OäBar Puls: Oberfläehentemperaturen und Strömungsverhältnisse etc.
5
Die Materialsammlung geschah kartographisch: Es wurden Gradnetzkarten der Zone im Maass
stahe von 1:10000000 angefertigt (sodass also jedes Eingradfeld etwa 1 qcm gross wurde) und zwar für
jeden Monat eine, in welche die beobachteten Oberflächentemperaturen,. Stromversetzungen und Winde
eingetragen wurden.
Wenn auch die indirekte Methode der Bestimmung von Meeresströmungen, die thermische, nach der
die Strömungen aus dem Verlauf der Isothermen bestimmt werden, zu vorzüglichen Resultaten geführt hat,
besonders bei meridional verlaufenden Strömungen (vergleiche z. B. die genannte Arbeit von Dr. Schott), so
konnte dieselbe doch in unserer Zone, mit ost-westlich gerichteten Strömungen und in einem hoch und ziem
lich gleichmässig erwärmten Meere, keine deutlichen und sicheren Aufschlüsse über die Meeresströmungen
erhoffen lassen. Sie konnte also mindestens nicht die alleinige sein, sondern es mussten die beobachteten
Stromversetzungen — ein so wenig zuverlässiges Mittel zur Strombestimmung die einzelne Stromver
setzung auch sein mag, 1 ) — mit berücksichtigt werden, da sie in ihrer Gesamtheit ein ziemlich richtiges
Bild der Stromverhältnisse bieten werden. Die Stromversetzung hat aber nur dann Werth für
die Beurtheilung der Stromverhältnisse, wenn man den gleichzeitig herrschenden Wind,
der die Strömung und vielleicht noch mehr die Stromversetzung in hohem Grade beeinflusst, mit berück
sichtigt, und so wurden denn auch, auf Anrathen des Herrn Abtheilungvorstehers Kapt. Dinklage, die
Windverhältnisse mit eingetragen.
Die Eintragung in die Gradnetzkarten erfolgte nun in der Weise, dass an den Ort der jedesmaligen
Mittagsposition eines Schiffes das Mittel aus den an dem betreffenden Tage gemessenen Oberflächentempe
raturen (gewöhnlich 6 Messungen täglich, alle 4 Stunden eine) in Celsiusgraden gesetzt wurde (selbstver
ständlich unter Berücksichtigung des Korrektionsfehlers des benutzten Instrumentes). In der Mitte zwischen
je zwei Mittagspositionen wurde durch einen Pfeil die von Mittag zu Mittag beobachtete Stromversetzung ein
gezeichnet und der Betrag derselben in Seemeilen (60 Seemeilen = 1 Aequatorgrad), der annähernd schon
durch die Länge des Pfeiles angegeben werden konnte, dabei notirt. Neben diesem (rothen) Strompfeil wurde
durch einen andern (blauen) die in derselben Zeit, auf die sich die Stromversetzung bezieht, herrschende
mittlere Windrichtung (Mittel aus meist 12 Beobachtungen) angedeutet. In den Fällen, wo am Mittage
keine astronomische Beobachtung möglich war (wegen unklaren Wetters, was gerade in der regenreichen
Kalmenregion nur zu häufig vorkommt), wurde die tägliche Stromversetzung angedeutet durch einen Pfeil
mit nebengesetztem Bruch, dessen Zähler die Gesamt-Stromversetzung, dessen Nenner die Zahl der Tage
in denen man die Versetzung erfuhr, bilden. 'So konnte später bei der Bearbeitung unterschieden werden
zwischen den Angaben, die eine Versetzung in 24 Stunden, und den weit weniger zuverlässigen, die
eine Versetzung in mehreren Tagen bezeichnen, was nicht hätte geschehen können, wenn, wie gewöhnlich,
für jeden Tag einfach der mittlere Betrag in Rechnung gezogen worden wäre. Versetzungen unter 6 Sm
wurden nicht als Strom notirt, denn sie liegen weit innerhalb der Grenzen der Beobachtungsfehler. In den
meisten Fällen war die Stromversetzung bereits vom Führer des Journals ausgerechnet und angegeben, doch
durften auch solche Journale nicht unbenutzt bleiben, in denen dies nicht geschehen war. Hier musste die
Versetzung nachträglich aus dem Besteckunterschied berechnet werden; meist werden diese nachträglichen
Berechnungen nicht denselben Werth haben wie die vom Schiffsführer selbst ausgeführten, da dieser alle
das Besteck beeinflussenden Umstände, z. B. die Abtrift, weit besser in Rechnung ziehen kann, als nach
träglich ein anderer, umsomehr, wenn dieser kein Fachmann ist. Aber auch in den Fällen, wo die Ver
setzung bereits berechnet war, fand, wenigstens hin und wieder, in Zweifelsfällen immer, zur Kontrole eine
Nachrechnung statt, durch welche noch manche Unrichtigkeiten — Folgen nachlässiger Berechnung oder
blosse Schreibfehler — verbessert wurden.
Bei dieser Sammlung und Ordnung des Materials wurde es zugleich kritisch gesichtet. Angaben, die
nicht das gleiche Vertrauen verdienten, weil z. B. die Korrektion des Instrumentes, mit dem die Beobach
tungen ausgeführt wurden, nicht bekannt war, oder die nicht das Mittel aus 6, sondern aus weniger täglichen
Beobachtungen waren, oder die nicht mit der nöthigen Sorgfalt angestellt zu sein schienen, alle solche
Angaben wurden gekennzeichnet (durch Einklammem u. s. w.), damit ihnen bei der Verarbeitung nicht der
gleiche Werth beigelegt würde wie den normalen. Beobachtungen von Schiffen der Kriegsmarine (auf denen
die Beobachtungen pflichtmässig und nach besonders ausgearbeiteten strengen Instruktionen angestellt wer
den), wurden durch die Schrift ausgezeichnet.
*) Siehe das Werk von P. HofFmann, pag. 25; auch Handhuch der Ozeanographie, U, pag. 373.