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Full text: 16, 1893

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1S98 No. 7 — 
Es sind nur wenige deutsche Schiffe, welche zur Zeit des SW-Monsuns noch in den nördlichen Ge 
wässern des indischen Ozeans weilen. Die selbstständige Beantwortung jener Frage kann sich deshalb nur 
auf wenige Beobachtungen stützen. 
Von 38 Schiffen, welche mit südlichem Kurs, etwa zwischen 90° und 94° 0. L. den Aequator über 
schritten, fanden 11 (= 29%) einen stetigen durch S erfolgenden, 8 (— 21%) einen plötzlichen Uebergang 
vom SW-Monsun zum SE-Passat. Die übrigen 19 (= 50%) beobachteten zwischen beiden Windgebieten 
veränderliche Winde und Stillen. Es ist deshalb unzweifelhaft, dass keine beständig währende Ver 
bindung zwischen beiden Windgebieten im östlichen Theil des indischen Ozeans besteht, 
dass vielmehr die Wahrscheinlichkeit einer Verbindung nur % kaum erreicht. Untersucht man näher, wo 
der stetige Uebergang beobachtet wird, so findet man, dass er regelmässig (unter diesen Meridianen) süd 
lich vom Aequator stattfindet. In den 11 beobachteten Fällen wurden mit einer Ausnahme reine Südwest- 
Winde noch südlich vom Aequator angetroffen. Die Grenzen der genau aus SE bezw. SW wehenden Winde 
waren durchschnittlich, wenn ein stetiger Uebergang beobachtet wurde, 3?o bezw. 2?o S. Br.; für die ver 
bindenden südlichen Winde (SSE—SSW) bleibt also durchschnittlich nur der schmale Raum von einem 
Breitengrad. Die Abweichung der Einzelfälle von diesen mittleren Fällen ist sehr klein. Die mittlere Ab 
weichung der Grenzen von den mittleren beträgt in beiden Fällen nur 1?2. Aus diesen Beobachtungen darf 
man schliessen, dass selbst, wenn ein stetiger Uebergang besteht, im östlichen Theil des 
indischen Ozeans kein stetiges süd-nördliches Luftdruck-Gefälle über den Aequator führt, 
sondern dass sich in der Nähe desselben eine westöstliche Gradient-Komponente damit 
verbindet und bereits südlich von der Linie eine Ablenkung des SE-Passats in den 
SW-Monsun bewirkt. 
Die Art des Uebergangs, welche vorwiegt, nämlich durch veränderliche Winde und Stillen, giebt auch 
naturgemäss den Werthen der Windhäufigkeit ihre Signatur. In folgender Tabelle sind die nach Lambert’s 
Formel berechneten mittleren Windrichtungen und die Grössen der Resultanten angegeben, um einen Ueber- 
blick über die Wind-Verhältnisse zu gewinnen. Noch besser als aus diesen Werthen lässt sich aus den 
Tabellen des Anhangs die Erscheinung ablesen, dass der SE-Passat in der Regel in ein Gebiet veränder 
licher Winde ausläuft, aus dem nördlich vom Aequator der SW-Monsun entspringt. 
Mittlere Windrichtung in der äquatorialen Zone zur Zeit des Sommer-Monsuns. 
N. Br. S°- 6° 
6°—4° 
4°—2° 
2°— 0° 
0°— 2° 
2°—4° 
4°— 6° 
6"— S° 
S°— 10°S.Br. 
Mai 
S 45° W 
S50°W 
S69°W 
S51°W 
S 65° W 
S12°E 
SGO'E 
S65°E 
S66”E 
E. 7o 
68 
52 
61 
54 
42 
26 
43 
56 
66 
Juni 
.S 42° W 
S42°W 
S42°W 
S64°W 
S54°W 
S2PE 
S49°E 
S45°E 
S 44° E 
E. % 
94 
SS 
73 
65 
42 
35 
39 
TS 
91 
Juli + August . . 
847° W 
S 35° W 
S45°W 
S80°W 
S 55° W 
S 13°E 
S42°E 
S 66°E 
S6T°E 
E. % 
93 
84 
S3 
47 
42 
24 
49 
- 45 
53 
Die Beständigkeit der Windrichtung ist in allen hier vertretenen Monaten zwischen 2° und 4° S. Br. 
am kleinsten. Die mittlere Windrichtung erleidet hier (wie die Windrichtung bei stetigem Uebergang) eine 
schnelle Richtungsänderung auf kurzer Strecke. Südlich von 4° S. Br. ist sie SE, nördlich von 2° S. Br. SW 
bis WSW. Diese Erscheinung ist gleichsam ein Spiegelbild der im entgegengesetzten Halbjahr stattfinden- 
den Veränderung der Windrichtung zwischen den entsprechenden nördlichen Breitengraden. In den Monaten 
Januar und Februar ist nördlich von 4° N. Br. die mittlere Windrichtung NE, südlich von 2°N. Br. NW; 
dazwischen ist die Beständigkeit sehr klein. Auch dort fand nur zeitweise ein stetiger Uebergang vom NE- 
y.mn NW-Monsun statt. In beiden Fällen verbindet sich mit einem meridionaleu Luftdruck-Gradienten in 
der Nähe des Aequators ein west-östlicher. Jener wechselt im Lauf des Jahres sein Zeichen, dieser ist per 
manent, wie schon an einer früheren Stelle erörtert ist. (S. 13 ff.). 
Ebenso wie die Beständigheit der Windrichtung ist die mittlere Windstärke in der Nähe des Aequators 
kleiner als nördlich und südlich davon. Die betreffenden Tabellen des Anhangs legen davon Zeuguiss ab, 
dass der SE-Passat mit der Annäherung an den Aequator schwächer, der SW-Monsun mit der Entfer 
nung von ihm stärker wird. In der folgenden Tabelle sind für Mai und Juni die mittleren Stärken der
	        
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