Vorwort.
Die zusammenfassende Darstellung, welche die physikalischen Verhältnisse des Indischen Ozeans
jüngst von Seiten der Deutschen Seewarte im „Segelhandbuch für den Indischen Ozean“ und dem beige
gebenen Atlas erfahren haben, ist zwar in erster Linie dem praktischen Interesse der Seefahrer gewidmet,
aber wie man gewohnt ist, selbst in denjenigen von diesem Institut ausgehenden Publikationen, welche nur
der Schiffahrtskunde dienen zu wollen scheinen, auch die wissenschaftliche Erkenntniss bereichert zu finden,
so ist auch in den genannten beiden Werken auf Grund der im Archiv der Deutschen Seewarte ruhenden,
durch seemännischen Fleiss zusammengetragenen Schätze, eine wissenschaftliche Bearbeitung mancher ein
schlägiger Verhältnisse vorgenommen worden. Aber naturgemäss gestattete der engere Zwek des Werkes
keine eingehenderen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen, es lag auch in vielen Fällen kein Bedürfniss
vor, eine so spezielle und vielseitige Verarbeitung des im Archiv ruhenden Materials vorzunehmen, wie es
im Interesse der wissenschaftlichen Forschung geboten ist. Deshalb brauchte nicht befürchtet zu werden,
dass eine rein wissenschaftlichen Zwecken dienende eingehendere Bearbeitung des Beobachtungsmaterials
nur zu einer blossen Bestätigung der schon im Segelhandbuch gegebenen Darstellung führen würde, vielmehr
war zu hoffen, zumal da die klimatischen Verhältnisse des nordöstlichen Theils des Indischen Ozeans bisher
keine auf so vortreffliche und zahlreiche Beobachtungen gestützte Behandlung gefunden haben, manche bis
dahin verborgene Erscheinung zu Tage fördern und überhaupt eine vielseitigere Kenntniss der klimatischen
Verhältnisse dieses Gebiets begründen zu können. [
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in den Tabellen. Sie bieten eine so reiche Fülle interessanter
Einzelheiten, dass der Verfasser den begleitenden Text nicht ohne das unbefriedigende Gefühl geschrieben
hat, dass noch manche von den Erscheinungen, welche in den Tabellenwerthen ihren Ausdruk finden, keine
genügende Würdigung oder auch nur Erwähnung haben finden können. Die nothwendige Beschränkung,
welche Zeit und Umstände dem Verfasser auferlegten, hinderte sowohl eine volle Ausweichung des reichen
Inhalts der Tabellen als auch eine noch ausgedehntere Bearbeitung des den Schiffsjournalen entnommenen
Beobachtungsmaterials. Die tägliche Periode der klimatischen Elemente, der Charakter der atmosphärischen
Verhältnisse in verschiedenen Jahren u. s. w. sind Gegenstände, welche im Anschluss an die Feststellung der
mittleren Verhältnisse der Forschung unterworfen werden sollten. Doch musste vorläufig von dieser Unter
suchung Abstand genommen werden.
Es gereicht dem Vei'fasser zu hoher Freude, auch an dieser Stelle dem hochverdienten Leiter der
Deutschen Seewarte, Herrn Geheimrath Professor Dr. Neumayer, für die gütigst gewährte Erlaubniss,
das Archiv und den wissenschaftlichen Apparat der Seewarte benutzen zu dürfen, und die bereitwillige,
fördernde Antheilnahme an der Arbeit seinen verbindlichsten Dank aussprechen zu können. Nicht minder
fühlt sich der Verfasser Herrn Professor Dr. Koppen für seine schätzenswerthen Rathschläge und den
anderen Herren Beamten der Deutschen Seewarte, welche Antheil an dieser Untersuchung genommen haben,
zu wärmstem Dank verpflichtet. Der Verfasser wird die Zeit, in welcher es ihm vergönnt war, an den viel
seitig anregenden Bestrebungen der Seewarte theilzunelimen, stets dankbar im Gedächtniss bewahren.
Hamburg, im Dezember 1893.