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Full text: 24, 1901

No. 4. 
Untersuchung über die Aenderung der Temperatur-Koeffizienten a und b. 
Von Carl Rottok. Korvetten-Kapitän a. I). 
Im Anschluss an Untersuchungen über die Vor- bezw. Nachtheile der Anwendung von Temperatur- 
Korrektionen auf den Gang von Chronometern sind auf dem Chronometer-Observatorium, soweit das Material 
reicht, die Koeffizienten a und b zusammengestellt worden für sämtliche zu dem betreffenden Institut, sowie 
für einige der Werft zu Wilhelmshaven bezw. zu Danzig gehörige Chronometer behufs Gewinnung eines Ur- 
theils über die Veränderungen, welche die betreffenden Koeffizienten im Laufe der Jahre erfahren haben, 
über den Einfluss dieser Aenderungen auf die tägliche Standbestimmung, sowie darüber, ob sich mit Hülfe 
derselben die Güte der Chronometer selbst beurtheilen lässt. 
Ein richtiges Bild der Aenderung der Koeffizienten a und b kann sich nur ergehen, wenn die Chrono 
meter unter gleichartigen Verhältnissen geprüft werden, wie dies der Fall ist bei der jeweiligen Untersuch 
ung auf den Observatorien nach stattgefundener Reinigung der Chronometer; natürlich unter der Voraus 
setzung, dass bei der Reinigung an der Kompensation nichts geändert worden ist; 1 ) [denn mit der Aenderung der 
Kompensation müssen sich auch n und h ändern] sowie dass keine Arbeiten vorgenommen worden sind, welche auf 
das Material einen Einfluss ausüben, als wie die Erneuerung der Spirale oder der Zugfeder. 
Wird ein Chronometer vor Antritt der Reise und sofort nach Beendigung derselben untersucht, so er- 
giebt der Unterschied der Koeffizienten kein reines Bild der Aenderung der letzteren, da auf die zur Be 
rechnung von a und b nöthigen Gangbestimmungen die störenden, unregelmässig wirkenden und- unberechen 
baren Kräfte als da sind: Staub, Schimmel, Rost, verdicktes Oel u. s. w. einen grossen Einfluss ausüben. 
Die Temperatur-Koeffizienten werden aber nur durch den Einfluss der Temperatur auf das Material 
erzeugt, wie ja schon der Name Temperatur-Koeffizienten sagt; dementsprechend müssen alle andern Ein 
flüsse ausgeschaltet werden, falls erkannt werden soll, ob die Einwirkung der Temperatur auf das Material 
eine andere geworden ist, welches wiederum nur durch eine Aenderung des Materials des Chronometers 
selber veranlasst worden sein kann.-) 
Wenn die Kompensation eine vollkommene, ideale wäre, so müsste für alle Temperaturen ein gleicher 
Gang erzielt werden; es wären dann keine Temperatur-Korrektionen noting. Da dies nie stattfindet, so 
') Bei der gewöhnlichen Reinigung der Chronometer wird in der That nichts an der Chronometer-Kompensation seihst 
geändert, nur, wenn der Gang verringert oder vergrössert werden muss, wird eine Aenderung der Stellung der Regulirschrauben 
veranlasst. Eilte derartige Veränderung des Ganges ist aber ein so geringer Eingriff in den Mechanismus des Chronometers, 
dass dadurch die Koeffizienten a und b nicht geändert werden können. 
2 ) Es ist der Einwurf erhoben worden, dass das Oel auch zum Material gehört und dass die durch die Verdickung des 
Oeles bewirkten Aenderungen auch als Veränderungen von n und b aufgefasst werden können. Die störenden Einflüsse des 
Oeles sind aber derartig, unkontrollirbare und ungleichmässige, dass von einer Betrachtung der Einwirkung dieses Materials, 
falls man Vergleiche anstellen will, ganz abgesehen werden muss. Es werden daher in dieser Abhandlung nur die Verän 
derungen untersucht, welche die Koeffizienten a und b durch eine Veränderung des Metallmaterials erleiden, das ist eben zur 
Zeit der Bestimmung der Temperatur-Koeffizienten kurz nach der Reinigung; also zu einer Zeit, wo angenommen werden 
muss, dass das Oel noch nicht dick geworden ist. 
Es wäre für die Navigation von grosser Bedeutung, wenn festgestellt werden könnte, welche Veränderungen bei a und b 
während des Ganges der Chronometer durch solche Einflüsse entstehen, denen die Chronometer während des Gebrauches aus 
gesetzt sind, also mit anderen Worten die Gesamtänderungen von a und b nach längerem Gebrauch kennen zu lernen. Ge 
nügendes Material über das Verhalten von A«und Ai in der Zeit zwischen den Reinigungen beizubringen, ist aber sehr 
schwierig, an Bord garnickt zu erhalten und daher auch nicht in genügender Menge vorhanden, sodass eine Bestimmung 
des Verhaltens der betreffenden Koeffizienten auf Grund solcher Art Material zur Zeit nicht möglich ist. 
Archiv 1901- 4. 
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