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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1895 No. 2 —
der Beschluss mit allen Stimmen der Konferenz gegen 8 durchgeführt worden war, so Hessen die zu Gunsten
derselben angeführten Argumente hinsichtlich ihrer Richtigkeit noch manche Zweifel zu, deren Beseitigung
vorerst geboten erschien. Manche Stimmen, so unter anderen das Gutachten des Germanischen Lloyd, wie
auch die Darlegungen höchst beachtenswerther nautischer Autoritäten konnten nicht so ohne Weiteres als
nicht stichhaltig beseitigt werden. Von ähnlichen Erwägungen geleitet, schien es der Seeberufs-Genossen-
schaft zunächst erwünscht, eine auf thatsäctdicher Beobachtung beruhende Meinungs-Aeusserung der Direktion
der Deutschen Seewarte herbeizuführen und schon unter dem 7. März d. J. gab die Seeberufs-Genossenschaft
diesem Wunsche einen Ausdruck dahin gehend, dass die Seewarte eine auf Erfahrung beruhende Meinungs-
Aeusserung als Unterlage für die fernere Anordnung über Abblendung der Seitenlichter geben möchte.
Schon am 9. März d. J. ging der Seewarte eine Verfügung des Staatssekretärs des Reichs-Marine-Amtes
zu (H. 1168), welche anordnete, dass die Direktion der Seewarte in Untersuchungen einträte, welche unab
hängig von anderen Auffassungen, namentlich von jener in England hei'rschenden, das erforderliche Ma
terial lieferten, um durch eigene praktische Versuche den besten Abblendungswinkel für Seitenhchter ermitteln
zu können. Dabei war Rücksicht darauf zu nehmen, dass den gesetzlichen Vorschriften genügt würde, und
sollte die Direktion der Seewarte gleichzeitig positive Vorschläge über die etwa zu erlassende Ergänzungs-
Vorschrift über das Abblenden der Seitenlichter anfügen.
Aufgabe, Ernennung der Kommission. Die zahlreichen, in der Erörterung zu Tage tretenden
Argumente litten nach dem Erachten der Direktion der Seewarte zum grossen Theile bei mehr oder minder
richtiger Anwendung geometrischer oder physikalischer Grundsätze an dem wesenthchen Mangel, dass sie
nicht auf faktischen Versuchen, welche möglichst den in der Praxis vorkommenden Fällen entsprechen,
fussten. Die Direktion musste sich deshalb sagen, dass es ihr nur gelingen könnte, die ihr gestellte Auf
gabe zu lösen, wenn sie die zu unternehmenden Versuche mit grösster Strenge und unter Anwendung der
unanfechtbarsten Hülfsmittel ausführen würde. Nach eingehender Berathung einer von der Direktion ernannten
Kommission, bestehend aus den Herren Admiralitätsrath C. Koldewey, Dr. Hugo Ifriiss und Kapitän
Krause, an welcher auch der Direktor der Seewarte theilnahm, wurde die zu lösende Aufgabe noch näher
dahin präzisirt, dass es bei der Verschiedenheit der herrschenden Ansichten und der Unklarheit über ein
zelne grundsätzliche Vorfragen sich darum handeln müsse, genau festzustellen, wie gross bei verschiedenen
Abblendungen der Seitenlichter, bei verschiedenen Laternen und verschiedenen Entfernungen der Winkel ist,
den ein Schiff drehen kann, ohne dass für einen sich voraus befindenden Beobachter eines der Seitenlichter
verschwindet, da sich hieraus alles Andere von selbst ergeben muss.
Um diesen Zweck zu erreichen und nach jeder Richtung genaue und einwandfreie Resultate erzielen
zu können, erschien es der Direktion geboten, einen Apparat zu konstruiren, der es gestattete, dass mit
möglichster Schärfe Aufstellung und Abblendung der Laternen auf verschiedene Winkel, sowie eine beliebige
Drehung beider Laternen um eine gemeinschaftliche Achse ausgeführt werden konnte.
Beschreibung, Aufstellung und Orientirung des Apparates. (Mit einer Zeichnung.) Der Appa
rat, von der Maschinenbau-Anstalt W. Ritter in Altona nach den Angaben des Direktors konstruirt, be
steht aus einer um ihre Mitte M drehbaren, horizontal gestellten 16 Meter langen eisernen Doppelschiene (SS).
Auf derselben sind zu beiden Seiten der Mitte zwei Schieber angebracht, welche zur Aufnahme der 1 Meter
langen Laternenbretter nebst den Laternen dienen. Die Schieber (Sch) tragen an dem äusseren Ende eine
Gradtheilung, an welcher die Stellung der Laternenbretter gegen die Richtung der Schiene durch einen Index
ablesbar ist. Wenn der Index der Schieber auf Null eingestellt ist, so stehen die Laternenbretter genau
parallel und rechtwinklig zur Schiene. An den Enden der Laternenbretter sind zwei Querbretter angebracht,
welche vor die Laternen geschoben werden können, so dass das Licht nach vorn zu unter jedem beHebigen
Winkel abgeblendet werden kann. Die grosse Eisenschiene (in gewissem Sinne eine Alhidade) trägt an beiden
Enden kleine Rollen (B), welche auf einem festen Untergestell (Z7) laufen; an dem einen Ende ist ein Grad
bogen angebracht, woran der Drehungswinkel des Apparates gegen die Richtung der Beobachter an Bord
eines Dampfers abgelesen werden kann. In der Mitte der Alhidade ist ein Fernrohr zur Orientirung und
Einstellung des Apparates auf eine bestimmte Richtung befestigt.
Nach eingeholter Erlaubniss der Baudeputation des Hamburger Staates wurde der Apparat vor der
Südwestseite des Gebäudes der Seewarte und ausserhalb der Einfriedigung des Gebäudes derselben auf der