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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1895 No. 1 —
!) Vergi. Annalen der Hydrographie etc. 1SS6, pag. 477.
SW-Monsun unterstützt. Die Carolinen sind von einem stetigen, wenn auch nicht starken Oststrom durch
flossen 1 ) und noch weiter nach Osten, bis zu den Marshallinseln, ist die Geschwindigkeit vielleicht noch
mehr verringert; hier ist für diesen Monat das Material so dürftig, dass genaueres nicht festzustellen ist.
In der Enge zwischen den Marshall- und Gilbertinseln und weiter östlich ist der Gegenstrom wieder in
grosser Stärke und regelmässig zu empfinden; hier sind Versetzungen von 50 Sm wiederholt beobachtet worden.
So fliesst er, ebenso wie der südliche Aequatorialström unter etwa 150° W. Lg. seine grösste Stärke erreichend,
weiter nach Osten (wenn der Wind es erlaubt, meist recht nach Osten, sonst mit einer Nord- oder Südkompo
nente) bis hinein in den Golf von Panama; doch nimmt seine Geschwindigkeit je weiter nach Osten um so
mehr ab — östlich von 110°W. Lg. wurden selten Versetzungen von über 30 Sm, östlich von 90° selten über
20 Sm notirt; — dagegen nimmt seine Breite zu. An der Nordgrenze des südlichen Aequatorialstroms
kurvt das Wasser nach Osten ab, so dass von etwa 110°W.Lg. an der Gegenstrom sich bis 4°N.Br., von
90°W.Lg. an bis 3°N.Br. nach Süden erstreckt; der Monsun drängt hier langsam das Wasser der südlichen
Hälfte des Gegenstromes in den Busen von Panama, aus dem zu dieser Jahreszeit kein Wasser
nach Süden hinausfliessen kann (wenigstens nicht an der Oberfläche), um sich dem südlichen Aequa-
torialstrom anzuschliessen, wie man es oft auf den bisherigen Karten angegeben findet. Das Wasser, das
nicht durch die hier sehr starke Verdunstung aufgebraucht wird, kann nur längs der Küste von Mittel
amerika nach NW hin abfliessen, gewissermaassen als grosser Neerstrom, der z. T. bedeutendere Geschwin
digkeit erreicht als der Gegenstrom selbst- Es vereinigt sich so unter 10°N.Br. mit der Hauptmasse des
Wassers des Gegenstroms, das zwischen 85° und 90°W.Lg. nach Norden abkurvt. An der Küste von Costa
Rica strömt es, beschränkt auf ein nur etwa 180 Sm breites Bett, oft mit grosser Stärke nach Norden (auch
hier sind 60 Sm Stromversetzung erfahren worden), breitet sich aber bald wieder aus und fliesst langsam,
der Küste folgend, nach WNW ab, sich, soweit es nicht wieder nach Süden zum Gegenstrom abkurvt, dem
nördlichen Aequatorialström anschliessend oder vielmehr dessen Quelle bildend. Dieses langsam zwischen
der Küste und dem Gegenstrom abfliessende Wasser kommt nicht immer als Strömung deutlich zum Aus
druck, da es gegen den meistens hier auftretenden SW-Wind fliessen muss, der es zuweilen aufhält, selbst
zurückdrängt, aber immer nur geringe Versetzungen nach Osten bewirken kann. Ist aber der Wind
schwach oder nicht direkt entgegen, so fliesst das Wasser mit grösserer Geschwindigkeit ab, die sich
natürlich noch steigert, wenn der Wind begünstigend (aus Nord bis Ost) weht; bei solcher Gelegenheit sind
Versetzungen bis 40 Sm nach Westen beobachtet worden, ein Betrag, wie er zu dieser Zeit nicht einmal
im nördlichen Aequatorialstrom notirt ist. Diese Abflussströmung, wie sie genannt werden kann, da
sie das Wasser, das der Gegenstrom nach Osten an die Küste heranbringt, abführt, kann, obgleich sie die
Verlängei’ung nach rückwärts der nördlichen Aequatorialströmung ist, nicht mit zum nördlichen Aequatorial
strom gerechnet werden, weil sie nicht wie dieser eine Trift, ein vom Wind hervorgerufener Strom, son
dern vielmehr eine meist gegen den Wind gerichtete Ausgleichströmung ist. Hieraus erklärt
sich auch ihre geringe Regelmässigkeit und Deutlichkeit, weshalb sie bisher nicht erkannt und auf den
Karten eingezeichnet worden ist.
Mit den eben beschriebenen Stromverhältnissen stimmen die Oberflächen-Isothermen sehr gut zusam
men, wenn man auch nicht, wie natürlich, aus ihrem Verlauf allein die Strömungen so gut ablesen kann,
wie bei meridional gerichteten Strömungen. Es wird hier nur nöthig sein, das besonders Charakteristische
in ihrem Verlauf hervorzuheben, da ein Blick auf die anliegende Karte über alles einzelne weit besser Aus
kunft giebt, als es eine umständliche Beschreibung zu thun vermag.
Der südliche Aequatorialstrom schleppt die südlich von 10°S.Br. fast ost-westlich verlaufenden Iso
thermen, die an der Küste von Südamerika in Folge des Auftriebwassers weit nach Norden ausgebuchtet
sind, weit nach Westen, indem er sie gewissermaassen ineinander stülpt. So bilden die einzelnen
Isothermen, von der 20°- oder 21°-Isotherme an, gerade unter dem Aequator lange
Kaltwasserzungen, die bis über die ganze Breite des Ozeans zu verfolgen sind. An der Küste von
Südamerika geht eine ganze Reihe von Isothermen vom Kap Blanco (4°S.Br.) aus, das eine deutlich
ausgeprägte Temperatur sch ei de ist: südlich davon das vom ablandigen Passat hervorgerufene Auf
triebwasser bis unter 16°, nördlich, in der Bucht von Guayaqnil Temperaturen von über 25°!