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Nordatlantik
mium und Zink ist die Deutsche Bucht. Der Grad
der Kontamination ist hier rückläufig. Die Sedi
mente der gesamten Nordsee sind mit Blei konta
miniert.
Der veränderliche Nordatlantik
Der Golfstrom wird oft verkürzt als die
Warmwasserheizung Europas bezeichnet. Auf
dem Weg von der Karibik dahin erfährt seine Fort
setzung als Nordatlantischer Strom im Wechsel
spiel mit den Wassermassen des Nordatlantiks
und der Atmosphäre deutliche Veränderungen:
das Heizungsventil wird dort verstellt. Wie, wann
und warum, das sind die für das Verständnis des
Klimageschehens in Europa wichtigen Fragen.
Der Nordatlantik nördlich der Linie Bretagne-
Neufundland ist eine der Schlüsselregionen für
den Antrieb und die Veränderlichkeit der dichte
getriebenen (thermohalinen) Zirkulation des At
lantiks auf interannualen und dekadischen Zeit
skalen von 1 bis ca. 10 Jahren. Wassermassen
aus unterschiedlichen Klimazonen sowie deren
Wechselwirkungen mit regionalen Transforma
tionsprozessen (Konvektion, Advektion, Over
flow, Entralnment) und Veränderungen im atmo
sphärischen Antrieb, insbesondere die als Nord
atlantische Oszillation (NAO) bezeichnete groß
räumige Verteilung der Luftdruckfelder, führen zu
einem weiten Spektrum an Mechanismen, die als
Ursachen für Schwankungen der thermohalinen
Zirkulation in Frage kommen. Als am weitesten
nach Norden vorstoßender Ozean treffen hier die
unter dem Einfluß subtropischer Bedingungen
entstandenen Wassermassen auf diejenigen po
laren und subpolaren Ursprungs. Die Wärmeab
gabe aus dem Ozean an die Atmosphäre wirkt
sich als Abkühlung der ozeanischen Wassermas
sen aus. Die abkühlenden Wassermassen wer
den dichter, sinken überwiegend im Gebiet süd
lich Island, der Labradorsee und der Grönlandsee
in die Tiefe (Konvektion) und kehren nach Süden
zurück. Diese Umwälzbewegung bestimmt zu
einem großen Teil die nach Norden transportierte
Menge an Wärme. Während diese Wärmemenge
das Klima in Mittel- und Nordeuropa erst lebens
wert macht, sorgen die Transformationsprozesse
und die damit verbundenen Zirkulationsschwan
kungen für langfristige Veränderungen des Wär
metransports. Diese wirken sich besonders als
Schwankungen des europäischen Klimas aus.
Das BSH hat bereits 1988 ein Meßpro
gramm begonnen, um den nach Norden gerichte
ten ozeanischen Transport von Wärme regel
mäßig zu bestimmen. Es war von 1990 bis 1998
eingebettet in das vom BMBF geförderte deut
sche Beobachtungsprogramm für das World
Ocean Circulation Experiment (WOCE) für den
nördlichen Nordatlantik, d.h. für den Subpolarwir
bel und das süd- und ostwärts anschließende Re
gime des Nordatlantischen Stromes. In diesem
Gebiet konkurrieren windgetriebene und dichte
getriebene Strömungen. So stehen am Ende der
WOCE-Feldphase im Jahre 1998 insgesamt 6
bzw. 5 vollständige Realisierungen der hydrogra
phischen WOCE-Schnitte A1/East zwischen Ir
land und Grönland und A2 zwischen Kanal und
Neufundlandbänken (entlang ca. 48° N), durchge
führt mit den Forschungsschiffen Meteor, Gauss
und Valdivia, zur Verfügung (Abb. 31). Ergänzt