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Full text : 23, 1900

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  See  warte  —-  1900  No.  1  —

Verfolgt  man  die  Aenderungen  der  gleichen  einzelnen  Monatsmittel  von  einem  Jahr  zum  anderen,  so
ergiebt  sich,  dass  die  Mittel  der  Maximum-  und  der  Minimum-Temperaturen  fast  ohne  Ausnahme  in  Bezug
auf  die  Vorzeichen  gleichartige  Aenderungen  erfahren.  Der  Monat  setzt  sich  eben  aus  mehr  oder  weniger
einzelnen  Wetterperioden  zusammen,  von  denen  jeder  eine  gewisse  mittlere  Temperatur  als  Basis  über  oder
unter  dem  Normalwerthe  zukommt,  auf  der  dann  Ein-  und  Ausstrahlung  operiren,  sodass  die  beiderartigen
Extrem-Temperaturen  von  Periode  zu  Periode  und  ebenso  von  Jahr  zu  Jahr  zu  der  gleichen  Zeit  des  Jahres
dem  Vorzeichen  nach  im  allgemeinen  gleichartige  Aenderungen  erfahren  müssen.
Daher  erklären  sich  auch,  gemäss  den  obigen  Darlegungen,  für  den  Winter  die  grösseren  Werthe  der
mittleren  Abweichung  der  Minimum-Mittel  und  für  die  warme  Jahreszeit  das  weit  entschiedenere  Ueberwiegen
der  mittleren  Abweichung  der  Maximum-Mittel,  wie  auch  das  Auftreten  der  grössten  Werthe  der  mittleren
Abweichung  für  beide  Temperatur-Extreme  im  Winter  und  deren  kleinsten  Werthe  in  der  warmen  Jahreszeit.
Als  ein  wesentliches  Moment  bei  dem  Zustandekommen  relativ  kalter  Witterung  im  Gegensätze  zu
warmem  Wetter  verdient  besonders  auch  der  Unterschied  hervorgehoben  zu  werden,  dass  sich  kalte  Luftmassen ­
  ohne  Neigung  zum  Aufstieg  längs  der  Erde  fortbewegen,  während  die  Zufuhr  warmer  Luft  durch
Winde  nur  in  beschränktem  Maasse  möglich  ist.  Während  wir  Kältewellen  kennen  und  im  Winter  in  vielen
Fällen  hei  den  Perioden  des  schärfsten  Frostes  den  Lufttransport  aus  dem  Kältegebiet  im  Osten  auf  den
Wetterkarten  mit  Sicherheit  verfolgen  können,  dürfen  wir  von  eigentlichen  Wärmewellen  nur  mit  Einschränkung ­
  sprechen.  Wo  wir  die  Ausbreitung  extremer  Hitze  von  einem  Gebiet  zum  anderen  beobachten,
handelt  es  sich  nicht  wie  bei  Kälte  um  Lufttransport,  sondern  lediglich  um  eine  Ausbreitung  der  meteorologischen ­
  Bedingungen,  die  der  Entwicklung  abnorm  hoher  Wärmegrade  förderlich  sind.  Gewiss  wird  im
Winter  die  Erwärmung  mit  dem  Vordringen  ozeanischer  Winde  fortschreiten,  nicht  aber  wird  im  Sommer
abnorme  Hitze  durch  Winde  auf  erhebliche  Entfernung  fortgepfianzt.
Die  geringe  mittlere  Abweichung  der  mittleren  Minimum-Temperatur  im  Juni  bis  August  dürfte  vielleicht
zum  Theil  auf  den  hohen  Wasserdampfgehalt  der  Luft  in  diesen  Monaten  zurückzuführen  sein,  erscheint
aber  wesentlich  dadurch  bedingt,  dass  um  diese  Jahreszeit  die  thermischen  horizontalen  Gegensätze  ihren
kleinsten  Werth  erreichen,  die'  Atmosphäre  relativ  durchwärmt  ist,  und  der  Wetterlage  eine  grössere  Veränderlichkeit ­
  als  im  Winter  zukommt.

§  3.  Vergleich  des  arithmetischen  Mittels  der  Monatsmittel  des  täglichen  Maximum  und  Minimum
mit  der  wahren  Mittel-Temperatur.
Um  die  wirkliche  monatliche  Mittel-Temperatur  von  Hamburg  für  den  Zeitraum  zu  berechnen,  wurden
die  Mittel-Temperaturen  der  Monate  der  einzelnen  Jahre  mit  zwei  Dezimalstellen  theils  den  Jahrbüchern
der  Seewarte,  theils  den  Manuskript-Tabellen  entnommen.  Bis  auf  das  Jahr  1876,  für  welches  die  Mittel
abweichend  berechnet  worden  waren  und  diese  daher  neu  berechnet  werden  mussten,  lagen  den  Mittelwerthen
  die  sogenannte  Sommer-  und  Winterformel  zu  Grunde,  nämlich  für  Mai  bis  August  die  Formel
\  (8®+  Maximum  +  Minimum  +8P)  und  für  September  bis  April  die  Formel  4-  (^  +2+8  8  _  +  8?  \
4  2  \  d  2  /
Da  der  Verfasser  (Met.  Zeitschrift  IX,  1892),  gezeigt  hat,  dass  für  April  und  August  die  Mittel  besser  als
Mittel  aus  beiden  Formeln  zu  berechnen  sind  und  dort  weiter  die  Korrektionen  abgeleitet  hat,  die  zur  Reduktion ­
  der  so  erhaltenen  12  Monatsmittel  auf  wahre  vierundzwanzigstündige  Mittel  dienen,  so  wurden  diese
Korrektionen  zugefügt,  und  es  ergaben  sich  in  solcher  Weise  die  folgenden  wahren  Mittel-Temperaturen  von
Hamburg  für  1876-—1900:

Jan.  Febr.  März  April  Mai  Juni  Juli  Aug.  Sept.
—  0.59  0.90  2.90  7.24  11.75  15.51  16.79  16.48  13.63

Okt.  Nov.
8.71  4.17

Dez.  Jahr
1.00  8.21

Die  Abweichungen  der  arithmetischen  Mittel  der  monatlichen  Mittelwerthe  der  (korrigirten)  Maxima
und  Minima  finden  sich  in  Tab.  II  nebst  den  für  Wien  und  Brüssel  berechneten  zusammengestellt;  erstere
wurden  mittels  der  Wiener  Jahrbücher  1876  —  88  abgeleitet,  letztere  für  die  Jahre  1843  —  82  dem  Werke
Quetelet’s  (Memoire  sur  la  Temperature  de  l’Air  ä  Bruxelles,  1867)  entnommen.  Hiernach  ist  das  Mittel
der  Extrem-Temperatur-Mittel  für  Hamburg  und  Brüssel  durchweg  zu  hoch  und  meist  auch  für  Wien;  die
            
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