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Full text : 22, 1899

P.  Polis:  Pie  Strömungen  dev  Luft  in  den  barometrischen  Minima  und  Maxima.

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  man  an,  dass  wir  es  in  der  Natur  im  allgemeinen  ebensowohl  mit  anticyklonal  wie  cyklonal
gekrümmten,  mit  beschleunigten  wie  verzögerten  Bewegungen  zu  thun  haben,  so  werden  im  Mittel  einer
Anzahl  von  Fällen  die  Beziehungen  zwischen  Luftdruck  und  Luftbewegung  annähernd  denjenigen  nahekommen,
die  für  geradlinige  und  gleichförmige  Bewegungen  Gültigkeit  haben.*)  Dann  erhalten  die  obigen  Formeln
folgenden  Inhalt:

(4)
und  durch  Division:

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Prüfungen  dieses  Gesetzes  hat  n.  a.  schon  Herr  Mohn 7 )  vorgenommen,  ebenfalls  Herr  Sprung 8 )  und
Herr  Kassner. 8 )

II.  Geschichtliches.
Bereits  in  den  70er  Jahren  beschäftigte  sich  mit  derartigen  Untersuchungen  Clement  Ley, 10 )  der  zu
dem  Schlüsse  gelangte:  „Der  Ablenkungswinkel  ist  kleiner  an  den  Inlandsstationen  (in  Folge  der  Reibung)  als
an  den  frei  gelegenen  Küstenstationen‘k 11 )  Später  hat  er  nur  kreisförmige  l2 )  Cyklonen  in  Betracht  gezogen  und
daraus  den  Satz  abgeleitet:  „Auf  der  Rückseite  der  Cyklonen  weht  die  Luft  nahezu  parallel  den  Isobaren
—  grösste  Ablenkungswinkel  —  während  sie  auf  der  Vorderseite  ein  weit  grösseres  Einströmen  zeigt  —
kleinste  Ablenkungswinkel.“
Im  Gegensätze  dazu  fand  Loomis  l3 )  für  die  östlichen  Vereinigten  Staaten  die  grössten  Winkel  bei
nach  N  und  W  gerichteten  Gradienten;  jedoch  scheint  bei  diesen  Untersuchungen  die  Windrichtung  11  >  nicht
auf  die  Gradientenlichtung,  sondern  auf  den  Radiusvektor  bezogen  zu  sein,  was  bei  elliptischen  Cyklonen
zu  anderen  Resultaten  führen  muss.  Wir  werden  später  sehen,  dass  sich  das  abweichende  Verhalten  der
grössten  bezw.  kleinsten  Ablenkungswinkel  zwischen  Vorder-  und  Rückseite  durch  die  verschiedenartige
Reibung  erklären  lässt,  indem  die  von  der  See  herstammenden  Winde  die  geringste  Reibung  erfahren  und
damit  je  nach  der  Lage  des  Meeres  zum  Kontinente  die  verschiedenen  Grössen  der  Ablenkungswinkel  bedingen. ­

Weitere  Betrachtungen  über  das  Verhalten  des  Ablenkungswinkels  wurde  von  Brown 15 )  für  Greenwich,
Dublin  und  Makerstown,  sowie  von  Hoffineyer  16 )  für  Dänemark  angestellt,  welche  zu  ähnlichen  Resultaten
wie  Clement  Ley  kamen.  Aus  seinen  Untersuchungen  gelangte  Hoffmeyer 17 )  zu  der  Ansicht:  „Kontinentalwinde ­
  folgen  mehr  der  Richtung  der  Gradienten  als  der  Richtung  der  Isobaren“,  was  Spindler  18 )  auch  für
ilie  Anticyklonen  bestätigt  fand.
Einige  dieser  Forscher  beschäftigten  sich  ebenfalls  mit  den  Beziehungen  von  Gradient  und  Windstärke.
Während  Loomis  l9 )  für  die  Vereinigten  Staaten  zu  dem  Resultate  kam,  dass  die  Gradientengrösse  in
wenig  regelmässiger  Weise  mit  der  Windgeschwindigkeit  wächst,  wiesen  Brown  - ü )  und  Clement  Ley 21 )  Beziehungen ­
  dieser  Elemente  untereinander  nach.
Auch  Spindler 22 )  weist  ferner  daraufhin,  dass  bei  wachsenden  Gradienten  der  Ablenkungswinkel  sich
vergrössert.  Die  Ursache  dieses  dürfte  wohl  in  den  grösseren  Gradienten,  der  den  tieferen  Cyklonen  eigen
ist,  zu  suchen  sein,  denn  hier  ist  je  grösser  der  Gradient,  je  stärker  die  Krümmung,  um  so  mehr  wächst  also
die  Centrifugalbeschleunigung,  die  ja  aus  theoretischen  Gründen  ein  Wachsen  des  Ablenkungswinkels  bedingt.
*)  Allerdings  überwiegt  an  der  Erdoberfläche  die  Verzögerung,  weil  die  Luftmassen  tkeihveise  aus  der  freien  Atmosphäre ­
  herabgestiegen  und  hier  unter  stärkere  Reibung  gelangt  sind.  Per  Durchschnittszustand  ist  also  an  der  Erdoberfläche ­
  nicht  der  der  gleichförmigen,  sondern  der  der  abnehmenden  Geschwindigkeit,  worauf  mich  bei  Gelegenheit  einer
Besprechung  der  Arbeit  Herr  Prof.  Pr.  Koppen  aufmerksam  machte.  Pas  Umgekehrte  gilt,  jedoch  in  viel  schwächerem
Grade,  für  die  höheren  Schichten.
            
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