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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1895 No. 1 ■
Material für festgestellt halten darf, auch noch nördlich von Neu-Guinea. Hierfür sprechen, ausser den Be
obachtungen des „Challenger“ 1 ) besonders die der „L’Uranie“, Kapt. Freycinet, 2 ) die unsere Zone auf der
selben Route und in denselben Monaten kreuzte wie der „Challenger“. Freycinet fand hier auf seiner Fahrt
nach und von den Admiralitätsinseln im Februar 1819 zwischen 2°S.Br. und l°N.Br. hei NE-Passat über
zwei Wochen hindurch Westversetzungen von 20—46 Sm täglich. Aber südlich von 2°S.Br. herrschen
wieder die Ostströmungen vor, doch scheinen sie, wenn man aus dem wenigen vorliegenden Material be
stimmte Schlüsse ziehen darf, bei weitem nicht so stark zu sein, wie im vorigen Monat.
Der Gegenstrom, den wir im vorigen Monat mit ziemlicher Sicherheit noch von einem Ende der Zone
zum andern durchzeichnen konnten, scheint im Februar zuweilen stellenweise unterdrückt zu werden. Schon
an seinem Anfang, wo er im Januar noch häufig eine Geschwindigkeit von 50 Sm erreichte, werden jetzt, trotz
dem er noch vom Monsun unterstützt wird, Versetzungen von 30 Sm nur selten gefunden. Ihn weiter nach
Osten zu verfolgen mangelt es an Material; doch sollen die Carolinen, trotz des Passates vom Oststrom durch
flossen sein, und wenn man das für März wieder reichlicher vorhandene Material als auch für den Februar,
der doch im allgemeinen noch nicht so extrem ist wie der März, maassgebend ansehen will, so wird der
Oststrom bis 160° 0. Lg. ebenso häufig wie westlicher Strom gefunden. Oestlich von 160° 0. Lg. ist wieder
etwas Material für Februar vorhanden, aus dem hervorgeht, dass zwischen 5° und 7° N. Br. trotz des Passats
häufig Oststrom, häufig auch kein Strom gefunden wird, dass aber hei starkem Passat der Gegenstrom
zurückgestaut wird und schwache westliche Versetzungen hervorgerufen werden können, die aber hei weitem
nicht die Stärke der zu beiden Seiten fliessenden Aequatorialströme erreichen. Oestlich von 160° W. Lg setzt
sich, wie im Januar, der Gegenstrom ohne Zweifel noch meistens durch; bei schwachen Winden und Wind
stillen, wie sie auf dem Grenzgebiet zwischen beiden Passaten gefunden werden, ist mit Bestimmtheit auf
Oststrom zu rechnen, während andererseits bei Ostwind noch keineswegs auf Weststrom zu rechnen ist.
Sicher herrscht Oststrom ostwärts von 130°W.Lg., wo das Grenzgebiet zwischen den beiden Passaten
breiter ist und zwar zwischen 4° und 7°N.Br., je weiter nach Osten um so südlicher und mit um so grösserer
Regelmässigkeit und Stärke; Versetzungen von 40 Sm und darüber sind nicht selten.
Die Verhältnisse ganz im Osten haben eine grosse, merkwürdige Umwälzung erfahren: Im Golf von
Panama und westwärts bis 100°W.Lg. und darüber hinaus ist, durch Stromversetzungen und Isothermen
deutlich ausgeprägt, ein eigenthümlicher Kreislauf vorhanden. Wie früher geht hier das Wasser des
Gegenstroms zwischen 5° und 7°N.Br. nach 0 und ONO auf die Küste zu. Vor derselben am Kap Blanco
(10°N.Br.) theilt sich die Wassermasse; ein Theil geht nach NW wie im Januar, der andere aber dringt
unter der Küste weiter in den Golf von Panama und geht im Hintergründe vor der Küste nach Süden herum
und südlich von 5°N.Br. nach SW und W hinaus (oft gegen den, jetzt freilich nur schwachen und unbe
ständigen, keinen Monsuncharakter mehr tragenden SW-Wind), fliesst als breiter Nordrand des südlicher
Aequatorialstroms zwischen 5°N.Br. und dem Aequator nach Westen und schliesst sich grösstentheils nach
NW und N umbiegend, nach und nach dem Gegenstrom wieder an.
Dieser Kreislauf prägt sich auch aus im Verlauf der Isothermen (von 27° und 28°), die Ellipsen bilden,
Während in den vorigen Monaten zwischen dem nördlich vom Aequator nach Westen fliessenden Wasser
und dem des nördlich davon fliessenden Gegenstroms eine grosse Temperaturdifferenz bestand, haben
jetzt beide Strömungen gleiche und zwar hohe Temperatur, so hoch wie sie vorher in dieser Gegend nicht
gefunden wurde. Nur im Hintergründe des Busens von Panama, wo das Wasser nach Süden und SW um-
und vom Lande abhiegend herausfliesst, wird, zumal wenn der Wind es begünstigt, kaltes Wasser aus
der Tiefe aufgesogen. Hierauf wird hei der Besprechung des März, wo diese Erscheinung noch auf
fälliger auftritt, zurückzukommen sein.
Das hei Kap Blanco nach Norden abbiegende Wasser des Gegenstroms wird wie im vorigen Monat
vom Papagojo erfasst und als Papagojotrift nach Westen geführt, wobei wie vorher kaltes Wasser herauf
gerissen wird. Wie an allen Küsten mit Auftriebwasser ist die Temperatur des Wassers recht schwankend
nach der jeweiligen Stärke des Windes und der dadurch hervorgerufenen Strömung; eine genaue Fest
legung der Isothermen wird dadurch sehr erschwert, aber das Bild, wie es unsre Karte zeigt, wird im ganzen
richtig sein. Die SW-Strömung an der Küste von Mexico fliesst, wie schon oben gesagt, im Februar über
*) Siehe oben pag. 4.
2 ) Siehe oben pag. 1.