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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1895 No. 1 —
treten der Kälteinsel im Beginn der Papagojotrift auf das Aufquellen von Tiefenwasser zurückzuführen ist,
geht daraus hervor, dass die Luft hier wärmer ist als das Wasser; der Papagojo ist als Fallwind ein warmer
Wind.
Das Vorhandensein dieser bisher nicht bekannten Papagojotrift, die zu dieser Zeit der Anfang des
nördlichen Aequatorialstromes ist, schliesst schon aus, dass, wie es bisher meist angenommen wurde, 1 ) die
südöstliche Küstenströmung über 10° N. Br. hinaus nach Süden in den Golf von Panama eindringt. Dagegen
ist im Endverlauf des Gegenstroms seit Ende Januar eine grosse Veränderung aufgetreten. Die südwest
lichen Winde vor und im Golf von Panama haben ihren Monsuncharakter verloren und hindern somit nicht
mehr, dass der Gegenstrom im Golf von Panama nach Süden umbiegt; sein Wasser fliesst dann als Nord
rand der südlichen Aequatorialströmung nach Westen und kurvt nach und nach wieder in den Gegenstrom
ein; früher war liier ein Temperaturunterschied von mehreren Graden zwischen dem Nordrand des Aequa
torialstromes und dem Gegenstrom, jetzt haben beide die gleiche, hohe Temperatur. Bei diesem Umbiegen
nach Süden im Golf von Panama, das nur erfolgt, solange die SW-Winde nicht stark und regelmässig genug
sind, es zu verhindern (das auch schon im neuen Berghaus’schen physikalischen Atlas ganz richtig dargestellt
ist), treten die schon länger bekannten, 2 ) aber unerklärt gebliebenen kalten Temperaturen an der Küste
auf, die wahrscheinlich darauf zurückzuführen sind, dass die Strömung beim Abbiegen von der Küste kaltes
Wasser heraufzieht; ein endgültiges Urtheil hierüber kann noch nicht gefällt werden, da das vorliegende
Material nicht gross genug ist, besonders aus demselben nicht ersehen werden, kann, ob diese Erscheinung
mit grosser Regelmässigkeit auftritt. — Es wäre sehr wünschenswei'th, wenn spätere Beobachter ihr Augen
merk auf diese Erscheinung besonders richteten, ebenso wie auf die eigenthümlichen Temperatur- und
Stromverhältnisse vor dem Golf von Tehuantepec im Dezember und Januar und auf den Gegenstrom mitten
im südlichen Aequatorialstrom westlich der Galapagos im März und April, denn auch dies sind Erscheinun
gen, deren häufiges Auftreten nicht bezweifelt, über deren Regelmä,ssigkeit aber nach dem vorhandenen
Material, das sich auf nicht genügend viele Jahre bezieht, noch nichts Endgültiges ausgesagt werden kann.
>) Ausser Bergbaus siehe auch Findlay, North Pacific Ocean, pag. 1217 und die Stromkarten.
2 ) Siehe Hoffmann, a. a. 0., pag. 6, auch die amerikanischen Meteorological Charts (siehe oben pag. 3).