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Full text: 23, 1900

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1900 No. 3 — 
An der dem Okular entgegengesetzten Seite befindet sicli der Höhenkreis, dessen Tlieilung auf einem 
eingelegten Silberstreifen ähnlich der des Horizontalkreises von 4' zu 4' getheilt, einen Durchmesser von 
28 cm hat. Der Mikroskopträger dieses Kreises mit den beiden Mikroskopen befindet sich innerhalb der 
Lager, an welchen ebenfalls die Feinstellschraube und Klemme für die Höheneinstellungen befestigt sind. 
Die Vertikalachse wird von einem Stahlstift durchsetzt, welcher mittelst einer unten am Dreifuss an 
gebrachten Wendeschraube und zweier rechtwinklig ineinander greifenden Kegelräder in die Höhe gehoben 
werden kann. Dieser Stift trägt an seinem oberen Ende einen gabelförmigen Ansatz, dessen obere Enden 
je zwei Friktionsrollen haben, welche einerseits den Druck auf die Lager vermindern, anderntheils beim 
Umlegen des Fernrohrs diesem einen festen Halt geben. 
Das Instrument besitzt ausserdem eine Aufsatzlibelle und eine Mikroskoplibelle. Der Theilwerth der 
letzteren, welche allein bei den vorliegenden Polhöhenmessungen gebraucht wurde, ist am Instrumente selbst 
bestimmt worden. Es betrug ein Pars, dessen Grösse etwa 2 mm ist, 
1893 
Juni 
2 "06 2 
Beob. 
Stechert 
1898 
August . .. 
2?594 
» 
Reinicke 
1899 
September 
2"658 
» 
Messerschmitt 
1900 
Januar . . . 
2"86 
» 
Kapt.-Leut. Koch. 
Bei der Reduktion ist der Mittelwerth aus den beiden Jahren 1898 und 1899 erhaltenen Bestimmungen 
1P = 2''626 verwendet werden. 
Dem Instrumente sind zwei Okulare beigegeben, denen eine Vergrösserung von ca. 30 und 70 entspricht. 
In der ersten Zeit wurde das schwächere Okular verwendet, später das stärkere, welches bessere Bilder 
zeigte. Das Fadennetz besteht aus 9 festen Fäden und einem beweglichen Faden; senkrecht dazu stehen 
5 feste Fäden. Das Okularmikrometer lässt sich um 90° drehen, so dass beide Fadensysteme horizontal 
bezw. vertikal gestellt werden können. Es wurden die ersteren 9 Fäden nebst dem beweglichen Faden 
horizontal gestellt, da sie auch bei den Zeitbestimmungen in 45° Höhe verwendet wurden. Die Einstellungen 
beider Polhöhemessungen geschahen am Mittelfaden, nur an den beiden letzten Beobachtungstagen wurden 
andere Fäden benutzt, da der Mittelfaden sich verzogen hatte. 
Die Ablesung der Kreise geschieht mit Schraubenmikroskopen, deren Trommeln in 60 Theile getheilt 
sind, wovon ein Theil 1" entspricht; es sind also vier Umdrehungen auszuführen, um von einem Theilstrich 
bis zum andern zu gelangen. Ursprünglich war in jedem Mikroskop nur ein Doppelfaden angebracht und 
es wurde bei den Beobachtungen jedesmal damit je der vorangehende und der nachfolgende Theilstrich ein 
gestellt, wodurch zugleich der Run ermittelt wurde. Im Juni 1899 wurde noch ein zweiter Doppelfaden 
im Abstand von 3 Umdrehungen vom ersten angebracht und dann bei der Beobachtung das eine Fadenpaar 
auf den in der Tlieilung vorangehenden und das andere auf den nachfolgenden Theilstrich eingestellt; der 
Mittelwerth beider Trommelablesungen wurde für die Rechnung benutzt. Zur Bestimmung des Run wurden 
nach jedem Beobachtungsabend seit dieser Zeit besondere Messungen ausgeführt. Es zeigte sich der Run 
für jeden Kreisstand sehr konstant, wechselte aber in Grösse mit der Aenderung des Standes, so dass 
damit deutlich die periodischen Theilungsfehler des Kreises angezeigt sind. 
Um die ganzen Umdrehungen der Mikroskopschrauben besser erkennen zu können, ist in den Mikros 
kopen ein Rechen von 5 Zähnen angebracht, deren Spitzen um eine ganze Umdx-ehung von einander entfernt 
sind. Der mittlere Zahn gilt als Ausgangspunkt der Zählung und zeigt bei ihm das der Schraubentrommel 
zunächstliegende Fadenpaar auf der Trommel Null. Da, wie oben schon erwähnt, das Gesichtsfeld der 
Mikroskope etwas mehr als ein Grad beträgt und die Grade fortlaufend beziffert sind, ausserdem jeder 
20'-Strich etwas länger als die anderen Striche ausgezogen ist, so kann man unmittelbar die ganzen Ein 
stellungen ablesen. 
Die Beleuchtung des Fadenkreuzes geschieht mit einer Handlaterne, welche auf einem an der Decke 
befestigten Holzgestelle ihren Platz findet; bei der Ablesung der Kreise wird ebenfalls eine Handlaterne 
benutzt. 
Die Beobachtungen wurden stets von zwei Beobachtern gemacht, und zwar in der Weise, dass der eine 
das Instrument einstellte und den Kreis ablas, während der andere die Uhrzeit nach dem angerufenen 
Signale und die Kreisablesungen notirte. Im Laufe eines Abends wechselten die beiden Beobachter mit 
einander ab.
	        
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