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Volltext : 23, 1900

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  —  li)00  No.  6  —

Depressionsrinne  zu  erblicken,  der  in  den  mehr  als  1300  m  tiefen,  abgeschlossenen  Luftsee  Obertaliens  zu
einer  selbständigen  Depression  entwickelt  wurde.  Die  Fortsetzung  der  mächtigen  Gewitterrinne,  von  der
am  27.  August  1890  das  nördliche  und  mittlere  Europa  durchquert  wurde,  bis  nach  Oberitalien  hinein,  ist
von  Durand-Greville  direkt  nachgewiesen  worden. 9 )  Solche  Verhältnisse  können  aber  nur  von  besonders
mächtigen,  mit  ihrem  zyklonalen  Einfluss  bis  in  hohe  Schichten  der  Atmosphäre  reichenden  Depressionen
erwartet  werden.
Eine  andere  Erklärung  für  das  Auftreten  tiefer  Depressionen  südlich  der  Alpen  und  ähnlich  gelegener
Kettengebirge,  wie  Himalaya,  Kaukasus  und  vor  allem  auch  Pyrenäen,  wird  durch  Brandungserscheinungen
der  unteren  Atmosphäre  infolge  stürmischer  Oberströmungen  aus  südöstlicher  Richtung  geliefert.  Einzelne
Einflüsse  dieser  Art  habe  ich  von  Himalaya-Hindukusch  für  Nordindien 10 )  und  von  den  Alpen  für  Nord-Italien
  nachgewiesen. 11 )
Es  ist  klar,  dass  solche  Untersuchungen,  über  die  Herkunft  des  wichtigen  Faktors  der  südländischen
Depressionen,  die  Prognose  von  Hochwasser-Katastrophen  auf  längere  Zeit  im  voraus  sichern  können.  Aber
die  bisher  als  ursächlich  festgestellten  Verhältnisse  für  das  Entstehen  der  typischen  Hochwasser-Depressionen
haben  schon  hingereicht  zu  Prognosen,  aus  denen  zum  mindesten  hervorgeht,  dass  mit  dieser  Erklärung
der  richtige  Weg  eingeschlagen  ist.
Diese  praktische  Probe  ist  von  mir  gemacht  in  Wochenberichten  über  das  Wetter,  die  ich  bis  Oktober
1897  der  Berliner  Wochenschrift  „Kritik“  und  von  Mai  1897  bis  jetzt  (Herbst  1899)  dem  Hamburger  Fremdenblatt ­
  erstattet  habe. 12 )  In  diesen  150  Wochenberichten  hatte  ich  9  mal  Gelegenheit,  das  Bevorstehen,  10  mal
das  Schwinden  einer  Hochwassergefahr  im  voraus  zu  signalisiren.  In  letzterer  Hinsicht  war  niemals,  in
ersterer  nur  3  mal  ein  Fehlschlag  festzustellen,  und  auch  nur  insoweit  als  die  Niederschläge  nicht  wenigstens ­
  zu  örtlich  auftretenden  Ueberschwemmungen  führten.
Der  Versuch  verschaffte  auch  einen  weiteren  Gesichtspunkt  über  Hochwassergefahr,  -welcher  zu  ihrer
meteorologischen  Würdigung  hinzutrat,  ohne  freilich  der  allgemeinen  Anschauung  an  sich  etwas  Neues  zu
bieten.  Die  Hochwassergefahr  wird  auch  bei  einer  sonst  ihr  förderlichen  meteorologischen  Lage  gehemmt
durch  winterliche  Kälte.  Die  Niederschläge  fallen  in  den  ihnen  am  meisten  ausgesetzten  mittleren  Gebirgslagen ­
  dann  zumeist  als  Schnee.  Sie  werden  als  solcher  oder  auch  infolge  des  Wiedergefrierens  der  Thauwasser
  den  Winter  über  im  Gebirge  magazinirt.  Daher  erklärt  sich  nun  aber  die  besondere  Heftigkeit  der
Winter-  oder  Frühlings-Hochwasser,  die  sich  bei  rasch  und  umfassend  eingetretenem  Thauwetter  einzustellen
pflegen.  Beispiele  bieten  die  Ueberschwemmungen  der  ersten  Februarwoche  1898  im  Riesengebirge  und  die
der  dritten  Januarwoche  1899  im  Rheingebiet,  auf  welche  schon  im  vorhergehenden  Herbst  hingewiesen
werden  konnte.  Solche  Prognosen  von  Schmelz-Hochwassern  sind  in  Bezug  auf  die  Zeit  ihres  Eintreffens
natürlich  sehr  unbestimmt,  können  auch  durch  langsames  und  allmähliches  Eintreten  des  Thauwetters  ganz
oder  tlieilweise  vereitelt  werden.
Jedenfalls  weisen  sie  fast  alljährlich  auf  ein  wirksames  Mittel  hin,  der  Hochwassergefahr  zu  begegnen.
Was  fast  in  jedem  Winter  die  Kälte  leistet,  das  kann  auch  Menschenkraft  erreichen,  durch  ein  wohlüberlegtes ­
  System  von  Stauwerken.
In  den  erwähnten  Wetterberichten  der  „Kritik“  war  nach  den  Juli-Hochwassern  im  August  1897  der
Unterzeichnete  als  Erster  zur  Stelle  mit  Vorschlägen  in  dieser  Richtung. 6 )  Besonders  handelte  es  sich
darum,  die  systematische  Magazinirung  durch  Stauwerke  für  die  Gebirgswasser  durch  Rentabilität  solcher
Werke  zu  ermöglichen.  Wurde  in  der  Folge  von  Intze  und  Anderen  diese  Möglichkeit  nach  der  Richtung
der  elektrischen  Krafterzeugung  gesucht,  so  ist  Dem  gegenüber  auf  die  Fülle  konkurrirender  billiger  Kraftquellen, ­
  auch  aus  dem  Wasser,  hinzuweisen  (Strömungen,  besonders  auch  Ebbe  und  Fluth).
Verfasser  hält  an  seiner  ursprünglichen  Meinung  fest,  dass  die  Rentabilität  gestauter  Gebirgswasser
vor  Allem  nach  der  Richtung  der  Wasserversorgung  zu  suchen  sei.  Die  Gebirgsquellen  steigen  gegenwärtig
in  dieser  Beziehung  sichtlich  im  Werthe.  Wird  doch  geplant,  sogar  London,  die  Hauptstadt  des  klassischen
Landes  der  Flusswasserversorgung,  aus  den  Bergen  von  Wales  mit  einer  mehr  als  250  Kilometer  langen  Quellwasserleitung ­
  auszustatten.
Vorbedingung  zur  Magazinirung  durch  Stau  bleibt  die  vom  Vortragenden  verfochtene  wirklich  hydrologische ­
  Aufnahme  der  Gebiete 6 ),  stete  Bedingung  ihrer  schützenden  Funktion  die  Ausbildung  der  meteorologischen ­
  Hochwasser-Prognose,  zu  welcher  hier  ein  Beitrag  geliefert  wurde.
            
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