Rottok: Untersuchung über die Aenderung der Temperatur-Koeffizienten a und b.
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Die Gründe für das Schlechterwerden der Chronometer bezw. für das Gleichbleiben an Güte sind schon
vorher angeführt worden; das eigentümliche Verhalten, dass Chronometer mit der Zeit an Güte besser
werden, hat wohl darin seinen Grund, dass die immerhin trotz sorgfältiger Anfertigung vorhandenen kleinen
Rauheiten des neuen Werkes sich mit der Zeit abglätten und daher das letztere leichter arbeitet, sowie dass
die starke durch das Biegen der Spiralenden veranlasste Anfangsspannung der neuen Spirale — Acceleration
verursachend — sich verringert. Dementsprechend müssten eigentlich alle Chronometer mit der Zeit besser
werden, dass dies aber nicht der Fall ist, hat vermuthlich seinen Grund in einer schlechteren Kompensation,
bewirkt durch weicheres, daher durch äussere Einflüsse leichter zu beeinflussendes Material.
Wenn auch der Koeffizient a sich, wie vorher gefunden worden ist, mit dem Alter des Chronometers
im allgemeinen nicht vergrössert, so ist doch, abgesehen von wenig Ausnahmefällen, ein Wachsen desselben
nachweisbar mit der Güteverschlechterung des Chronometers, d. h. mit dem Gelangen in eine niedere Klasse,
während bei dem Koeffizienten b dieser Fall nicht festzustellen ist.
Zum Beweise soll in der folgenden Tabelle, klassenweise geordnet, das Verhalten der Koeffizienten a
und b für sämtliche zur Verfügung stehenden Chronometer zusammengestellt werden.
Es können berücksichtigt werden 132 Chronometer und zwar:
Chronometer I. Klasse 19
» II. » 44
» III. » 30
> IV. » 33
Beobachtungs-Chronometer . . 6
Dieselben ergeben:
Klasse
der
wird
i
bleibt
wird
b
bleibt
Chronometer
grösser
kleiner
j unbestimmt
sieh gleich
grösser
kleiner
unbestimmt
sich gleich
I
4 = 20%
3 - 16%
6 = 32%
6 = 32%
3 = 16%
5 = 26%
3 = 16%
8 = 42%
II
16 - 36%
4 = 9%
20 = 46%
4= 9%
17 = 39%
3 - 7%
12 = 27%
12 = 27%
III
15 = 50%
1 = 3%
o~
t-
co
*—H
3 = 10%
11 = 37%
1 = 3%
9 = 30%
9 = 30%
IV
18 = 55%
3= 9%
o
o
II
oo
4 = 12%
9 = 27%
5 = 15%
9 = 27%
10 - 31%
Beob.-Chr.
4 = 67%
—
2 = 33%
—
3 = 50%
—
2 = 33%
1 = 17%
Aus der Liste ist deutlich ersichtlich, wie bei dem Koeffizienten a mit dem Gelangen der Chronometer
in eine niedere Klasse auch das Bestreben wächst, sich zu vergrössern, während bei b das Verhalten hin und
her schwankt.
Mithin kann als Ergebniss dieser Abhandlung gesagt werden:
Das Verhalten des Koeffizienten a richtet sich nicht nach dem Alter der Chronometer,
sondern nach der Güte der Chronometer. Je minderwerthiger ein Chronometer ist, d. h. in j e
niederer Klasse dasselbe sich befindet, um so mehr wächst auch der Koeffizient a.
Der Koeffizient b richtet sein Verhalten nicht nach der Güte der Chronometer, er
verändert sich im allgemeinen wenig. Die Veränderungen selber sind unbestimmt und
schwanken hin und her. Eine Vergrösserung mit der geringeren Klasse lässt sich nicht feststellen,
wohl aber, dass bei b, in dem Falle, in welchem derselbe ein bestimmtes Veränderungsbestreben zeigt, sich
auch das Bestreben bemerkbar macht, sich zu vergrössern.
3. Stellen sich im Mittel grössere Koeffizienten bei einfacher oder bei Hülfs-
Kompensation heraus?
Welche Kompensationsart ist für die Praxis vortheilhafter?
3) Sind die Veränderungen bei verschiedenen Kompensationsarten bezw. Fabrikanten verschieden gross
und ergiebt sich daraus ein Uebergewicht einer Kompensationsart, die sie für die Praxis besser erscheinen
lässt als die andere?
Ein Chronometer ist um so besser je geringer die Veränderungen der Koeffizienten a und b sind. Bei
einem idealen Chronometer müssen diese gleich Null sein. Eine grosse Koeffizienten-Aenderung zeigt, dass