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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Schiffahrts- und Quarantäneverhältnisse in Para, Brasilien. 
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Schiffahrts- und Quarantäneverhältnisse in Parä, Brasilien. 
Von Kapt. H. Ossenbrück, Führer der deutschen Bark „Adonis“, erhielt 
die Direktion der Seewarte kürzlich ein .von den norwegischen Schiffsführern 
N. M. Pedersen von der Bark „Wladimir“, A. T. Andersen von der Bark 
„Umkomanzi“ und Th. Torgbjörnsen von der Bark „Franklin“ mitunter- 
zeichnetes Schreiben, in welchem dieselben die äußerst lästigen und zeitraubenden 
Quarantänemafsregeln schildern, denen sie im vorigen Jahre in dem brasilianischen 
Hafen Pard unterworfen worden sind. Dabei ist zu bemerken, dafs die Schiffe 
von seuchenfreien Häfen Englands kamen, mit einem reinen Gesundheitspafs ver- 
sehen waren und vor ihrer Ankunft eine geraume Zeit auf See zugebracht hatten, 
ohne dafs ein verdächtiger Krankheitsfall an Bord vorgekommen war, Es 
erscheint angezeigt, diesem Berichte weitere Verbreitung zu geben, weil er Rhedern, 
die unter ähnlichen Verhältnissen ein Schiff von einem europäischen Hafen nach 
Brasilien zu schicken beabsichtigen, zur Beachtung dienen kann. - 
Kapt. Ossenbrück schreibt: 
„Am 3. Oktober 1892 segelten wir mit der Bark „Adonis“ von Grimsby 
mit Kohlen nach Par und gelangten am 17. November vor der Mündung des 
Parg-Flusses unter die Spitze Atalaia, Als das hier stationirte Lootsenboot längs- 
seits gekommen war, verlangte der Lootse den Gesundheitspafs zu sehen, und 
als er das Datum der Ausfertigung — 27. September — gelesen, erklärte er, 
er dürfe nicht an Bord kommen, ich müsse näher unter Land gehen und signalisiren, 
damit von der Signalstation nach Pard telegraphirt würde. Vielleicht würde ich 
dann bald Verkehrserlaubnifs erhalten. 
Da ich einen reinen Gesundheitspaß hatte und mir vom brasilianischen 
Konsul in Hull nichts von Quarantäne gesagt worden war, so konnte ich mir 
jene Anordnung nicht erklären; indessen ging ich bis auf 1,5 Sm unter Land und 
ankerte dort auf 5!/a Fad. Wasser, Grund Sand und Steine, der Leuchtthurm 
von Atalaia SzW'/W. Der Signalmann fragte nach dem Namen des Schiffes, 
woher wir kämen, wann wir gesegelt u. s. w., und gebot uns dann, weitere Order 
abzuwarten. Hier lagen wir bis zum 20. November, immer vergebens Order 
entgegensehend. Der Wind war während der Zeit zwischen ENE und ESE stets 
nur von Stärke 3 bis 4, bei schönem Wetter und ziemlich ruhiger See; am Lande 
stand jedoch eine hohe Brandung, Am 20. abends nahmen indessen Wind und 
See plötzlich beträchtlich zu, und ich hielt es deshalb für gerathen, den Anker 
zu lichten, konnte aber den Abend nicht unter Segel kommen. Um 3 Uhr 
morgens am 21. November begannen wir mit Ankerhieven; als jedoch der Anker 
auf und nieder war, brach die Kette, und wir verloren den Anker nebst ungefähr 
einem Faden Kette. 
Wir kreuzten nun unter kleinen Segeln, in Gesellschaft der beiden nor- 
wegischen Schiffe „Wladimir“ und „Franklin“, in Sicht von Atalaia und fragten 
jeden: Morgen. bei der Signalstation an, ob Order für uns da sel. Endlich am 
98. November erhielten wir — alle drei Schiffe zugleich — die Erlaubnifs zum 
freien Verkehr; der Lootse- kam an Bord, und am 30. November gelangten wir 
vor Parg zu Anker. Der entstandene Zeitverlust betrug für „Adonis‘“ 11 Tage; 
die Bark „Franklin“, mit Kohlen von Cardiff kommend, hatte 29, . „Wladimir“, 
von Swansea, 25 Tage warten müssen. 
Noch schlimmer als den genannten drei Schiffen erging es der norwegischen 
Bark „Umkomanzi‘“, Dieselbe war am 4. September mit einem reinen Gesund- 
heitspafßs von Swansea gesegelt und am. 10. Oktober unter Atalaia angekommen. 
Als der Kapitän keinen Lootsen. vorfand, ging er nahe unter Land, um bei der 
Signalstation wegen eines solchen anzufragen, worauf der Signalmann, nachdem 
er Namen des Schiffes, Abfahrtsort und Datum erkundet hatte, antwortete: 
„Warten Sie auf Order.“ Als dies bis zum 13. Oktober vergeblich gethan worden 
and kein Lootse gekommen war, entschlofß sich der Kapitän, in der Meinung, 
dafs keine Lootsen dort auf Station seien, ohne solchen einzusegeln, und gelangte 
gegen 4 Uhr nachmittags desselben Tages nach der Spitze Taipu. Von dem hier 
stationirten brasilianischen Kriegsschiffe wurde. ihm jedoch befohlen. sofort zu 
Ann. 4. Hyvdr., etc... 1893, Heft Y.
	        
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