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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1893 Ko. 3 —
welche naturgemäss eine Ausdehnung auf die Niederschlagsmenge und -dichtigkeit erfahren musste und bei
dieser Erweiterung zu verschiedenen bemerkenswerthen Resultaten geführt haben dürfte.
Zu Grunde gelegt wurden die in den Meteorologischen Jahrbüchern der Seewarte 1876/1890 abge
druckten Beobachtungen der Normal-Beobachtungs-Stationen der Seewarte, sowie die im Manuskript vor
handenen Beobachtungen von Memel aus den Jahren 1877 und 1878. Da für Wustrow erst seit Juli 1878
Beobachtungen vorliegen, so wurden für 1877 und das erste Halbjahr von 1878 die Beobachtungen von
Warnemünde an Stelle der fehlenden benutzt; diejenigen von 1876 konnten für die Niederschlagshäufigkeit
keine Verwendung finden, da in diesem ersten Jahre in Warnemünde die Bedienung des Regenmessers nach
Ausweis der gemessenen Niederschläge nicht normal war, insofern kleinere Mengen nicht zur Notirung gelangten.
Eine eigenthümliche Schwierigkeit bietet der Bearbeitung des Gegenstandes die verschiedene Länge
der Monate, indem solche mit 31 Tagen einen um nahe 11% längeren Zeitraum als der Februar von 28 Tagen
umfassen und sonach die Vergleichung der absoluten Häufigkeitszahlen, wie sie einfache 15jährige Monats
mittel darstellen, noch kein Urtheil zulässt, ob ein Monat niederschlagsreicher oder ärmer als der benach
barte ist. Dies Bedürfniss der Reduktion der Monatszahlen auf gleich viel Tage wird besonders deutlich,
sobald es sich um den Vergleich mit anderen meteorologischen Monatswerthen handelt, welche von der
Länge des Monats unabhängig sind, wie beispielsweise dem Monatsmittel der registrirten Windgeschwindigkeit.
Es wurde hier nicht die Umrechnung der absoluten Mittelwerthe in Prozente, sondern eine Umrechnung
auf 30 Monatstage gewählt, da diese reduzirten Zahlen (Monate zu 28, 29 und 31 Tagen) den absoluten
Zahlen nahe kommen und insofern ein mehr anschauliches Bild von den wahren Verhältnissen liefern. Wenn
auch ersichtlich diese Umrechnung eine Berücksichtigung des jährlichen Ganges erfordert, so wurde doch
hiervon der Einfachheit wegen, wie auch behufs Vermeidung von mehr oder weniger Willkür abgesehen.
Der Uebelstand, dass die Summe der reduzirten Monatszahlen nicht genau gleich der absoluten Jahreszahl,
der wahren für das mittlere Jahr geltenden Häufigkeitszahl, ist, lässt sich dabei nicht vermeiden, würde
auch bei einer Umrechnung auf 30'/2 Tage pro Monat bestehen bleiben; es beziehen sich die Angaben für
das Jahr durchweg auf unkorrigirte Wertke.
Der Kürze des Ausdrucks halber sind im Folgenden die Zahl der Tage mit i>0.0, >0.2 u. s. w. mm
Niederschlag mit Z Q Q , Z Q g u. s. w. bezeichnet, und ferner beispielsweise Z 10 —Z &0 == w i e wir
ebenso kurz die Zahl der Tage mit Niederschlag von 1.0 bis 4.9 mm bezeichnen wollen.
Schreiten wir von den Z Q Q über Z Q 2 allmählich zu Z 1Q Q fort, so gelangen wir von einer Zusammen
fassung der Tage mit den kleinsten, mittleren und grössten Niederschlägen allmählich, durch Fortlassung
zunächst der kleinsten, dann der mittleren, zu einer Isolirung der grössten Niederschläge fort und erhalten
für diese ein reines Bild von deren geographischer und zeitlicher Vertheilung, während für die übrigen Z
die Eigenheiten der stärkeren und geringeren Niederschläge immer mehr, nach Z Q fortschreitend, zu einem
nicht zu entwirrenden Gesammtbild verschmelzen, dessen Verständniss die Kenntniss der Eigenheiten von
Niederschlägen der verschiedenen Grössenordnung zur Voraussetzung hat. Wenn wir aus diesem Grunde
in Tab. I die Häufigkeitszahlen von beiderseitig begrenzten Niederschlägen voranstellen, so machen wir zu
gleich die Annahme, dass diesen Niederschlägen verschiedener Grössenstufen auch mehr oder weniger eine
physikalische Bedeutung zuzusprechen ist. Dies rechtfertigt die Erfahrung, dass auf nicht allzu ausgedehnten
Gebieten gleichzeitig Niederschläge sehr verschiedener Grössenordnung nur in selteneren Fällen auftreten,
vielmehr in der grossen Mehrheit der Fälle Niederschläge gleicher Grössenordnung entschieden vorzu
herrschen pflegen.
Tab. I enthält neben den reduzirten Monatsmitteln noch die jährliche Häufigkeit und zwar, wie die
späteren Tabellen, berechnet für 100 Jahrestage überhaupt, wie für 100 Tage mit Niederschlag (>0.0).
Erklärlicher Weise müssen diese letzteren Jahresprozente im Vergleich mit anderen Stationen für die
kleinen Niederschläge relativ klein, für die grösseren aber relativ gross ausfallen für solche Stationen, wo
in Folge' mangelhafter Bedienung des Regenmessers kleinere Niederschläge Einbusse an Zahl erlitten. Als
solche Stationen kennzeichnen sich in Tab. I Keitum und Wustrow ganz deutlich, indem offenbar die
Z (~) und für beide Stationen in den Monats- wie Jahreswerthen zu klein ausgefallen sind, und
sogar die Werthe Z{^) erscheinen noch etwas zu klein im Vergleich mit den übrigen Stationen. Durch
Zusammenfassung findet man, dass für Keitum und Wustrow von den Niederschlägen zwischen 0.0 und
0.9 mm etwa die Hälfte nicht zur Notirung gelangt zu sein scheinen.