Franz v. Schwarz: Astronomische, Magnetische und Hypsometrische Beobachtungen etc.
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Aus dieser Tabelle ersieht man, dass die Abweichungen der einzelnen Beobachtungssätze von einander
sich in allen Bestimmungen wiederholen und folglich von den Fehlern des Instrumentes und nicht von zu
fälligen Beobachtungsfehlern herrühren. Ferner sieht man, dass die Mittel der einzelnen Bestimmungen
sehr gut untereinander übereinstimmen. Zugleich erkennt man, dass die Mittel aus je drei Sätzen
den Mitteln aus allen Sätzen schon ziemlich nahe kommen. Man könnte sich also im Nothfalle wohl mit
drei Sätzen begnügen, dagegen ist, wie man sieht, die Bestimmung der Deklination bei nur einer Lage des
Kompasses ganz unstatthaft.
II. Inklination.
Das Inklinatorium bestand aus einer von beiden Seiten mittelst Spiegelplatten verschlossenen kreis
runden Messingbüchse; die Messingrahmen, in welche diese Spiegelplatten eingesetzt waren, bewegten sich
um Scharniere. Die Axen der an den Enden spitz zulaufenden, 101 Millimeter langen Inklinations-Nadeln
wurden auf zwei Karneolschneiden aufgesetzt, die auf zwei horizontalen Querleisten in der Mitte der Büchse
angebracht waren. Zum Aufsetzen und Abnehmen und zur Beruhigung der Nadeln dienten zwei andere
bewegliche, mit sattelförmigen Aufsätzen versehene Querleisten. Das Umlegen der Nadeln wurde aus freier
Hand bewerkstelligt. Zum Ablesen der Lage der Nadeln dienten zwei konzentrische, von 10 zu 10 Minuten
getheilte Vertikalkreise, von denen der grössere vor, der kleinere hinter der Nadel angebracht war in der
Weise, dass die Theilstriche des einen die Verlängerung der Theilstriche des anderen bildeten. Diese Ein
richtung diente zur Aufhebung der Parallaxe beim Ablesen des Nadelstandes. Zum Ablesen des Kreises
dienten zwei einfache Loupen. Das Magnetgehäuse ruhte auf einem Messingstativ, das zum Aufsuchen des
magnetischen Meridians mit einem von 15 zu 15 Minuten getheilten Horizontalkreis versehen war. Zur
Nivellirung des Apparates diente ein oben auf dem Magnetgehäuse angebrachtes Niveau.
In Betreff der Ausführung der Beobachtungen mit dem beschriebenen Instrument will ich folgendes
bemerken. Die Inklination bestimmte ich jedesmal im magnetischen Meridian und stets mit den zwei
Nadeln No. 1 und No. 3. Ich beobachtete dabei die Nadeln immer in den bekannten acht verschiedenen
Lagen. Das Ummagnetisiren der Nadeln bewerkstelligte ich mittelst zweier Streichmagnete. Bei jeder
Lage der Nadeln machte ich zwei Ablesungen, indem ich zwischen der ersten und zweiten Ablesung jedes
mal die Nadel mittelst der beweglichen Querleisten mehrmals von den Schneiden abhob und wieder be
ruhigte. Die Ablesungen machte ich nicht bei ruhender Nadel, sondern bei Ausschlagswinkeln von etwa
V2 0 , was, wie ich mich überzeugt habe, bessere Resultate giebt. Hierbei las ich immer die Lage
beider Nadelenden ab. Eine vollständige Inklinations-Bestimmung mit einer Nadel erforderte also 32 Kreis
ablesungen.
In Anbetracht des Umstandes, dass die zwei von mir benutzten Nadeln sehr gut equilibrirt waren,
berechnete ich aus den Mitteln der bei den acht verschiedenen Lagen der Nadeln erhaltenen Ablesungen
F die wirklichen Inklinationen J nach der Formel: .7 = F + z sin 2 F.
Die Konstante 2 bestimmte ich für meine Nadeln auf folgende Weise: Da unter den drei Nadeln
meines Inklinatoriums sich nur eine mit drehbarer Axe befand, diese aber von Anfang an verdorben ge
wesen war, so bestimmte ich die absolute Inklination mit der Nadel N0. 1 nach der Methode der Azimute-
Ich machte zu dem Ende jedesmal sechs vollständige Inklinations-Bestimmungen bei gleichmässig über den
halben Umkreis vertheilten Azimuten, wobei ich die Sache so einrichtete, dass zwei von diesen Azimuten
mit dem magnetischen Meridian zusammenfielen und dass zugleich eine zu grosse Annäherung an das
Azimut 90°, in dessen Nähe die Beobachtungen zu ungenau werden, vermieden wurde; ich beobachtete des
halb bei den Azimuten 0°, 36°, 72°, 108°, 144° und 180°. Aus den bei den Azimuten V\ .... erhaltenen
Inklinationen Jj .... Jo berechnete ich nun die absolute Inklination J nach der Formel:
, T tg Jy cos ui + : . . . . + tcj Je, cos v 6
tg J - - : 6 “ ’
betrachtete die Mittel aus den zwei im Meridian erhaltenen Inklinationen ^ ^ als F und erhielt so
nach obiger Formel folgende Resultate: