accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

424. Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1893, 
Methoden der Chlorbestimmung durch Titriren — von Mohr und von Volgardt 
— sind alle Vortheile der Eleganz und Genauigkeit auf Seite der Letzteren, die 
sich auch in neuerer Zeit der größten Verbreitung erfreut; leider ist sie aber 
an Bord aus vielen Ursachen kaum verwendbar, Ich blieb deshalb bei der 
Methode von Mohr, mit jenen praktischen Anpassungen an das Titriren auf See, 
welche Bouquet de la Grye!) angegeben hat. Ueber die Anwendbarkeit 
dieses Verfahrens an Bord war kein Zweifel, besonders in Rücksicht darauf, dafs 
dieser unermüdliche Erforscher der Meere es unter den allerschwierigsten Um- 
ständen ausgeübt hat, 
Es wurden im Ganzen im Sommer 1891 an 140 Orten 608 Chlor- 
bestimmungen ausgeführt. Die Hauptmasse derselben im Schwarzen Meere 
wurde in der oberen Schicht bis zu 100 Fad. Tiefe gemacht und zwar bis zu 
40 Fad. von 5 zu 5 Fad. fortschreitend. Aus Tiefen von mehr als 100 Fad. sind 
125 Bestimmungen gewonnen. Im Azofschen Meere, wo wir keine größere Tiefe 
als 11 m (37 Fuß) fanden, wurden die Beobachtungen fast für jeden Faden Tiefe 
gemacht, wobei indessen nur bei vollkommener Stille ein kleiner Unterschied im 
Chlorgehalt mit der Tiefe gefunden wurde. 
Im Ganzen genommen, enthält das Wasser des Azofschen Meeres fast nur 
halb so viel Chlor pro Täter, wie dasjenige des Schwarzen Meeres. Durch- 
schnittlich enthält die Oberflächenschicht des Azofschen Meeres in 11 Wasser 
bei der Temperatur 17,5° C 5,77 g Chlor (min. 5,32, max, 6,02). Die Aenderung 
der Chlormenge mit der Tiefe beträgt höchstens 0,2 g für 6 Fad. 
Die Beobachtungen bei Yenikale, am Ausgange der Meerenge von Kertsh 
ins Azofsche Meer, ergaben bei der Ausfahrt der Expedition einen bedeutenden 
Chlorgehalt, nämlich 8,4 g pro Liter; auf dem Rückwege fand ich an derselben 
Stelle nur 5,95 g, was durch die wechselnde Richtung der Winde bedingt ist, 
die bald aus dem Schwarzen, bald aus dem Azofschen Meere Wasser dorthin 
treiben. 
Im Schwarzen Meere fand sich der geringste Chlorgehalt in der Nähe der 
Flufsmündungen und der Strafse von Kertsh; so fanden wir z. B. in der Nähe 
der Donaumündung an der Meeresoberfläche nur 7 bis 7,5 g Chlor pro Liter; 
ebenso an der Straße von Kertsh nur 7,6 g pro Liter. Auf hoher See ist der 
Chlorgehalt an der Oberfläche durchschnittlich 10 g pro Liter. Mit der Tiefe 
nimmt derselbe im Allgemeinen zu. Das Maximum wurde in 1185 Fad. Tiefe 
mit 12,8 g pro Liter gefunden. Höchst charakteristisch war der Befund am 
Bosporus im Mai. Wir standen hier nämlich gerade auf der von Makdrof 
nachgewiesenen Bodenströmung aus dem Marmara- ins Schwarze Meer. Die 
Aenderung des Chlorgehaltes mit der Tiefe stellte sich auf dieser Station 
folgendermalsen (unkorrigirte Werthe): 
Oberfläche 9,81 g Chlor pro Liter 
5 Fad. 9,94 g 
) 10,23 g 
3 10,25 g 
23 10358 » x» 
30 11,65% x» 
30 13,158 » 9 
40 19308 % »% x» 
Der Gehalt an Schwefelsäure ändert sich weniger als derjenige an Chlor. 
Daher erscheint das salzärmere Wasser des Azofschen Meeres relativ reicher an 
Schwefelsäure. Der Schwefelsäuregehalt betrug am eben erwähnten Punkte in 
jer Tiefe 8,34 °% des Chlorgehalts, an der Oberfläche 11,5 %%o, unweit der Donau 
an der Oberfläche 12,2, in der Tiefe von 20 Fad. 12,5 %, im Azofschen Meere 
12,05 °/o. Die Bearbeitung des Materials an Chlor- und Schwefelsäure-Bestimmungen 
dauert noch fort. 
Ferner ist eine kleine Reihe von Bestimmungen über den Gesammtgehalt 
an Gasen im Meerwasser ausgeführt. 
9 
In dem Wunsche, die vorjährigen Resultate zu ergänzen und zu kontroliren 
durch solche aus einem anderen Jahre und anderer Jahreszeit, wandte ich mich 
' Ann. de Ch. et de Ph., 5. Ser., XXV., 5. 433.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.