Cäsar Puls: Oberflächentemperaturen und Strömungsverhältnisse etc.
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Fiinfgradfeldern, vor allem aber auf den Arbeiten von Kapt. Dinklage über die Lage der Passatgrenzen in
den verschiedenen Monaten, veröffentlicht in dem Aufsatze „Von Australien nach der Westküste von Nord
amerika und zurück“ l ) (in dem auch auf die Stromverbältnisse eingegangen wird und dieselben kurz und treffend
geschildert werden), ferner auf den in Vorbereitung befindlichen Karten für den von der Seewarte in kurzem
herauszugebenden Atlas des Stillen Ozeans, deren Einsicht glitigst gestattet wurde, und endlich auf den
eigenen gleichzeitig mit den Temperatur- und Stromangaben ausgezogenen und kartographisch festgelegten
Journalangaben über die angetroffenen Windverhältnisse. Dass diese letzteren, aus demselben Material, das
auch die Grundlage der beiden vorhergenannten Arbeiten bildet, ausgezogenen Windbeobachtungen nicht
in demselben Grade wie die ausgezogenen Temperatur- und Stromangaben, also fast ahein für die hier ver
suchte Darstellung maassgebend geworden sind, hegt daran, dass die Windangaben mir als Mittel zum Zweck,
nur der besseren Würdigung der Stromversetzungen wegen, ausgezogen wurden. So ist ihnen auch nicht
dieselbe Aufmerksamkeit, wie den andern Angaben gewidmet worden, was wohl mehr als den doppelten
Aufwand an Zeit und Mühe verursacht hätte.
Nach dieser Besprechung der Strom- und Temperaturverhältnisse an der Hand der Karten werden
ferner noch als Belege dazu Journalauszüge gegeben werden, die zeigen, wie die Verhältnisse zu einer be
stimmten Zeit und auf einer bestimmten Linie angetroffen wurden. Es wurden, um das bereits gedruckt
vorliegende und vielfach von einem Werk in das andere übergegangene Material zu vermehren, nicht solche
Journalauszüge wiederholt, die schon an anderer, leicht zugänglicher Stehe veröffentlicht sind; auf solche
wird dagegen zum Vergleich hingewiesen werden. Leider musste aus äusseren Gründen che Anführung von
Journalauszügen auf das alleräusserste beschränkt werden, und so können denn nur für besonders
auffallende und interessante Erscheinungen, vor allem aber für diejenigen, lokal ziemlich beschränkten
Verhältnisse, die bisher noch gänzlich unbekannt oder wenigstens unveröffentlicht geblieben
sind, aus der grossen Fülle von Material nur einige wenige, besonders typische Beispiele ausgewählt werden.
Sie können aber eben nur als Beispiele dienen, zeigen, wie in einem konkreten Fähe die Verhältnisse lagen;
nicht genügen können sie als Beweise für die Richtigkeit der vorliegenden Darstellung. Wer die nach
prüfen will, muss eben die Fülle des Urmaterials selbst durcharbeiten. — Selbstverständlich ist, dass bei
der Auswahl für die Veröffentlichung nur solche Journale in Betracht gezogen wurden, deren Angaben
grosses Vertrauen verchenen.
Die Einzeldarstellung
möge beginnen mit dem Monat, der, was che Strömungsverhältnisse betrifft, das eine Extrem bezeichnet,
mit dem
September.
Gewöhnlich findet man, dass zur Darstellung der nach Jahreszeiten verschiedenen Verhältnisse über
dem Ozean die Monate August und Februar gewählt werden. Das wird für che thermischen und die davon
unmittelbar abhängenden Luftdruck- und Windverhältnisse auch im ganzen das geeignetste sein. Die Strom
verhältnisse aber erreichen, wenigstens in unserm Gebiet, ihre extremste Ausbildung erst, wenn der Wind
sein Extrem bereits erreicht und überschritten hat, weil seine Einwirkung auf das Wasser dann am längsten
gedauert hat. Dies tritt in unserm Gebiet weit deuthcher noch als im September im März hervor, wie
später gezeigt werden wird, und darum sind diese beiden Monate, abweichend vom bisherigen Brauch, als
die die extremen Verhältnisse am besten charakterisirenden gewählt worden.
Zunächst möge etwas näher auf die Windverhältnisse unserer Zone während des September eingegan
gen werden. Die südliche Hälfte unseres Gebietes wird von dem Südostpassat beherrscht. Die Nord
grenze desselben verläuft etwa von dem Punkte an, wo der 5?S.Br. die Küste von Südamerika schneidet,
in einem nach SW offenen Bogen bis zum Schnittpunkte von 90°W.Lg. mit 2°N.Br.; von hier aus steigt
sie noch weiter nach Norden an, liegt unter 105—110° W.Lg. etwa unter 6°N.Br. weiter im Westen noch
etwas nördlicher, unter 180° etwa in 7°N.Br. Von hier aus westlich zieht sie sich wieder mehr nach Süden
zurück, wird aber in dem an Inseln, die trotz ihrer Kleinheit doch die Regelmässigkeit der Windverhält
nisse stark beeinträchtigen, reichen Ozean undeutlich, und senkt sich nördlich von Neu-Guinea bis fast
*) Annalen der Hydrographie etc. 1891, pag. 1 u. f.; auf pag. 8 eine Tabelle über die mittlere Lage der Passatgrenzen.
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Archiv 1895- 1.