E. Engelenburg, C. 1. : Aerodynamische Theorie der Gewitter.
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verursachen auch in den Niederlanden Gewitter. Die zweite unter 3) genannte, welche von dem Golf von
Gascogne nach dem Golf von Lyon gerichtet ist, fällt zusammen mit der Bahnrichtung Va und Vb des
Köppen-Bebber’schen Schemas. Unter diesen Umständen sind Gewitter in den Niederlanden äusserst selten.
. Sie gehen dem Minimum voran und erstrecken sich nach Prohaska’s Untersuchungen über Norditalien,
Steiermark bis Ungarn. Die zur dritten Gruppe gehörigen Gewitter sind Wärmegewitter.
Hieraus geht hervor, dass Fron — obsclion er es nicht that — Grund hat, zwei Arten von Gewittern
zu unterscheiden, und zwar die unter 1) genannten Gewitter in der rechten Hälfte ausgedehnter und inten
siver Luftdruckminima und daneben solche an der Vorderseite schwächerer und weniger ausgedehnter Minima.
Erst bei späteren Autoren tritt diese Eintheilung in Wärme- und Wirbelgewitter (orages de chaleur et
orages de tourbillon) hervor, doch sind die Unterschiede meistens nicht scharf angegeben.
Neben dieser nur angedeuteten Klassifikation „orages de chaleur“ und „orages de tourbillon“ und neben
der deutlich ausgesprochenen von „orages d’hiver“ und „orages d’été“ unterscheidet Leverrier in der Vorrede
des ersten „Atlas des Orages“ (1865) im Gegensätze zum regelmässig fortschreitenden Gewitter noch „orages
erratiques“. „Souvent, sagt er, lorsque les nuées orageuses venant da la mer ont envahi le ciel, la foudre
commence à gronder dans quelques départements de l’intérieur; elle éclate simultanément en plusieurs points
du territoire.“
Also finden wir im Anfang der Gewitterstudie bereits drei verschiedene Eintheilungen der Gewitter.
W ie deutlich aus den verschiedenen „Atlas des Orages“ vom Pariser Observatorium und später aus den
„Annales du Bureau Central Météorologique de France“ hervorgeht, sind es hauptsächlich die Gewitter
in der rechten Vorderhälfte der ausgedehnten Luftdruckminima, welche die Aufmerksamkeit Fron’s auf
sich ziehen. Auch von vielen anderen Forschern, z. B. Lancaster UJ ) ist das vielfache Auftreten der Ge
witter in der rechten Hälfte der ausgedehnten Minima hervorgehoben.
Fortgesetzte Untersuchungen haben ergeben, dass hauptsächlich dann in der rechten Hälfte des
Minimums Gewitter auftreten, wenn die Isobaren hier eine trog- oder V-förmige Ausbuchtung augeben
bei gleichzeitiger Anwesenheit hoher Temperatur und grosser Feuchtigkeit der Luft. Dieser Zustand der
Luftdruckvertheilung ist zuerst von der Deutschen Seewarte als Gewitter sack charakterisirt. 65 ) In den
am stärksten hervortretenden Umständen dehnt sich ein zungenförmiges Band niedriger Barometerstände radial
vom Zentrum der Depression aus, und während letztere fortschreitet, rotirt die schmale Zone in entgegen
gesetzter Richtung der Uhrzeiger um die Hauptdepression. In dieser Furche befindet sich das Gewitter.
Unter anderen Umständen zeigt sich blos eine Unregelmässigkeit im Verlaufe der Isobaren, welche bisweilen
als der Sitz eines wohldefinirten Luftwirbels von kleinem Durchmesser zu betrachten ist (die sogenannten
Theilminima oder sekundären Depressionen). In diesem Falle ist das Gewitter senkrecht zur Bewegungs
richtung weniger ausgedehnt, als wenn der eigentliche Gewittersack vorhanden ist.
Abercromby 6e ) kennt nur den Gewittertypus, welcher in der rechten Hälfte ausgedehnter Luftdruck -
Minima vorkommt. Er unterscheidet dabei in Uebereinstimmung mit den drei angedeuteten Zuständen drei
Arten, welche in der That nur drei nach ihrer Intensität abgestuften Grade einer und derselben Erschei
nung sind: a) squalls with thunderstorms, wenn im Verlaufe der Isobaren nur geringe oder gar keine Un
regelmässigkeiten Vorkommen; b) thunderstorms with secundaries; c) line-squalls or thunderstorms with
V-dépréssions. Doch beschreibt er S. 249 unter den „line-squalls“ das Gewitter am 21. August 1879 in
Frankreich, von dem er selbst sagt: „so far as we can see, there is no trace of a trough either of a
cyclone or a V-dépression.“ Das beigegebene Kärtchen zeigt, dass dieses Gewitter an der Vorderseite eines
Hachen Luftdruck-Minimums zum Ausbruch kommt, also zu den Wärmegewittern gehört.
Die bekanntesten Repräsentanten dieses Typus sind die „Eurydice squall“ (24. März 1878) und die
von Koppen untersuchte Böe vom 9. August 1881. 3 ') Das Hauptergebnis von Köppen’s und von Bezold’s
Forschungen ist, dass diese Gewitter im allgemeinen mit sehr breiter Front und sehr geringer Tiefen-Ent-
wickelung über das Land hinmarschiren. 67 )
Es war jedoch nicht verborgen geblieben, dass Gewitter auch ohne grosse Luftdruck-Minima zum Aus
bruch kommen. So sagt Sprung 6 *): „Dass übrigens die Gewitter auch unter wesentlich anderen Bedingungen
zur Entwickelung kommen können, möge gleich hier betont werden.“ Als Beispiel zitirt er die Gewitter-
Periode vom Juli 1884: „Die 6 ersten Tage dieses Monats waren an elektrischen Entladungen durchaus
nicht arm, und doch fehlten die Luftdruck - Phänomene so gut wie gänzlich, welche sonst die Träger der
Gewitter sind. In Deutschland betrug der Luftdruck 760—767 mm, und indem ein starkes Gebiet hohen