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Volltext : 24, 1901

W.  Koppen:  Erforschung  der  freien  Atmosphäre  mit  Hülfe  von  Drachen.

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für  gleiche  Festigkeit  mir  etwa  dasselbe  Gewicht  wie  Stahldraht,  aber  ungefähr  dieselbe  Dichte  wie  Hanfschnur;
  abgesehen  von  dem  ungeheuren  Preisunterschied,  muss  also  schon  die  dreimal  grössere  Wirkung
des  Winddrucks  auf  die  Leine  auch  dieses  Material  für  Drachenleinen  ausgeschlossen  erscheinen  lassen.
Nur  für  kurze  Verbindungsstücke  ist  gute  Hanf-  oder  Ramie-Schnur  nicht  zu  entbehren,  und  für  Höhen
unter  300  m  ist  sie  wegen  ihrer  viel  bequemeren  Handhabung  auch  für  die  ganze  Leine  dem  Draht  vorzuziehen, ­
  der  zwar,  so  lange  er  unter  Spannung  und  trocken  bleibt,  ein  vorzügliches  Material  ist,  aber  sobald
er  ausser  Spannung  kommt  oder  nass  wird,  grosse  Vorsicht  in  der  Behandlung  verlangt.
In  der  Zeitschrift  „Science“  vom  5.  Oktober  1900  giebt  Herr  Fergusson  eine  Tabelle  über  die  Durchmesser, ­
  Gewichte  und  Zugfestigkeiten  von  Stahldraht  („Musikdraht“)  nach  den  Angaben  von  zwei  grossen
amerikanischen  Firmen,  für  alle  Drahtnummern  von  10  bis  30;  ich  entnehme  daraus  die  folgenden  acht
Bestimmungen:

Nummer

Durchmesser
mm

Gewicht
kg/km

T
(Zngfestigk.)

TI  tu

10

0.61

2.16

85

40

12

0.71

3.08

113

37

14

0.81

4.00

140

35

16

0.91

5.00

162

32

18

1.02

6.37

189

30

23

1.29

10.00

281

28

28

1.80

20.00

533

27

30

1.98

24.39

657

27

Der  verzinkte  Gussstahl-Klaviersaitendraht  von  Felten  und  Guilleaume,  mit  dem  die  Drachenstation
der  Seewarte  gegenwärtig  arbeitet,  hat  nach  Mittheilung  dieser  Firma  eine  Zugfestigkeit  von  220  bis  240  kg
pro  Quadratmillimeter  Querschnitt;  es  ergeben  sich  daraus  folgende  Zahlen,  mit  denen  auch  die  von  Assmann ­
  im  „Wetter“,  1900,  S.  153,  angegebenen  Wertlie  übereinstimmen.  Sie  sind  merklich  ungünstiger,  als  die
von  Fergusson  für  unverzinkten  Stahldraht  angeführten,  aber  der  verzinkte  Draht  ist  viel  angenehmer  zu
handhaben.*)

Durchmesser  .  .  .  .

0.7  mm

0.8  111m

0.9  mm

1.0  mm

Querschnitt

0.385  qmm

0.503  qmm

0.636  qmm

0.785  qmm

Zugfestigkeit  (T)  ....

85  kg

111kg

140  kg

173  kg

Gewicht  pro  km  (tu).  .

3.2  »

4.2  »

5.3  »

6.6  ^

Die  Grösse  Thv  oder  die  sogenannte  Reisslänge  beträgt  also  für  Draht  von  dieser  Art  etwas  über
26  km.  Will  man  mindestens  für  V  stets  mit  2facher  Sicherheit  arbeiten,  so  muss  man  also  t'/iv  nicht  über
13  hinausgehen  lassen,  also  für  0.7er  Draht  42  kg,  für  0.8er  55  kg,  für  0.9er  69  kg  als  Belastungsgrenze
festsetzen.  Ist  6  =  60°,  so  sollte  dabei,  wenn  nichts  als  das  Gewicht  der  Leine  zu  überwinden  wäre,  der
Drache  mit  solchem  Draht  bei  diesem  Zuge  6‘/2  km  hoch  steigen  können  und  selbst  mit  Hanfschnur,  bei
der  T/w  im  ganzen  etwa  10  beträgt,  noch  ungefähr  2'/i  km.  Thatsächlich  werden  jedoch  nur  weit  geringere
Höhen  erreicht,  solange  man  keine  Hülfsdrachen  hinzuspannt.  Theilweise  liegt  dies  daran,  dass  man  aus
Vorsicht  mit  viel  geringeren  Spannungen  gearbeitet  hat,  als  oben  angenommen  wurde;  thatsächlich  hat  bei
den  Versuchen  der  Seewarte  t'¡tu  selten  den  Werth  7  überstiegen.  Theilweise  liegt  es  aber  auch  an  anderen
Gründen,  vor  allem  am  Winddruck  auf  die  Leine.
Leider  sind  auch  hierüber  nur  sehr  wenige  Beobachtungsdaten  zu  meiner  Verfügung.  Um  aber  wenigstens ­
  einige  Anhaltspunkte  zu  bieten,  stelle  ich  im  folgenden  diejenigen  Winkel  ß',  bei  denen  entweder  mit
dem  Einholen  des  Drachens  begonnen  oder  der  erste  Hülfsdrachen  zum  Tragen  des  Drahtes  beigespannt
wurde,  für  19  Aufstiege  in  Hamburg  und  10  Aufstiege  im  Stationsnetze  des  Washingtoner  Instituts  zusammen.
Mit  Ausnahme  des  ersten  von  Hamburg  sind  alle  diese  Aufstiege  mit  Drachen  eines  und  desselben  Modells,
jenes  von  Marvin,  gemacht,  die  meisten  mit  einem  solchen  von  6V3  qm  Tragfläche,  einige  von  den  amerikanischen ­
  vielleicht  mit  einem  etwas  grösseren.  Bei  5  von  den  Hamburger  Aufstiegen  war  50—100  m  über
*)  Die  älteren,  in  den  Lehrbüchern  noch  dominirenden  Festigkeitsbestimmungen  von  Frankenheim  (1835)  und  Wertheim ­
  (1S44)  sind  für  den  heutigen  Gussstahldraht  viel  zu  niedrig;  ersterer  fand  für  Stahldraht  61—121  kg,  letzterer  sogar
nur  70  kg  (im  angelassenen  Zustande  40  kg)  pro  Quadratmillimeter,  also  nur  etwa  (/3  der  Festigkeit  des  verzinkten,  */i  von
jener  des  unverzinkten  heutigen  Klaviersaitendrahtes.

Archiv  1901.  1-
            
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