Spangenberg, W, W.: Bemerkungen zur Bestimmung der Himmelsfarbe usw. 101
Der Verfasser erleichterte sich die Schätzung folgendermaßen: es wurde
das Blau des Himmels mit dem der Skala dadurch verglichen, daß direkt vor
das Auge eine sehr kurzbrennweitige Lupe gehalten wurde. Hierdurch erschien
die mit weit ausgestrecktem Arm gegen den Himmel gehaltene Skala voll-
kommen unscharf und auf dem Himmelsuntergrunde verschwimmend. Noch
besser ließ sich das erreichen, wenn die Lupe um einen kleinen Betrag vom
Auge weg in Richtung auf die Skala zu verschoben wurde und dann in seit-
licher Richtung hin und her bewegt wurde, so daß einmal nur das Himmelsblau
und einmal nur das Skalenblau gesehen wurde. Auf jeden Fall muß die Lupe
eine möglichst kurze Brennweite haben, im vorliegenden Versuch war diese
4 bis 5 cm, Dieses einfache Verfahren erleichtert das Abschätzen erheblich,
Es ist tatsächlich leicht zu erreichen, daß die Grenze zwischen Skala und
Himmel bei annähernder Farbgleichheit genügend verschwindet, ohne daß irgend-
welche unangenehmen Sensationen hervorgerufen werden. Vielleicht versucht
der eine oder andere. Beobachter einmal diese Methode,
Hingewiesen sei auch noch auf die Versuche von H. Berg (1s), der die
einzelnen Skalenblätter zur Vereinfachung der Schätzung nebeneinander auf
einem Brett befestigte, Obwohl dieses Verfahren eigentlich für ganz spezielle
Zwecke (Beobachtungen vom Flugzeug aus) gedacht ist, erscheint es doch auch
allgemein als durchaus plausibel, weil die Sicherheit der Farbbewertung durch
das Nebeneinanderliegen aller Farbstufen erhöht werden könnte. Es ist das
schon wieder eine Annäherung an die von Saussure 1790 bei seinem Zyano-
meter gewählte Form, bei der alle 53 Farbtöne als Sektoren auf einer Kreis-
platte angebracht sind. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit irgendwelcher
Täuschungen oder Beeinflussungen bei der Schätzung mit der Buchform der
Linkeschen Skala vermindert, weil eben jeweils nur ein ganz bestimmter
Farbton sichtbar ist.
Weiterhin ist bei der Beobachtung streng darauf zu achten, daß Täuschungen
und Störungen durch irdische Gegenstände, wie Häuser oder Bäume, nach
Möglichkeit ausgeschlossen sind. Außer der Skala sollte sich im Gesichtskreis
kein weiteres Objekt befinden. Wenn alle diese Vorsichtsmaßregeln gebührend
beachtet werden und die nötige Kritik vorhanden ist, kann man wohl mit Recht
sagen, daß die Bestimmung der Himmelsfarbe mit der Linkeschen Blauskala
wissenschaftlichen Wert besitzt, obwohl es sich im physikalischen Sinne doch
nur um einfache Schätzungen auf Grund rein subjektiver Empfindungen handelt,
Die Ausführung solcher Beobachtungen kann allen meteorologisch-klimatologischen
und bioklimatologischen Beobachtern nur dringend empfohlen werden.
Literatur.
1. Gerl, Beitr, z. Geophys, 50, 271 (1937).
2. Met. Zschr, 41, 42 (1924).
3. Ger]. Beitr, z, Geophys. 32, 106 (1931),
4, Zschr, ang. Meteorol. „Das Wetter“ 47, 294 (1930).
5. Busch-Jensen, Tatsachen und Therien der atmosphärischen Polarisation. Aus d, Jahrb. d.
Hambg. Wiss, Anst. XXVII, 1910,
8. Jensen, in Geiger-Scheels Handb. d. Phys. Bd. XIX,
7. Pernter-Exner, Lehrbuch d. meteorol. Optik. 1922.
8, Wie unter 2,
*, Met. Ztachr. 45, 367 (1928).
‚ Zschr., ang, Meteorol. „Das Wetter“ 47, 317 (1930).
‚ Parrot, Physik der Erde, 8 278.
; Poggend, Ann, 84, 298 (1851).
» Bioklimatische Beiblätter 5, 62 (1938),
‚ Met. Zschr, 24, 306 (1907),
‚ Met. Zschr. 42, 206 (1925).
‚ Zschr, ang. Meteorol. „Das Wetter“ 53, 63 (1936).
Zschr. ang. Meteorol. „Das Wetter“ 46, 336 (1929).
Zechr. ang, Meteorol, „Das Wetter" 51, 85 (1934),
‚1, Gerl. Beitr, z, Geophys, 52, 270 (1938).
20. Niederdeutsche Monatshefte 7, 353 (1933).
21. Ann. d, Hydr. und marit. Met, 67, 436 (1939).
22, Met, Zeschr. 46, 364 (1929).
23. Met. Zechr. 56, 408 (1939).