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Full text: 23, 1900

Archiv 1900. 3- 
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No. 3. 
Die Polhöhe des Nordthurms der Deutschen Seewarte, 
abgeleitet aus Beobachtungen von 
Dr. C. Stechert, Kapt. G. Keinieke und Dr. J. B. MesseiNchmitt, 
Der Nordthurm der Seewarte trägt auf seiner Plattform ein aus Wellblech stark und fest konstruirtes 
Beobachtungshaus mit drehbarem Dache, in welchem sich ein durch eine Klappe verschliessbarer Spalt be 
findet. Die Stärke der Wandung, sowie die Befestigung derselben sind so stark gewählt, dass die schwersten 
Winde, die hier oben (nahezu 50 Meter über der Elbe) eine ganz besonders starke Gewalt auszuüben ver 
mögen, keinen Schaden thun können. Der Verschluss der Thüren, sowie der Klappe sind dicht. Das 
Schliessen und Oeffnen der Klappe geschieht durch einen einfachen Hebel, der mit einer Nase jeweilen in 
seiner Endlage festgehalten wird. Das Dach selbst ruht auf Rädern, die in einer Eisenschiene laufen und 
durch eine Radübersetzung ein leichtes und rasches Drehen desselben gestatten. 
In der Mitte dieses Raumes befindet sich eine Holzsäule, welche frei durch den Fussboden der Platt 
form bezw. der Decke der Loggia geht und erst unten auf dem Fussboden der Loggia aufstelit, wo sie auch 
durch mehrfache Querverbindungen, Klammern u. s. w. möglichst versteift ist. Am oberen Theil ist sie mit 
einem tonnenartigen, nirgends dieselbe berührenden Mantel umgeben, der wieder durch einen ihn um- 
schliessenden Holztritt Festigkeit erhält. Die Oberfläche der Säule ist mit einer 6 cm dicken Marmorplatte 
bedeckt, auf welcher ein von Frank von Liechtenstein in Hamburg verfertigtes Universal-Instrument 
aufgestellt ist. Dasselbe wird für gewöhnlich durch einen zweitheiligen, ganz dicht schliessenden Mahagoni- 
Glaskasten gut geschützt, was wegen der in Hamburg besonders rauchhaltigen und nebligen Luft wichtig 
für die Erhaltung des Instrumentes ist. 
Das Universal-Instrument besteht aus zwei Theilen: dem Untertheil mit den xlchsenlagern und dem 
Horizontalkreise, und dem Obertheil mit dem Fernrohre und dem Höhenkreise. 
Das Untergestell besteht aus einem auf drei vertikalen Stellschrauben ruhenden Dreifuss, auf welchem 
die vertikale Achse, bestehend aus einem Stahlkonus, aufgesetzt ist. An diesem Untertheil ist der messingene 
Horizontalkreis angebracht, welcher in einem eingelegten Silberstreifen die Theilung von 4' zu 4' trägt, dessen 
Durchmesser 42 cm ist. Die Bezifferung ist von Grad zu Grad angeschrieben und das Gesichtsfeld der 
beiden um 180° von einander abstehenden Ablese-Mikroskope ist so gross, dass man in jedem derselben 
die volle Ablesung erhält. Die Mikroskope selbst sind an der Büchse angebracht, welche sich um den ver 
tikalen Stahlkonus dreht. An dem unteren Ende dieser Büchse befinden sich auch die Klemm- und Fein 
stellschrauben für die azimutale Bewegung. 
An dem oberen Ende der Büchse ist der gabelförmige Lagerboden für die horizontale Drehachse be 
festigt. Die Lager haben einen gegenseitigen Abstand von 31 cm; das eine ist fest, das andere lässt sich 
mittelst Schrauben etwas heben und senken, um die horizontale Achse rechtwinklig zur vertikalen stellen 
zu können. 
Der Obertheil des Instruments besteht aus einem gebrochenen Fernrohr mit der horizontalen Achse. 
Diese ist hohl und trägt an dem einen Ende das Okular, das andere Ende, welches durch eine Glasplatte 
geschlossen ist, dient bei Nacht zur Beleuchtung des Gesichtsfeldes durch eine Lampe. In der Mitte der 
Achse befindet sich das Glasprisma, welches das vom Objektiv kommende Licht nach dem Okular reflektirt. 
Das Objektiv hat einen freien Durchmesser von 54 mm und eine Brennweite von 57 cm.
	        
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