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Full text: 19, 1896

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1S96 No. 4 — 
ja diese finden sich selbst bis Katwyk, unweit des Meeres, ungefähr zur selben Zeit verzeichnet, aber hier 
und an der ganzen Küste mit Gewitter zusammen. Nach unserer Wirbeltheorie ist diese Erscheinung folgen 
der Weise zu erklären. 
Jeder Wirbel, wenn er keine geschlossene Kurve bildet, breitet sich seitlich aus bis an die Begren 
zungsfläche der Flüssigkeit oder bis er von äusseren Einwirkungen zerstört wird. Das Gewitter wird jedoch 
nicht blos von den Wirbelungen gebildet, sondern ist noch von grosser Feuchtigkeit der Atmosphäre be 
dingt. Wenn letztere fehlt und der Uebergang der feuchten zur trocknen Luftmasse nicht plötzlich iu einer 
Diskontinuitätsfläche zustande kommt, wird die Wirbelung, indem sie sich nach der Seite ausbreitet, in der 
trockenen Atmosphäre kein Gewitter, ja selbst bei grosser Trockenheit keinen Regen verursachen können. 
Pflanzt der Wirbel sich noch weiter fort und tritt er dabei wieder in feuchtere Luft, wie an Meeresküsten 
oder oberhalb Seen, so wird er auch hier zur liegen- oder Gewitterbildung Veranlassung geben. Stammt 
die grosse Feuchtigkeit nicht unmittelbar von an der Stelle vorhandenen grossen Wasserflächen, sondern 
ist sie aus anderen Gründen lokal in der Luft vorhanden, dann bekommt das seitlich gelegene Gewitter- 
Terrain nach den schon vorausgegangenen Auseinandersetzungen eine elliptische Gestalt. 
Dieser überwiegende Einfluss der Feuchtigkeit auf die Gewitterbildung zeigt sich am deutlichsten bei 
manchem Gewitter, z. B. bei der Böe vom 9. August 1881. Nach Koppen war sie nur lokal an der Ilinter- 
seite von einigen elektrischen Entladungen begleitet, dagegen ging der linke Flügel zwischen Nord- und 
Ostsee mit einem ununterbrochenen Gewitter und schwerem Hagelschlag in Holstein zusammen. 
Mit Hilfe von Psychrometer-Beobachtungen ist die Thatsache auch von Berg 106 ) auf synoptischem Wege 
klargemacht. Das Gewitter eilt voraus, da, wo vor der Front grosse Feuchtigkeit vorhanden ist, wie von 
den Isohygren angegeben wird. Aus den Aufzeichnungen des Hygrographen zu Pawlowsk geht nach dem 
selben Autor hervor, dass Gewittertage sich immer durch grosse Feuchtigkeit der Luft kennzeichnen, und 
dass dem Gewitter selbst ein Maximum der absoluten Feuchtigkeit vorangeht. Hieraus wäre zu folgern, 
dass das rasche Ansteigen der relativen Feuchtigkeit beim Durchgang der Gewitterfront nur eine Folge der 
plötzlich eintretenden Temperatur-Erniedrigung ist. 
Die hier gegebene Gewittertheorie ist noch im Stande, manche andere mit den Gewittern in Verbindung 
stehende Erscheinungen zu erklären. Wir werden sie noch kurz in Anwendung bringen zur Erklärung der 
täglichen Gewitterperiode. Es ist allgemein bekannt , dass diese im grösseren Theile Europas 2 Maxima 
aufweist, das Hauptmaximum ungefähr auf 2 h p. in. fallend, das sekundäre auf 2 h a. m. Nach Mohn ist an 
der norwegischen Küste das nächtliche Maximum in den Wintermonaten das bedeutendste. Dasselbe hat 
Buchau 107 ) für die Westküste Schottlands gezeigt und dabei darauf hingewiesen, wie auf Island alle Ge 
witter Erscheinungen des Winters sind. 
Ausführlich ist von Hellmann ,u8 ) bewiesen, dass Wintergewitter (d. h. unsere Sturmgewitter) in Mittel 
und Nordeuropa mit Vorliebe Nachts auftreten, und dass wesentlich diesem Umstande das sekundäre Maxi 
mum der täglichen Gewitterperiode zuzuschreiben ist. Wenn wir nun dieses in Verbindung bringen mit der 
Entstehungsweise der rechtsdrehenden Wirbel (Wintergewitter) und der linksdrehenden (Böen und Wärme 
gewitter), dann muss das Maximum der täglichen Windgeschwindigkeit auf der Erde zusammenfallen mit 
dem für die tägliche Periode der Böen und Wärmegewitter, d. li. 2 h p. m., dagegen muss das Maximum der 
täglichen Windgeschwindigkeit in grösseren Höhen zusammenfallen mit dem für die tägliche Periode der 
Sturmgewitter, d. h. 2 h a. m. In der That ist nun dieser Gegensatz in der täglichen Periode der Wind 
geschwindigkeit für geringere und grössere Höhen eine ausgemachte Thatsache 1 " 9 ) und vor kurzem wieder 
von neuem durch Angot mit Hilfe der Eiffelthurm- Beobachtungen erwiesen. Nur treten die betreffenden 
Maxima der Windgeschwindigkeit ein wenig früher ein, als die für die Gewitter. Also findet unsere Ge 
wittertheorie liier eine neue Stütze. 
Schliesslich müssen wir noch der Elektrizitäts-Erregung in Gewittern mit einem Worte gedenken, die 
endgültige Lösung dieses Problems muss jedoch der Zukunft überlassen werden, denn die nothwendigen 
Beobachtungen des Potentialgefälles in der freien Atmosphäre fehlen noch gänzlich, erst in den allerletzten 
Zeiten sind sie bei den Auffahrten des Phönix und des M. W. n# ) berücksichtigt worden. 
Nach unserer Theorie hat man sich die Elektrizitäts-Erregung folgenderweise zu denken. Die Wirbel 
theorie erklärt die Gewitter durch Wirbelung einer feuchten Luftmasse. Je kräftiger die Wirbelung und 
je grösser die Feuchtigkeit, desto heftiger das Gewitter. Die intensivste Aeusserung, der Blitz, muss dann 
auch eine unmittelbare Folge dieser beiden Umstände sein. Die Wirbelung verursacht Reibung, und diese
	        
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