W. J. van Bebber und W. Koppen: Die Isobarentypen des Nor(latlantischen Ozeans etc.
9
In den folgenden Bemerkungen ist eine kurze Charakteristik der Lage und Bewegungen der temporären
barometrischen Maxima und Minima, ihrer Häufigkeit und ihrer Zugstrassen nach den einzelnen Isobaren
typen gegeben. Zur Abrundung ist dabei auch auf die Vertheilung der Typen auf die Jahreszeiten Rück
sicht genommen, die im folgenden Abschnitt spezieller dargelegt wird.
Die Klasse O hat mit allen ihren Einzeltypen einen ausgesprochen sommerlichen Charakter, deren
grösste Häufigkeit in den Juli fällt. Auch der Dauer nach ist diese Klasse im Sommer am beständigsten.
Die Einzeltypen dieser Klasse weisen viele Aehnlichkeiten unter einander auf. Am häufigsten und auch am
tiefsten sind die Minima zwischen den britischen Inseln und Grönland, sowie über dem Ozean westlich von
Norwegen; bei den Typen Ol und On ist auch die Davisstrasse und ihre Umgehung stark besucht. Europa
zeigt bei allen Einzeltypen eine grosse Häufigkeit der Minima. Auffallend gross ist die Häufigkeit schwacher
Minima in den östlichen Theilen des Mittelmeeres, in der Gegend von Cypern, indem diese der Häufigkeit
der, freilich viel tieferen, Minima in Nordwesteuropa die Waage hält.
Die Häufigkeit der Hauptminima nimmt nach Süden hin ziemlich rasch ab, dagegen die der Theil-
minima zu, sodass schon südlich vom 50. Breitengrad die Zahl der Hauptminima von denen der Theilminima
erheblich übertroffen wird. Bemerkenswerth ist die geringe Anzahl der Hauptminima und die grosse Zahl
der Theilminima in Zentraleuropa, eine Thatsache, welche die Witterungs-Erscheinungen in diesen Gegenden
so verwickelt macht.
Die Zugstrassen der Minima zeigen für alle Einzeltypen ausser On etwas Gemeinsames: in der
Breite der Britischen Inseln durchqueren die Minima den Ozean in östlicher Richtung, aber bei Annäherung
an den europäischen Kontinent oder nach Betreten desselben, biegen sie nach Nordost oder Nord ab; die
rein östliche Fortbewegung ist über Europa ziemlich selten. Am häufigsten wird das Nordsee- und Ostsee
gebiet von den Minima durchwandert. Beim Typus On hingegen wird das bei diesem Typus nördlicher
liegende Hochdruckgebiet von den Minima umkreist, die über dem Ostrande Amerikas nach N, über West
europa nach S zu wandern Neigung zeigen.
Die barometrischen Maxima durchwandern sowohl auf dem Ozean, als auch auf den Kontinenten die
mittleren Breiten meist in östlicher, zuweilen in südöstlicher, selten in nordöstlicher Richtung. Am häufigsten
sind die Maxima wandernd auf den Kontinenten, am wenigsten häufig auf dem Ozean, wo sie meistens in
stationäre übergehen. Bemerkenswerth sind die unregelmässigen Bahnen der Maxima beim Typus On auf
dem Ozean.
Von besonderer Bedeutung für den vorwaltenden Witterungscharakter unserer Gegend ist die Lage und
Häufigkeit der stationären Maxima. Im allgemeinen sind dieselben am häufigsten mitten auf dem Nord
atlantischen Ozean. Bei den Typen Os und Ok liegen sie am häufigsten zwischen den Azoren und dem
Wendekreise, bei Ol etwas nördlicher, während bei On die Lage eine mehr zerstreute ist. Stationäre
Maxima kamen in dem in Betracht fallenden Zeitraum in Europa bei On und Ok nicht vor, vereinzelt hei
Ol, wogegen sie hei Os verhältnissmässig häufig waren, aber ohne bestimmte Gebiettheile besonders zu be
vorzugen.
Umgekehrt gehört die Typenklasse JK der kälteren Jahreszeit an; nur die Typen Ko n und Kn weisen
einige Fälle, Kl einen einzigen Fall im Sommer auf, wogegen Kp und Ko s in dieser Jahreszeit nicht ver
treten sind. Die grösste Häufigkeit der Minima hegt im allgemeinen zwischen Grönland und Norwegen,
namentlich in der Umgebung von Island, andererseits sind die Minima in der Davisstrasse und im Mittel
meere sehr stark vertreten. In der Davisstrasse kommen die Minima am häufigsten vor beim Typus Ko n
und Kn, während sie auf dem Mittelmeere in der Umgebung von Italien bei den Typen Ko n , Kp und Kn
am häufigsten sind, auf letzterem Gebiete meist nur als Theildepressionen.
Bei der Klasse K kamen in Nordeuropa ungewöhnlich tiefe Minima vor, und zwar:
Bei Ko n : am 1. April 1885 « 710 mm) zwischen Island und Spitzbergen, am 7. Februar 1886 (< 720 mm)
Nordost-Island und am 17. Januar 1887 (< 720 mm) Süd-Island.
Bei Ko s : am 26. September 1884 nördlich von Island, am 3. November südlich von Island, am
4. Januar 1885 zwischen Island und Siid-Grönland, am 21. Januar 1884 südlich von Island, am 22. Januar 1884
nordöstlich von Island, am 2. Februar 1887 südlich von Island, am 22. Februar 1887 südlich von Island
(sämmtlich unter 720 mm).
Bei Kp: am 15. Dezember 1884 zwischen Island und Norwegen, am 20. Februar 1884 westlich von
Island, am 7. Dezember 1884 östlich von Island (sämmtlich < 720 mm).
Archiv 1895. 4.
2