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Volltext : 22, 1899

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Prof.  Dr.  W.  J.  van  ßebber:  Wissenschaftliche  Grundlage  einer  Wettervorhersage  etc.

Die  Wetterlage  W  und  NW  wird  im  Winter  und  Frühjahr  am  häufigsten  abgelöst  durch  S  und  SW
oder  durch  N  und  NE,  im  Herbst  und  namentlich  im  Sommer  folgt  ihr  die  zentrale  Lage.
Die  zentrale  Wetterlage  geht  im  Winter  und  Herbst  gewöhnlich  in  E  und  SE,  im  Sommer  in  S  und  SW
übel’,  während  im  Frühjahr  gesetzmässiges  wenig  zu  erkennen  ist.
Witterungscharakter  bei  den  einzelnen  Wetterlagen.
Die  oben  besprochenen  Wetterlagen  wechseln  in  zahlreichen  Modifikationen  mit  einander  ab,  gestalten
sich  in  der  mannichfaltigsten  Weise  um,  gehen  iu  einander  über  und  beherrschen  so  die  Witterungserscheinungen ­
  in  Eufiopa  und  speziell  iu  unseren  Gegenden.  So  ist  der  Witterungscharakter  kürzerer  oder  längerer
Zeitabschnitte,  der  Monate  und  der  Jahreszeiten  durch  die  Häufigkeit  und  Beständigkeit  der  verschiedenen
Wetterlagen  bestimmt.  Ob  wir  einen  kalten  oder  einen  milden  Winter  haben,  ob  der  Sommer  heiss  und
trocken  oder  aber  nass  und  kühl  ist,  ob  das  Wetter  ruhig  oder  von  starker  oder  böiger  Luftbewegung  begleitet ­
  ist,  hängt  lediglich  von  dem  jeweiligen  Verhalten  der  Wetterlagen  ab.
Der  Witterungscharakter  bei  den  einzelnen  Wettertypen  ergiebt  sich  unschwer,  wenn  wir  die  Eigenartigkeit ­
  der  sie  begleitenden  Luftströmungen  in  Betracht  ziehen  und  dabei  die  Jahreszeiten  berücksichtigen
(vergl.  Figuren  3  —  13).
Typus  I  (Hochdruckgebiet  in  W  und  NW,  Depressionen  in  östlicher  gelegenen  Gegenden)  bedingt  in
unseren  Distrikten  Wincfe  aus  nördlichen  Lichtungen,  insbesondere  Nordwestwinde.  Diese  sind  in  allen
Jahreszeiten  böig,  feucht  und  kalt  und  dementsprechend  trägt  auch  die  Witterung  diesen  Charakter.  Für
die  Witterung  unserer  Gegenden  ist  dieser  Typus  von  der  grössten  Bedeutung,  namentlich  in  der  wärmeren
Jahreszeit,  in  welcher  er  am  häufigsten  vorkommt,  entsprechend  der  normalen  Druckvertlieilung  in  dieser
Jahreszeit  (vergl.  Fig.  2).  Ihm  ist  es  (in  Verbindung  mit  Typus  V)  zu  danken,  dass  unsere  Sommer  häufig
so  kühl  sind  und  so  oft  verregneft.
Typus  II,  welcher  hauptsächlich  den  Sommermonaten  und  dem  Friiliherbste  angehört,  zeichnet  sich
aus  durch  schwache  Luftbewegung  aüs  variabler  Richtung,  durch  vielfach  heitere  oder  neblige  Witterung
und  durch  geringe  Niederschläge,  wobei  die  Temperaturverhältnisse  insbesondere  von  der  Strahlung  abhängig ­
  sind.  Im  Sommer,  bis  in  den  September  hin,  begleiten  ihn  gewöhnlich  sonnige  und  warme  Tage,
verbunden  mit  Trockenheit,  welche  zuweilen  zu  Dürrperioden  sich  steigert.  Im  Winter  und  Herbst  ist  bei
seiner  Herrschaft  Nebelbildung  die  Regel.  Im  Spätfrühjahr  und  Frühherbste  kommt  es  bei  klaren  Nächten
nicht  selten  zu  Nachtfrösten  und  zur  Reifbildung,  namentlich,  wenn  Typus  I  in  Typus  II  übergeht.
Typus  III.  Unter  der  Wechselwirkung  der  Hochdruckgebiete  über  Nordeuropa  und  der  im  Süden
gelegenen  Depressionen  sind  bei  der  Herrschaft  dieses  Typus  östliche  und  nordöstliche  Winde  vorwiegend.
Diese  sind  meist  Landwinde,  ihr  Ursprung  liegt  in  Russland.  Ihrem  Wesen  nach  sind  sie  dampfarm,  im
Winter  kalt,  im  Sommer  meist  warm.  In  Bezug  auf  Temperaturverhältnisse  hat  also  bei  der  Herrschaft
dieses  Typus  das  Wetter  im  Winter  einen  ganz  anderen  Charakter  als  im  Sommer.  Dieser  Typus  gehört
hauptsächlich  der  kälteren  Jahreszeit  an  und  spielt  bei  dem  Zustandekommen  und  dem  Verlauf  unserer
strengen  Winter  (im  Verein  mit  Typus  II)  eine  bedeutungsvolle  Rolle.  Ich  erwähne  noch,  dass  bei  seiner
Herrschaft  im  Winter  das  Wetter  meist  trübe,  dagegen  im  Frühjahr  und  Sommer  vorwiegend  heiter  ist.
Typus  IV.  Entsprechend  der  mittleren  Luftdruckvertheilung  gehört  dieser  Typus  dem  Winter  (auch
Oktober  und  November)  an.  Südöstliche  und  südliche  Winde,  also  Landwinde,  sind  vorwiegend,  welche  in
südlicher  gelegenen  Gegenden  ihren  Ursprung  haben.  Diese  werden  im  allgemeinen  trocken  und  warm  sein.
Nur  in  der  winterlichen  Jahreszeit  werden  sie,  je  nach  den  im  Südosten  unseres  Erdtheils  obwaltenden
Wärmeverhältnissen,  kalte  Witterung  bringen.  Im  allgemeinen  ist  der  Typus  IV  als  warmer  zu  bezeichnen.
Typus  V  ist  der  häufigste  aller  Wettertypen,  er  waltet  in  allen  Jahreszeiten  vor,  nur  im  Frühjahr  und
im  Spätherbst  tritt  er  etwas  zurück.  Die  durch  ihn  bedingten  südlichen  bis  westlichen  "Winde  sind  ozeanischen
Ui’sprungs,  feucht,  im  Winter  warm,  im  Sommer  kühl,  also  die  Kälte  der  Winter  und  ebenso  die  Hitze
unserer  Sommer  mildernd.  Im  eigentlichen  Sommer  ist  dieser  Typus  am  meisten  vertreten  und  cliarakterisirt
  sich  dann  durch  wnndige  nasskühle  Witterung.  Die  meisten  Stürme  in  unseren  Gegenden  kommen  bei
Herrschaft  dieses  Typus  vor.  Dabei  ist  die  Wetterlage  in  Bezug  auf  unruhige  Witterung  am  drohendsten,
wenn  das  barometrische  Maximum  über  Frankreich  liegt.
Das  oben  gesagte  wird  durch  die  folgende  Tabelle,  welche  die  Anzahl  der  w’armen  und  kalten  Tage
(bezogen  auf  8 h  a.  m.)  bei  den  einzelnen  Hauptw'ettertypen  enthält,  dargestellt.
            
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