10
Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1893 No. 2.
20. Mit dem Gradienten ist Richtung, Stärke und Ablenkungwinkel des Windes aufs
Engste verbunden, sodass es wesentlich erschien, ihre Beziehungen zu einander näher zu untersuchen-
Zunächst stellt nun die folgende Tabelle dar, wie sich die verschiedenen Richtungen auf die einzelnen
Quadranten vertheilen — die dabei sich zeigenden Differenzen gegen die erste Tabelle auf Seite 1 sind auf die
Windstillen zurückzuführen, die nachstehend naturgemäss nicht berücksichtigt wurden:
Wind-
Land
Kü s t e
Meer
rieh-
Quadrant:
Quadrant:
Quadrant:
tung
N
E
S
W 1
N
E
S
W
N
E
S
W
N
Q
0
_
10
1
5
0
_
_
8
NE
8
—
—
2
7
1
—
2
4
—
—
1
E '
4
3
—
4
3
—
—
7
1
—
—
SE
1
8
—
2
6
—
—
3
8
—
—
S
1
11
4
0
15
2
—
0
13
1
—
SW
—
1
10
0
—
9
12
—
—
10
7
—
w
—
1
11
G
—
1
10
2
—
2
13
1
NW
—
—
3
13
—
—
G
10
1
—
9
12
Mittlere
Richtung
N 58° E
E 72° S
SG3°W
W 59° N
N 76° E
E G8° S
S 76° W
W 73° N
N 99° E
E 94° S
S 90° W
W 68° N
Am engsten folgen, wie namentlich die mittleren Richtungen
ersehen lassen, die Winde den Isobaren über dem Meere, weniger
bei den Küsten-Cyklonen und am wenigsten bei denen über dem
Lande; denn je geringer die Reibung an der Unterlage, um so
grösser ist die Zentrifugalkraft. Bei der Angabe der mittleren
Richtung ist der grösseren Klarheit wegen die nautische Be
zeichnungsweise *) angewendet worden, auch ist durch die neben
stehende Figur die Uebersicht zu erleichtern versucht. Ferner
ist noch darauf hinzuweisen, dass bei vollkommen kreisförmigen
Isobaren die obigen Winkelwerthe nichts anderes sind als die
entsprechenden mittleren Ablenkungswinkel.
Von einigem Einfluss auf die Windrichtung dürfte sowohl
Zugrichtung wie auch Geschwindigkeit der Depressionen sein, so
zwar, dass die Winde an der Vorderseite den Isobaren mehr
tangential sich anschmiegen werden, während sie an der Rückseite dem fortschreitenden Minimum nacheilen
müssen und so einen kleineren Ablenkungswinkel vom Gradienten zeigen werden. Deutlich wird dies da
zu Tage treten müssen, wo die Geschwindigkeit der Cyklone am grössten ist, d. h. über dem Meere, und
damit stimmt das obige Resultat (siehe auch Figur) vollkommen überein.
21. Es erscheint sodann zweckmässig, auch die Beziehung des mittleren Gradienten zur
Windrichtung festzustellen, wie es nachstehend geschehen ist:
Cyklon e
W i
n d r i
eh t u
ng:
über
NW
N
NE
E
SE
S
SW
W
Land
£°
CR
2.2
2.3
2.1
3.1
2.1
2.3
2.3
Küste
2.8
3.1
3.0
2.9
2.9
2.9
2.7
2.8
Meer
3.5
2.7
3.4
3.2
2.8
2.8
2.7
3.5
l ) Die Angabe N58°E z. B. besagt: die Richtung des Windes bildet mit der Nordriehtung nach Ost gerechnet einen
Winkel von 58°.