K. Engelenburg, C. I.: Aerodynamische Theorie der Gewitter.
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Die Gewitter bei Vulkanausbrüchen entstehen in ähnlicher Weise, wie die lokalen Wännegewitter. Zu
dem jetzt in Besprechung begriffenen Typus gehören auch die meisten Gewitter der Tropen, doch ist deren
Sitz meistens in viel beträchtlicherer Höhe vorhanden, als bei denen der gemässigten Länder. Aus diesem
Grunde üben die tropischen Gewitter fast gar keinen Einfluss auf den Barometerstand aus, ungeachtet der
durchschnittlich grösseren Intensität. 103 )
Wir nannten bereits das Gewitter hinter einem sekundären Minimum einen Uebergang zum Typus
„Böe“. In der That sind diese Gewitter und alle diejenigen, welche von einem mit schmaler Front über
die Erdoberfläche vordringenden Luftstrom verursacht werden, mehr in Uebereinstimmung mit Böen in An
betracht ihrer Entstehungsweise und der begleitenden Erscheinungen. Mit dem Wärmegewitter haben sie
die parabelförmigen Isochronen gemein. Die Erscheinung kommt zustande im Grenzgebiete eines Luftdruck-
Maximums und eines Minimums. Die Luft strömt aus dem Maximum in eine dünnere Schicht und dringt
keilförmig in das Gebiet niedrigerer Barometerstände. An der Spitze des Keiles ist die Geschwindigkeit
am grössten; hier entsteht die Wirbelung, welche sich zwar seitlich ausbreitet, aber wegen der geringeren
Strömungsgeschwindigkeit stark zurückbleibt und bald endigt. Auch hier gilt die vorher beschriebene
Wechselbeziehung: je grösser die Geschwindigkeit des Stromes, desto kräftiger die Wirbelung.
Dieses Eindringen in eine dünnere Schicht über der Erdoberfläche kälterer und schwererer Luft in
ein Gebiet warmer Luft und geringen Druckes ist auch von Prohaska erkannt worden. 104 ) Er sagt u. a.:
„dass wir uns das dem Vorübergange der barometrischen Minima unmittelbar folgende Ansteigen des Baro
meters dadurch erklären müssen, dass dichtere schwere Luft unmittelbar über der Erdoberfläche,
an der Basis des Luftmeeres, in das Gebiet tieferen Luftdruckes eindringt. Sonach stellt
sich die Front des Gewittersturmes oder der Regenböe als der Kopf des aus Westen in das Gebiet tiefen
Druckes einbrechenden Luftstromes dar.“ Bereits in dem vorhergegangenen Jahrgange (S. 872) theilt
Prohaska als Resultat einer Untersuchung über die Regenbeobachtungen aus den Jahren 1866—79 mit,
dass die meisten schweren Regen (30 mm und mehr) in Süddeutschland und am Fusse der Alpen hei steigen
dem Barometer auftreten.
Auch später hebt er ausdrücklich diesen unmittelbar über der Erdoberfläche an der Basis des Luft
meeres in das Gebiet tieferen Luftdruckes keilförmig eindringenden Strom hervor. Auch bei anderen
Forschern findet sich diese Bemerkung, z. B. Hesselberg: 105 ) Les conditions pour la formation d’un orage
dans POstland (Norvège) sont pression de l’air un peu haute généralement avec plusieurs minima partiels
dans l’intérieur du pays. Deux minima sont séparés par une crête de pression un peu plus haute (Wedge-
shaped isobars). C’est ici que se trouve le siège de l’orage.
S'il n’y a qu’un minimum de pression partiel au nord de Christiania les orages dans l’Ostland sont
causés par un maximum de pression partiel qui pénètre comme un coin ou une languette par-dessus le
Christiania-Fjord dans le minimum.
In ähnlicher Weise kommen in vielen meist tropischen Ländern die täglichen Gewitter zustande, wenn
der Seewind nach und nach in das Land eindringt.
Im Anschluss an die parabolische Gestalt der Isochronen werden wir hier noch eine andere Ver
breitungsweise der Gewitter aus der Wirbeltheorie erklären. Ferrari meldet, wie bisweilen eine Isochrone
sich stark nach der Seite ausbreitet, so dass sie sehr entfernte Gegenden bestreicht,
ja bisweilen durch eine Lücke von dem eigentlichen Gewitterterrain getrennt wird.
Beistehende Skizze Ferrari’s, in welcher die feine Linie die Grenze des Niederschlags-
Gebietes angiebt, verdeutlicht diesen Fall. Ferrari hebt ausdrücklich hervor, dass
diese Erscheinung nicht von mangelhaften oder ganz fehlenden Beobachtungen in der
dazwischenliegenden Gegend verursacht wird, denn in vielen Fällen konnte er die
Grenzen der Niederschlags-Gebiete scharf angeben mit Hilfe der Stationen, welche
weder Gewitter noch Regen beobachtet hatten. Ferrari meldet dabei jedoch nicht,
ob von diesen Beobachtern nicht einige der Nebenerscheinungen, wie das Aufziehen
dunkelen Gewölkes oder Luftdruck- und Temperatur-Störungen, verzeichnet sind. Das Vorhandensein dieser
ist von grosser Bedeutung für die Erklärung. Die Erscheinung ist auch von anderen festgestellt worden,
z. B. von Mohn, Koppen und uns selbst. Gewitter, welche an den östlichen Grenzen der Niederlande
hinaufziehen, geben sich bisweilen in Utrecht durch Störungen in Luftdruck, Temperatur und Wind kund,