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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1S93 No. 7 —
Vertlieilung der Windhäuflgkeits-Prozente in 0°— 4° N. Br. (Dallas, a. a. 0. S. 35.)
O.L
50°— 55°
55°— 60°
60°— 63°
63°—70°
70°—75°
75°— 80°
CO
1
o
o
CO
84°—88°
88°— 93°
93°—100°
s+ssw+sw
73
87
75
39
28
10*
44
51
62
45
WSW + W + WNW
14
13
20
39
22
70
48
42
17*
32
Die übrig. Winde %
13
0*
5
9. -2
50
20
8
7*
11
23
B eob a clitun gs z ahl
18
58
36
41
26
65
115
88
180
81
Quadranten, aber weniger stetig und beständig als im Westen.“ (S. 34.) Eine Bestätigung dieses ver
schiedenen Verhaltens der Stetigkeit im westlichen östlichen Theil des Ozeans sieht Dallas in einer Zu
nahme der Regen-Wahrscheinlichkeit von Westen nach Osten. „Denn dort, wo ein beständiger Luftstrom
von der südlichen nach der nördlichen Hemisphäre überströmt, ist keine Tendenz zu aufsteigender Luft
bewegung, d. h. zu Niederschlägen vorhanden, wo aber der Luftstrom sich intermittirend nach Norden fortsetzt
und wo er gelegentlich durch leichte, veränderliche und durch westliche Winde vom arabischen Meer her
abgedämmt wird, findet aufsteigende Luftbewegung statt.“
Zum Nachweis der Niederschlags-Vertlieilung giebt Dallas auf S. 36 eine Tabelle, in welcher für die
5 Zehngrad-Felder, welche dem Aequator auf dem indischen Ozean nördlich benachbart sind, angegeben ist,
wie viel Beobachtungs-Wachen 1 ) auf eine Regenwache kommen.
Da es üblich ist, anzugeben, wie viel Regenwachen auf 100 Beobachtungs-Wachen kommen, so sind die
reziproken Werthe jener Tabellen-Werthe gebildet und mit 100 multiplizirt. Dann ergiebt sich in den Breiten
zwischen 0° und 10° N. Br. für Juni bis September folgende Regenhäufigkeit in Prozenten.
50°—■ 60° 60°—70° 70°— 30° 80°—• 90° 90°—100° 0. L.
7 18 31 21 35
Man bemerkt einen sehr bedeutenden Unterschied in der Niederschlags-Vertlieilung westlich und öst
lich vom 70. Meridian.
Interessant sind die Bemerkungen, welche Dallas an die Feststellung dieser Thatsachen anknüpft. (S.37.)
„Die Ursache dieser Verschiedenheit im Verhalten des Windes in verschiedenen Theilen der äquato
rialen Region beruht vor allem auf den physiograpliischen Eigenthümlichkeiten der Länder, welche den
nördindischen Ozean und das arabische Meer umgehen. Der Luftstrom kreuzt im westlichen Theil des in
dischen Ozeans den Aequator als rein südlicher Wind, er weht als SW und W über das arabische Meer
und hat fast rein westliche Richtung, wenn er sich der vorderindischen Halbinsel nähert. Hier trifft der
Luftstrom auf eine hohe Landmasse, deren Küste nach SSE läuft und wenn auch ein beträchtlicher Theil
des Monsuns die Ghats übersteigt und in Indien eindringt, so wird ein grosser Theil der unteren Luftmassen
südwärts abgelenkt und zu nordwestlichem W T ind gemacht. Diese Ablenkung findet natürlich nicht allein
in der unmittelbaren Nachbarschaft der Halbinsel statt, sondern auch weiter westwärts und beeinflusst die
Windrichtung bis zur Mitte des arabischen Meeres. Infolge dessen kommt ein aus NW und W wehender
Wind zwischen Ceylon und dem Aequator und ziemlich weiter westwärts zur Herrschaft und ist stark genug,
das Vordringen transäquatorialer Luft in dieses Gebiet zu stören, wo nicht zu hindern. Wenn der westliche
Luftstrom Ceylon passirt hat, kann er sich frei nordwärts über die Gewässer der Bai von Bengalen aus
breiten und südliche Winde aus dem transäquatorialen Gebiet mit sich vereinigen. Es liegt auf der Hand,
dass, wenn diese Anschauung korrekt ist, der SE-Passat bei seinem Vorrücken den grössten Widerstand
irgendwo westlich von Ceylon antrifft, wo der Wind vermuthlich nordwestlicher ist als gerade südlich von
Ceylon, denn hier wird er schon durch die Bewegung der Luft über der Bai beeinflusst werden. Daher ist
denn zwischen 70° und 80° 0. L. die aufsteigende Bewegung am stärksten, der Regenfäll am grössten. Ferner
kann daraus geschlossen werden, dass der Monsunstrom der Bai von Bengalen schwach und trocken ist,
wenn der Strom des arabischen Meeres stark ist, da in diesem Falle die Verbindung mit dem südlichen
indischen Ozean auf grosse Strecken unterbrochen wird und umgekehrt. . . . Diese Beziehung zwischen der
Stärke der beiden Monsunzweige ist, wenngleich sie lokalen Störungen wie Cyklonen etc. unterliegt, auch
») Irrtlriunlicher Weise spricht Dallas von Beobachtangs-Tagen und Regen-Tagen. Die Zahlen der Tabelle be
weisen, dass nur von 4- oder höchstens 8-stündigen Wachen die Rede sein kann. Es kommt hier aber nur auf die relative
Grösse der zu vergleichenden Werthe an.