch
0.3
0.2
0.5
0.2
0.7
0.0
0.3
0.3
0.0
0.5
0.3
0.7
2.5
0.8
3.3
S. Sturmtage
0.5
1.8
1.8
0.5
0.0
0.5
0.7
0.2
0.7
0.8
1.2
1.2
7.3
3.3
10.6
Nimmt man an, dass an Vio der flauen Tage, also an 9 Tagen (ff), es nicht gelingen werde, den
günstigen Moment abzupassen, so zerfällt die Gesammtzahl der Tage im Klima von Hamburg in drei fast
gleich starke Drittel:
1) unbrauchbare Tage = 128 Tage,
2) Tage, die für reinen Hargrave-Drachen-Betrieb geeignet sind: b+h = 119 Tage, und
3) Tage, an denen ohne Verwendung leichterer Drachen (etwa Malay-Drachen) nicht gut auszukommen
ist: m+f = 124 Tage; mindestens wird der Betrieb an ihnen durch Hinzunahme solcher sehr
erleichtert und Zeitverlust vermieden.
Malay-Drachen steigen zwar schon bei einer etwas geringeren Windgeschwindigkeit als 5 m pro Sek.,
etwa von 4.5 an. Aber bei so schwachem Winde, und aufwärts etwa bis 5.2 m pro Sek., gelingt es nicht,
den grossen Hargrave-Drachen mit dem Instrument durch den an seinen Blicken gebundenen Malay hoch
zu bringen. Dann versucht man es wohl — aber gewöhnlich ebenfalls vergeblich ■— den grossen Drachen
ohne das Instrument empor zu bringen, um dieses erst an den Draht anzuhängen, wenn beide Drachen in
genügenden Wind gekommen sind. Mit Bemühungen dieser Art habe ich manche Stunde verbracht. Zwischen
durch fällt dann auch der Malay-Drache herab, um beim ersten frischeren Luftzuge wieder aufgelassen zu
werden; hält dieser vor, so wird vorsichtig Schnur nachgegeben, bis die etwa 60 m derselben zwischen
Malay- und Hargrave-Drachen gespannt sind, und wenn der Zug in der Schnur genügend ist, auch der
letztere hinaufgesandt.
Die oben angegebene Grenze von 6 m pro Sek. (in Dachhöhe) für die Hargrave-Drachen entspricht
nicht nur den hiesigen Erfahrungen, sondern auch jenen vom Blue Hill und von Trappes. Es ist immerhin
möglich, dass leichte Hargrave-Drachen ohne Instrument auch bei etwas weniger als 6 m pro Sek. steigen;
die Grenze ist nicht leicht festzustellen. Aber einerseits ist das Instrument weitaus am sichersten im Drachen
geborgen, andererseits ist nicht einzusehen, warum man auf den grossen Vortheil des Anhebens des Haupt