C. Kassner: Ueber kreisähnliche Cyklonen.
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Hieraus ergiebt sich, dass die grössten mittleren Gradienten allgemein bei nördlichen Winden auftreten,
dass sich dagegen für die kleinsten Gradienten bei den verschiedenen Cyklonenarten keine solche Ueberein-
stimmung findet, denn dieses Minimum liegt für die Land-Cyklonen bei südöstlichen, für die Küsten-Cyklonen
bei südwestlichen und für die Meer-Cyklonen bei westlichen Winden.
Eigenthümlich ist die im gleichen Drehungssinn erfolgende Verschiebung der beiden Extremwerthe, die
sich in der Tabelle deutlich zeigt, wenn man von den Land-Cyklonen zu denen auf dem Meere übergeht.
Die Extremwerthe lehren ferner, dass die grössten mittleren Gradienten nicht, wie man erwarten könnte,
auf der Vorderseite, sondern meist auf der Rückseite der Cyklonen zu suchen sind. Stellt man hiermit die
Häufigkeit der Windrichtungen in den einzelnen Quadranten in Vergleich (Tab. S. 10), so gilt — allerdings
nicht für Land-Cyklonen — der Satz, dass im allgemeinen der Gradient von Süd nach Nord zunimmt.
Endlich zeigen die vorstehenden Zahlen deutlich, dass der Gradient über dem Meere grösser ist als über
dem Lande (wie schon S. 9 ebenfalls bewiesen war).
22. Der Windstärke liegt die Beaufort-Skala zu Grunde, jedoch nur in den geradzahligen Stufen
(Landskala), auf welche die dazwischen liegenden reduzirt sind. Hierdurch wurde nicht nur an Ueber-
sichtlichkeit gewonnen, sondern zugleich der Wahrnehmung Rechnung getragen, dass die ungeraden Stufen
viel weniger häufig vorkamen als die geraden und zwar im Verhältniss:
1: 33 (!) für die Land-Cyklonen
1:5 » » Küsten-Cyklonen
1:3 » » Meer-Cyklonen
sodass man leicht zu falschen Schlüssen hätte kommen können. Der Grund für diese Verschiedenheit liegt
offenbar darin, dass vor allem der Seemann, wie auch der Beobachter an einer Küstenstation ein feineres
Gefühl für die Grade der Windstärke und ausserdem ein Hilfsmittel hierzu in der Segelführung der Schiffe
hat. Der Verwalter einer Binnenstation, dem dies mangelt, soll nun allerdings auch die 13 Stufen 0—12
unterscheiden, doch wird er sich meist auf die geradzahligen Stufen der Landskala beschränken, da dieselbe
ihm bequemer ist und für die Beobachtungs-Netze mehrerer Staaten, wenn auch nicht Vorschrift, so doch
durchaus zulässig ist.') Auch die Subjektivität der Beobachter spielt dabei eine gewisse Rolle. * 2 )
Sieht man nun — wie es auch später meist geschehen soll — von den Gradienten 6 und 7 mm ganz
ab, da sie nur bei einigen wenigen Beobachtungen vorhanden waren und daher kaum Beweiskraft haben,
so gestaltet sich das Verhältniss von Windstärke zu den übrigen Gradienten in Prozenten der Häufigkeit
folgendermaasen:
Wind
stärke
Land
Kii a t
e
Meer
Gradient:
Gradient:
Gradient:
1
2
3
4
5
l
2 3
4
5
1
2
3
4
5
0
2
1
9
i
20
0
8
0
—
2
— 0
3 3
0
0
—
0
1
1
—
—
4
4
18
13
1
0
3
7 7
2
1
1
5
6
2
0
G
2
7
6
1
—
2
15 16
4
1
3
15
18
4
1
8
—
i
3
1
—
1
5 9
4
1
1
9
11
5
0
10
0
i
1
—
—
—
2 4
2
2
1
3
6
2
1
12
—
—
-
—
—
—
0 0
0
i
—
—
0
0
—
Mittlere
Stärke
2.9
3.6
4.5
(6.0)
—
4.5
5.8 6.2
7.0
(8.3)
(6.7) (6.5)
6.7
7.1
(8.0)
Windstärke und Gradient nehmen hier gleichzeitig zu und zwar vom Lande nach der See hin wie auch
innerhalb der einzelnen Cyklonen. In letzterem Falle jedoch ist die Zunahme der Windstärke hei gleicher
Aenderung des Gradienten für die Land-Cyklonen viel grösser als für die Küsten- und Meer-Cyklonen. Es
’) Vergl. z. B. Instruktion cles Königl. Preuss. Meteorol. Instituts. Berlin 1888, pag. 33.
2 ) van Bebber: Lehrbuch der Meteorologie, Stuttgart 1890, pag. 124: „Im Binnenlande wird jeder Beobachter mehr
oder weniger geneigt sein, die Windskala den an seinem Orte herrschenden Windverhältnissen anzupassen.“