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Full text: 18, 1895

W. J. van Bebber und W. Koppen: Die Isobarentypen des Nordatlantisclien Ozeans etc. 
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Die von uns benutzten synoptischen Karten reichen nur wenig über den Ural hinaus. Gern würden 
wir unsere Isobarentypen auch mit den Vorgängen im grossen asiatischen „Aktionszentrum“, dem Gebiet 
der winterlichen Anticyklone und der sommerlichen Cyklone, verknüpft haben; das vorliegende Material an 
Karten erwies sich aber für eine solche -Untersuchung als noch viel zu spärlich. 
Die leitenden Gesichtspunkte für die Aufstellung unserer fünf Typenklassen sind die folgenden. Starke 
Entwickelung der Eigentümlichkeiten der Sommer-Isobaren — nämlich des Maximums bei den Azoren und 
niedrigen Druckes in Osteuropa — giebt die Klasse О, solche der winterlichen Charakterzüge — nämlich 
des hohen Drucks auf dem Festlande — die Klasse K, solche der Züge, durch welche April und Mai sich 
vor den übrigen Monaten auszeichnen — nämlich relativ hohen Drucks im Polargebiet -— giebt die Klasse N. 
Tritt das Zurückweichen des kontinentalen und des Azoren - Maximums, das wir bei dieser letzten Klasse 
gewöhnlich finden, ohne die kennzeichnende Entwickelung des hohen Drucks im Norden auf, so haben wir 
die Klasse P. Umgekehrt, wenn gerade in jenem Litoralgebiet der alten Welt, welches wir als „engeren 
Kreis“ in den Mittelpunkt unserer Untersuchung gestellt haben, der Luftdruck höher als in der Umgebung 
ist, so liegt Klasse L vor, — eine Druckvertheilung, welche in den allgemeinen mittleren Isobaren gar keinen 
Ausdruck findet und doch keineswegs so selten ist, wie man annehmen möchte. 
In der Wahl der Definitionen für die Einzeltypen haben wir uns bei den selteneren Wetterlagen nur 
auf die grossen Züge beschränkt, während wir bei den häufigeren, mehr normalen Wetterlagen, namentlich 
bei der Sommerklasse 0, etwas mehr ins Einzelne gehen konnten. Sodann ist in den Fällen, wo die Wetter 
karte die Züge mehrerer Typen gleichzeitig aufwies, das charakteristischste Moment berücksichtigt und der 
Zuschlag demjenigen Typus ertheilt worden, welcher am meisten Abweichung von der normalen (mittleren 
jährlichen) Luftdruck-Vertheilung zeigt; so sind insbesondere alle Fälle, in denen ein Luftdruck über 766 mm 
wohlausgeprägt im Norden sich vorfand, zur A r -Klasse geschlagen, auch wenn daneben die Druckvertheilung 
über Europa sehr deutlich die Züge eines der anderen Typen aufwies. 
Durch dieses Verfahren wurde erreicht, dass die unterschiedenen Typen alle in den Jahressummen 
ungefähr gleich häufig sind, auf die Jahreszeiten aber sich in charakteristischer Weise ungleich vertheilen. 
Dies schien praktisch vortheilhafter, als Typen aufzustellen, von denen einige nur ganz selten auftreten, 
andere dagegen das Gros der Tage umfassen. 
Bei der Bearbeitung der Vierteljahrs-Wetter-Rundschau ist die Zusammenfassung der Tage in Zeit 
abschnitte vielfach durch äussere, gar nicht abzuweisende Rücksichten auf die kartographische Darstellung 
dieser Zeitabschnitte beeinflusst. Auf den Karten der Rundschau finden neben der mittleren Lage der 
Isobare 765 auch die Bewegung der barometrischen Maxima und Minima Darstellung; sie dürfen daher nicht 
zu kleinen Massstab haben und andererseits nicht zu wenige Tage umfassen, um das historische Moment 
nicht zu sehr zu schwächen und die Kosten nicht zu sehr zu steigern; auch ist es wünsclienswerth für die 
Benutzung, dass jede Karte ungefähr gleich viel Tage enthalte, wenigstens nicht unter und über gewissen 
Grenzen, als welche im allgemeinen 6 und 14 Tage eingehalten wurden. Die Darstellung mehrerer Zeit 
abschnitte mit getrennten Mittel-Isobaren auf derselben Karte beeinträchtigt die Uebersichtlichkeit so sehr, 
dass davon mit der Zeit thunlichst Abstand genommen werden musste. 
Alle diese Rücksichten fielen bei der späteren direkten Einreihung von Wetterkarten in die einmal 
gewählten 20 Typen fort, die daher viel ungezwungener erfolgen konnte. Wir haben diese Einreihung durch 
geführt für alle Monate, für welche genügende synoptische Tageskarten von dem Nordatlantischen Ozean 
und den angrenzenden Festländern Vorlagen, und geben im letzten Abschnitt dieser Abhandlung zunächst 
die Liste der in den benutzten 146 Monaten vorgekommenen Isobarentypen und sodann einige an diesem um 
fangreichen Material gewonnene statistische Ergebnisse über deren Vertlieilung in der jährlichen Periode und 
über deren Aufeinanderfolge. Zunächst aber wenden wir uns, im Abschnitt II, der eingehenderen Bearbeitung 
der Karten der Vierteljahrs-Wetter-Rundschau zu und suchen aus diesen die Lage und Bewegung der baro 
metrischen Minima und Maxima bei den einzelnen Wettertypen und ihren Einfluss auf das Wetter in Deutsch 
land abzuleiten.
	        
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