C. Kassner: Ueber kreisähnliche Cyklonen.
Alle solche Beobachtungen, wo örtliche Einflüsse oder Fehler klar ersichtlich waren, wurden natur-
gemäss von der Bearbeitung ausgeschlossen.
13. Bei den Ablenkungswinkeln wurde eine Genauigkeit von 5° innegehalten; jedoch dürfte in
einigen wenigen Fällen der Fehler etwas grösser sein, weil die Windpfeile auf den Karten nicht immer als
gerade Linien gezeichnet waren. Winkel über 180° wurden zur besseren Uebersicht von 360° abgezogen
und in üblicher Weise mit dem negativen Zeichen versehen.
Fragt man nun, wie so grosse Winkel, die dem Wesen der Cyklone als einem Wirbel widersprechen,
zu erklären sind, so dürfte sich bei Land- und Küsten-Cyklonen zunächst die Lage der Beobachtungs-Station
in orographischer Hinsicht als eine Ursache darbieten, während als weiterer, allgemeiner Anlass Theil-
wirbel, 1 ) unsichere Beobachtungen und in seltenen Fällen Eintragungsfehler beim Entwerfen der Karten
anzunehmen sind.
Es erschien daher räthlich, derartige Beobachtungen, sofern sie sich auf die genannten Ursachen zu
rückführen liessen, in der Folge für die Tabellen nicht zu benutzen. Nur da, wo sie durch Nachbar-
Beobachtungen hinlänglich beglaubigt waren, mussten sie berücksichtigt werden.
14. Was endlich die zu Grunde gelegten Maasse betrifft, so sind bei den Angaben des Luftdrucks
ganze Millimeter, beim Wind acht Richtungen und die zwölftheilige Beaufort-Skala, beim Ablenkungs-Winkel
Stufen von 5° und bei der Bewölkung die Grade 0 bis 4 gebraucht worden.
15. Die Zahl der verwerthbaren Einzelbeobachtungen betrug im Ganzen 1240, im Durch
schnitt für jede Land-Cyklone 13, für jede Küsten-Cyklone 17 und für jede Meer-Cyklone 11, wo also, wie
in der Natur der Sache liegt, die kleinste Zahl bei den letzteren vorhanden ist. Bei der zweiten Cyklonen-
art wirkt das dichte Netz von Küstenstationen in Grossbritannien wesentlich erhöhend, während die Land-
Cyklonen meist über dem dünnbewohnten Grossrussland lagerten.
Diese ungleiche Vertheilung der Beobachtungen würde das Vergleichen sehr erschweren, wenn nicht
auf eine Einheit reduzirt worden wäre. Daher stellen im Folgenden die mitgetheilten Zahlen stets Prozente
der jeder Cyklonenart zugehörigen Summe von Einzelbeobachtungen dar, wofern nicht ausdrücklich anders
angegeben wird.
b. 1. Gradient.
16. Zunächst soll nun im folgenden Abschnitt der Gradient untersucht werden, und zwar will ich sein
Vorkommen an sich und sodann dasselbe im Verkältniss zu den andern Elementen näher betrachten. Wie
sich die verschiedenen Gradienten auf die Quadranten der drei Cyklonenarten vertheilen, lehrt die
folgende Tabelle:
Cyklone über
Land
Küste
Meer
Gradient
N
Quadrant
E S
w
N
Quadrant
E S
w
N
Quadrant
E S
w
1
4
4
4
4
1
3
3
2
_
2
2
2
9
8
13
15
12
6
12
10
4
6
10
11
8
3
5
5
S
13
5
14
12
9
6
15
13
S
4
1
1
1
1
3
6
2
2
2
5
1
4
5
—
—
0
—
1
1
2
1
—
i
1
1
6
—
—
—
—
0
—
0
1
1
—
0
—
7
—
—
—
0
—
1
—
0
1
—
—
—
Hierbei besagt z. B. die durch den Druck hervorgehobene Zahl 14, dass bei den Küsten-Cyklonen unter
100 Beobachtungen der Gradient 3 im Ostquadranten 14 mal vorkommt und zwar in diesem Quadranten
häufiger als in irgend einem andern. Ein Strich bedeutet, dass überhaupt keine Beobachtungen vorliegen,
') Diese Theüwirbel könnte man vielleicht durch senkrechte Schnitte in der weiter oben (Anmerkung 1, Seite 6) an
gegebenen Art leicht erkennen und studiren. — Vgl. auch Loomis, Contrib. to Meteorol., Americ. Journ. of Science 1875 I.