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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1893 No. 7 —
übergeführt wird und dass sie verschwinden, sobald der Sommer-Monsun zur typischen Entwicklung ge
kommen ist.
Das einzige klimatische Element, welches sich um die Zeit des Monsun-Ausbruchs über der Bai wenig
ändert, ist die Temperatur. Die hohen Wärmegrade, welche die Luft im Laufe des Frühjahrs bei wach
sender Kulminationshöhe der Sonne und bei wenig bewölktem Himmel erreicht, bleiben, wie Tabelle 35 des
Anhangs lehrt, auf dem Meere auch dann noch eine Zeitlang bestehen, wenn die Regenzeit begonnen hat.
Jedoch stehen die hohen Luft-Temperaturwerthe des Mai, welche in jener Tabelle auftreteu, weder mit den
Beobachtungen einiger Küstenstationen noch mit den graphischen Darstellungen auf Isothermen-Karten in
Einklang, welche sich vorzugsweise auf die Beobachtungen von Küstenstationen stützen.
Sowohl auf der Hann’sehen Mai-Isothermenkarte von Indien (Karton auf No. III seines Atlas der
Meteorologie), wie auf der Mai-Isothermenkarte des indischen Ozeans (No. 12 des von der Deutschen See
warte herausgegebenen Atlas des indischen Ozeans) zieht die Isotherme von 27° bezw. 27?5 C. in einer weit
nach Norden ausbiegenden Kurve, deren Scheitel etwa den 16. Grad N. Br. in 90° 0. L. berührt, von der
Südspitze Ceylons nach der Nordspitze Sumatras. In der That ist ein solcher Verlauf der Isotherme gerecht
fertigt, wenn man nur die Beobachtungen an Landstationen berücksichtigt. Denn im Mai ist die mittlere
Lufttemperatur in Galle auf Ceylon (6?0 N. Br., 80?2 0. L.) 27?4, in Port Blair auf den Andamanen (11?7 N. Br.,
92?7 0. L.) 27?4, in Rangoon (16?8 N. Br., 96?2 0. L.) 28°2, in Nancowry auf den Nikobaren (8?0 N. Br.,
93?6 0. L.) 27?4. Diese Beträge würden sich, wenn man sie auf das Meeresniveau reduziren wollte, kaum
um 0°1 C. erhöhen, da die Stationen ausser Nancowry (25 m) weniger als 20 m über dem Meeresspiegel liegen.’)
Eine ganz andere Lage erhält die Isotherme von 27?5, wenn man sie nach der Tabelle 35 des Anhangs
bestimmt. Sie würde den 90. Grad 0. L. etwa in 10° S. Br., also um 26° südlicher schneiden, als die auf
jenen Karten dargestellte, während in 16° N. Br. eine um 2° höhere Isotherme zu zeichnen wäre. Die an
gegebenen Stationen würden mit ihrer Umgebung als Enklaven mit niedrigerer Temperatur zu betrachten sein.
Die Existenz dieser bedeutenden Abweichung der Lufttemperaturen auf dem Meere und Lande, welcher
die bisherige Darstellung aus Mangel an einer Bearbeitung der maritimen Lufttemperatur-Beobachtungen
keine Rechenschaft zu tragen vermochte, könnte vielleicht angezweifelt werden, da die Bestimmung der
wahren Lufttemperatur auf Schiffen u. a. infolge der Strahlungs-Einflüsse des Schiffskörpers manchen
Schwierigkeiten begegnet. Es ist aber an einer früheren Stelle darauf hingewiesen worden, dass den
Werthen der Tabelle 35 nur solche Beobachtungen zu Grunde liegen, deren Zuverlässigkeit innerhalb ge
wisser Grenzen keinem Zweifel unterliegt. Um jedoch jegliche Bedenken gegen die thatsächliche Existenz
jener Abweichung zu zerstreuen und das Vertrauen in die Richtigkeit der in der Tabelle 35 gegebenen
Werthe zu rechtfertigen, möge ein Vergleich der Lufttemperaturen mit den Temperaturen der Meeresober
fläche, welch’ letztere durch eine Bearbeitung von englischen Beobachtungen bekannt sind, ausgeführt werden.
Die beiden Werke, welche in Betracht kommen, sind „Charts of mean specific gravity, mean tempe
rature and general movement of the sea surface water of thè Bay of Bengal and adjacent equatorial sea,
pubi, by the meteorological Department of thè government of India“ und „Charts showing the surface tem
perature of the Atlantic, Indian and Pacific Oceans, published by the authority of meteorological council.
London 1884“.
In diesen Publikationen sind in jedem ozeanischen Zweigradfeld die berechneten Wassertemperaturen
in den Monaten Februar, Mai, August und November angegeben. Zwecks eines Vergleichs und zur Be
festigung der Resultate wurden von 0°—20° N. Br. die zwischen den Meridianen von 86° und 96° 0. L., von
0°_ 10° S. Br. die zwischen 80° und 96° 0. L. gelegenen 2°-Felder zu 2°-Breitenzonen vereinigt, es wurden
also Mittel gebildet nördlich von der Linie aus je 5, südlich davon aus je 8 Werthen. Die Resultate dieser
Berechnung finden sich in folgender Tabelle für alle 4 Monate angegeben, sowie die Mittel aus den vier
Werthen, welche etwa dem Jahresmittel gleichkommen mögen. Ferner sind der Tabelle 35 des Anhangs
die hierher gehörigen Werthe der Lufttemperatur entnommen und die Differenzen zwischen diesen und den
Meerestemperatur-Werthen gebildet.
Man sieht, dass die Differenzen zwischen den Luft- und Wasser-Temperaturen überall klein sind und
vorzugsweise das negative Zeichen tragen, d. h. dass die Temperatur der Luft in der Regel um einige Zehntel
Grade niedriger ist als die Wassertemperatur. Dieses Ergebniss steht in Einklang mit den von Seiten der
ij Blanford, Climates of India, .Appendix I. Climatic Tables.