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Full text: 19, 1896

E. Engelenburg, C. I.: Aerodynamische Theorie der Gewitter. 
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Es sei vorausgesetzt — worauf wir später zurückkommen werden, — dass die Elektrizitäts - Erregung 
ausser dem eigentlichen Wirbelkörper stattfindet. Wenn wir uns nun erinnern, wie die Wirbelung beim 
Sturmgewitter zustande kommt, so ist es leicht einzusehen, dass die lokal nur kurz dauernde Wirbelung 
hier tiefer herabkommt und an der unteren Seite am schnellsten und regelmässigsten stattfindet. Die 
Wirbelung der noch zu behandelnden Wärmegewitter ist im Zusammenhänge mit dem aufsteigenden. Luft 
strome am höchsten. Die Höhe, in welcher der horizontale Wirbel der Böe vorüberzieht, liegt zwischen 
beiden. Durchschnittlich findet also die Wirbelung der Wintergewitter in den tiefsten Schichten statt, die 
Wirbel der Böen ziehen etwas höher, die Wirbelungen der Wärmegewitter werden am höchsten empor 
getragen. In Uebereinsimmung mit dieser Vorstellung ist die Thatsache, dass die Sturmgewitter mit der 
relativ grössten Zahl der zündenden und kalten Blitzschläge auftreten, dann die Böen und schliesslich die 
Wärmegewitter. Dies ist um so auffallender, weil erstere nur kurz (wenige Minuten) dauern und lokal ein 
bis fünf Blitze hervorbringen, die Böen länger dauern (halbe bis ganze Stunde) und reicher sind an elek 
trischen Entladungen, und zuletzt die Wärmegewitter mit einer Dauer von wenigstens dreiviertel Stunde, 
manchmal stundenlang eine ununterbrochene, sehr reichlich fliessende Quelle der elektrischen Entladungen 
besitzen (50 Blitze pro Minute während Stunden ist keine Seltenheit). 
Die Richtigkeit eines Theiles dieser Anschauungen wird bewiesen durch die Beobachtungen auf dem 
Ben Nevis und dem am Fusse gelegenen Fort William. 9 ' 1 ) Während 6 Jahren sind auf dem Gipfel 25, am 
Fasse 39 Gewitter beobachtet. Die meisten der hier beobachteten Gewitter gehören zum Sturmtypus und 
kommen im Winter vor. Sind nun die Sturmgewitter am niedrigsten, dann muss dieser Unterschied in der 
kalten Jahreszeit noch grösser sein. „In January Fort-William has 9 thunderstorms, as against 2 at the 
Ben Nevis Observatory. The summer thunderstorms (omitting cases of lightning without thunder) are twice 
as frequent at Fort William as on the Ben, so that a considerable number must pass below the hill-top.“ 
Beobachtungen, welche keinen optischen Täuschungen ausgesetzt sind und also nicht zu leugnende 
Beweise für die Höhe der Gewitter beibringen, sind solche über die höchste Grenze der mit Hagel be 
deckten Gegenden an den Gebirgsböschungen. So fand z. B. Landolt 109 ) für das mit schwerem Hagel 
schlag begleitete Gewitter des 21. Juli 1881 am Rhein und Thur die höchste Hagelgrenze in 100 m Höhe 
über der Thalsohle. 
Folgende, Fron und Prohaska entlehnte Gewitterbahnen zeigen durch ihre Beeinflussung von Terrain- 
Erhebungen, dass der Sitz der Gewitter meist nur in geringen Höhen vorkommt. Die in Frankreich aus 
dem Golf von Gascogne ziehenden Gewitter werden sozusagen vom zentralen Plateau abgestossen und ziehen 
entweder nordwärts durch das Pariser Becken oder durch das Thal zwischen den Pyrenäen und Cevennen 
nach dem Golf von Lyon. Auf diesem letzteren Wege und weiter durch den Golf von Genua, das Po-Thal 
und die Adria gelangen die meisten Gewitter in Steiermark und Krain an, während die übrigen hier auf 
tretenden Gewitter nordwärts von den Alpen aus Oesterreich heranziehen. 
Idealer Schnitt einer Böe. 
Wärmegewitter. Die zweite Hauptabtheilung der linksdrehenden Wirbel, diejenige der Wirbelringe, 
giebt die Erklärung der Wärmegewitter. Die unmittelbare Veranlassung ist eine kräftige aufsteigende Be 
wegung eines Theiles der Atmosphäre in Folge Insolation. Wird bei heiterem, warmem Sommerwetter eine 
Luftmasse in der Nähe der Erdoberfläche von den Sonnenstrahlen kräftig erwärmt, so geräth sie in Folge 
ihres geringen spezifischen Gewichtes in Aufsteigung. Bei diesem Emporsteigen dehnt sie sich bald in allen
	        
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