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Full text: 24, 1901

W. .Koppen : Erforschung der freien Atmosphäre mit Hülfe 'von Drachen. 
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1 Stunde abwärts braucht, so lassen sich solche Aufstiege reihenweise alle zwei Stunden machen, wodurch 
allstündlich Aufzeichnungen aus allen zwischenliegenden Schichten gewonnen werden. Der Meteorograph muss 
aber die für die kleineren Unterschiede, die hier in Betracht kommen, erforderliche Genauigkeit besitzen. 
Ein solcher Betrieb ist bisher, da man sein Augenmerk hauptsächlich auf hohe Aufstiege gerichtet 
hat, noch nicht versucht worden, und auch ich habe die Methoden, die sich für dessen zweckmässige Durch 
führung darbieten, nicht erprobt, weil ich die unbekannten Gefahren ganz neuer Methoden in der jetzigen 
Oertlichkeit der Drachenstation der Seewarte scheute. Ausserhalb der Stadt hätte ich diese Bedenken nicht 
gehabt. Ich kann also hier nur eine Anregung geben, deren Durchführbarkeit erst die Erfahrung zeigen 
muss. Drei Wege zu diesen Zielen bieten sich uns dar: 
A. Um eine intensivere Durchforschung der unteren Schichten der Atmosphäre zu erreichen, kann 
man bei einem Aufstieg, statt eines, mehrere Begistrir-Instrumente hinaufschicken, die in verschiedener Ent 
fernung vom obersten Drachen angebracht sind, sei es an der Leine hängend, sei es in Nebendrachen. 
Dieses habe ich einmal am S. November versucht; der Aufstieg misslang aus Gründen, die nichts mit der 
Anhängung des zweiten Instruments zu thun hatten, wohl aber wurde die Lage beim Unfall (Abreissen des 
obersten Drachens) durch das Vorhandensein des zweiten Instruments schwieriger. Der geplante Ilöhen- 
wechsel beider Instrumente ist schematisch auf Fig. 89 A (letzte Taf.) dargestellt, ein Aufstieg alle 2 Stunden 
angenommen. 
Nehmen wir zunächst an, der zweite Meteorograph sei in einem Abstand von ca. 1000 m Draht bezw. 
etwa 600 m Höhe vom oberen angebracht; dann wird er, während der obere die Kurve a durchläuft, die 
parallele Kurve b zurücklegen; seine Höhenbewegung wird also nur langsam sein und die Zeit, die er in der 
Luft verbringt und mit deren Länge das Risiko wächst, ist im Verhältniss zur geringen erreichten Höhe 
gross. Besser fährt man daher, wenn man den Abstand beider Registrirapparate geringer nimmt, z. B. 
ca. 500 m Draht oder etwa 300 m Höhe, was für den unteren die Kurve c ergiebt; um ferner die Möglich 
keit des erneuten Aufstiegs tliunlichst wenig zu gefährden, wird man gut thun, mit dem Einholen des Drahtes 
nicht weiter zu gehen, als bis der untere Meteorograph die Erde erreicht, den Drachen aber in dem freien 
Luftstrom in ca. 300 m Höhe stehen zu lassen bis zum neuen Aufstieg, also die a-Kurven durch die Kurven 
stücke ddd zu verbinden. Man bekommt dann z. B. aus der Höhe 600 m über dem Boden ungefähr alle 
halbe Stunde eine Aufzeichnung, aus Höhen unterhalb 300 m alle Stunde eine einzige, aber ziemlich lange. 
Natürlich kann man auch bei höheren Aufstiegen den Werth des gewonnenen Materials durch Hinaufsenden 
eines zweiten Meteorographs erhöhen; befindet sich dieser etwa 300 m unter dem ersten, so hat es die 
Wirkung, als ob wir die Eiffelthurm- und ihre Basis-Station in die Höhe senden und sie beide gleichzeitig 
die Witterungs-Elemente aufzeichnen lassen. 
Die Arbeit des Einholens des Drachens ist bei dieser Methode um so geringer, je weniger wir den 
oberen Drachen herabziehen, bei den von uns betrachteten Beispielen die Ersparniss darin also nicht be 
deutend. Viel entschiedener macht diese sich geltend bei den beiden folgenden Methoden. 
B. Hat man zwei Trommeln auf gemeinsamer Axe, und ist der Draht auf ihnen entgegengesetzt ge 
wickelt, so wickelt die eine sich auf, wenn die andere sich abwickelt. Man kann so den in der Luft befind 
lichen Drachen durch einen zweiten aufsteigenden Drachen herabholen und hat nur die Differenz ihrer 
Zugkräfte durch Nachhilfe entsprechend zu vergrössern oder aufzuheben. Sie bewegen sich dann wie die 
zwei Schöpfeimer eines Brunnens einander entgegen. Im kleinen, mit Schnur, die über dieselbe Trommel 
mehrmals gewunden ist, habe ich diesen Versuch mit zwei Drachen leicht durchführen können; im grossen 
habe ich ihn nicht gewagt, obwohl ich die Trommel des Haspels theilweise deshalb in zwei Hälften habe 
theilen lassen. Diese beiden Hälften lassen sich nach Belieben einzeln oder im Zusammenhänge drehen, 
vergl. Abschnitt 6, Erklärung zu Fig. VIII. 
Auch bei dieser Methode wird es rathsam sein, den einen der Drachen in den höheren Luftschichten 
zu belassen, schon um die Wahrscheinlichkeit einer Berührung beider Drähte oder gar der Drachen zu ver 
ringern. Wir bekommen dadurch das Schema der Fig. 89 B. für den Höhenwechsel beider Drachen, worin 
vorausgesetzt ist, dass sie alle 2 Stunden auf kurze Zeit in gleiches Niveau kommen behufs Vergleichung 
ihrer Aufzeichnungen. Wenn im übrigen der eine z. B. im Mittel in 900 m Höhe, der andere in 300 m fliegt, 
so wird der Draht des ersteren den Erdboden unter einem 5°—2Q° kleineren Winkel und zugleich in einer 
um eine Anzahl Grade anderen, meist weiter nach rechts liegenden Richtung verlassen, als der des letzteren, 
und es ist daher, wenn wir jenen ersteren über eine „Erdrolle“ leiten, die etwa 20 m vor und rechts von der 
Archiv 1901. 1.
	        
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