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Volltext : 16, 1893

Dr."  Willi.  Meinardus:  Beiträge  zur  Kenntniss  der  klimatischen  Verhältnisse  etc.

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Die  Linien  ziehen  in  den  meisten  Fällen  von  niederen  Breiten  der  vorderindischen  zu  höheren  der
hinterindischen  Küste;  darin  prägt  sich  die  schon  hervorgehobene  entgegengesetzte  Lage  der  beiden  Halbinseln ­
  zur  Bahn  der  südwärts  wandernden  Depression  aus.  Würde  sich  auch  im  arabischen  Meere  im  Spätsommer ­
  eine  selbstständige  Depression  bilden,  so  würde  der  vorderindischen  Westküste  nicht  so  früh  der
Begenfall  entzogen.
Est  ist  auffallend,  dass  sich  in  den  Herbstmonaten  die  atmosphärischen  Verhältnisse  über  dem
arabischen  Meere  und  der  Bai  von  Bengalen  so  verschieden  gestalten,  während  doch  in  anderen
Jahreszeiten  viele  klimatische  Homologien  zwischen  beiden  Meeren  vorhanden  sind.  Vermuthlich
verhindert  die  starke  Abkühlung  der  Meeresoberfläche,  welche  zur  Zeit  des  Sommermonsuns  durch
kalte  Auftriebwasser  an  den  südwestlichen  Küsten  des  arabischen  Meeres  hervorgerufen  wird,  dass
sich,  selbst  wenn  das  Land  schon  erheblich  erkaltet  ist,  ein  Temperatur-Ueberschuss  herausbildet,
welcher  die  Bildung  einer  Depression  über  dem  Meere  begünstigen  könnte.  Vielmehr  werden  die
Wind-  und  Wetterverhältnisse  des  östlichen  arabischen  Meeres  im  Herbst  dem  Luftdruck-Minimum
tributär,  welches  über  dem  viel  wärmeren  bengalischen  Meerbusen  lagert. 1 )
Während  im  November  grössere  atmosphärische  Störungen  verhältnissmässig  häufig  an  der  nördlichen
Grenze  der  über  den  südlichen  Theilen  der  Bai  liegenden  Luftdruckfürche  entstehen  und  west-  oder  nordwärts ­
  fortschreitend  die  normalen  Wind-  und  Wetterverhältnisse  der  Bai  unterbrechen,  sind  im  Dezember,
wenn  der  NE-Monsun  gewöhnlich  schon  den  6.  Grad  N.  Br.  erreicht  hat,  solche  cyklonale  Stürme  seinselten,
  da,  abgesehen  von  der  Entwicklung  des  vorderindischen  Luftdruck-Maximums,  in  jener  niederen  Breite,
in  welcher  die  Ablenkung  bewegter  Luftmassen  durch  die  Erdrotation  klein  ist,  die  Entstehung  einer  cyklonalen
  Luftbewegung  wenig  begünstigt  wird.
Folgende  kleine  Tabelle,  welche  eine  von  Blanford  (Climates  of  India.  S.  230)  gemachte  Zusammenstellung ­
  in  gekürzter  Form  wiedergiebt,  lässt  erkennen,  wie  die  geographische  Breite  der  Entwicklungsstätten
von  „cyclonic  storms“  von  September  ab  sich  von  Monat  zu  Monat  verringert  und  in  jedem  Monat  mit
der  mittleren  Lage  des  Gebiets  niedrigen  Luftdrucks  zusammenfällt.  In  der  letzten  Reihe  der  Tabelle  ist
nach  Eliot’s  Handbook  die  Zahl  der  in  den  Jahren  1877  —  87  beobachteten  „cyclonic  storms“  angegeben.
Die  Monate  Januar  bis  April  sind  während  dieses  Zeitraums  cyklonenlos  gewesen.  Doch  sind  in  früheren
Jahrzehnten  auch  in  diesen  Monaten  ausser  Februar  gelegentlich  grössere  Wirbelstürme  vorgekommen.
Uebersieht  über  die  geographischen  Breiten  der  Entwicklungsstätten  cyklonaler  Stürme
in  der  Bai  von  Bengalen.

N.  Br.

IV.  u.V.

VI

VII

VIII

IX

X

XI

XII

20°—22°

2

9

15

12

6

16°—20°

2

4

5

3

14

8

1

1

.  12°—16°

i

2

7

o

8°—12°

4

4  •

13

1

6°—  8°

1

1

1

1

Anzahl  1877—87  .

7

14

21

IS

19

13

15

3

Ehe  das  weitere  Schicksal  der  Zone  niedrigen  Luftdrucks,  deren  nördliche  Grenze  im  Dezember  mit
der  Südgrenze  der  Bai  zusammenfällt,  eingehender  verfolgt  wird,  sind  noch  die  im  Herbst  in  der  äquatorialen ­
  Zone  des  östlichen  indischen  Ozeans  vor  sich  gehenden  Veränderungen  in  den  atmosphärischen
Verhältnissen  kurz  zu  skizziren.
So  lange  im  Norden  eine  ausgeprägte  Luftdruckfurche  lagert,  bewahren  Wind-  und  Wetterverhältnisse
in  der  äquatorialen  Zone  den  sommerlichen  Charakter,  von  dem  erst  später  eine  genauere  Schilderung  gegeben ­
  wird.  Der  starke  SE-Passat  findet  sein  nördliches  Ende  etwa  in  4°—6°  S.  Br.,  nördlich  davon  liegt
eine  6°—8°  breite  Zone  veränderlicher,  meist  südlicher  bis  westlicher  Winde  mit  grosser  Niederschlagsneigung. ­
  Erst  in  2°  N.  Br.  nimmt  der  beständige  frische  Sommermonsun  seinen  Anfang,  dessen  Richtung
SW  ist,  ausser  südlich  von  Ceylon,  denn  dort  kommen  die  Winde  aus  dem  westlichen  Quadranten  und  biegen
erst  östlich  von  Ceylon  in  den  SW-Monsun  ein.
*)  Vgl.  Tafel  8  und  9  des  Atlas  des  Indischen  Ozeans  und  die  vom  indischen  meteorologischen  Amt  herausgegebenen
Weather  Charts  of  the  Arabian  Sea.

Archiv  1893,,  7.

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