Dr. Paul Schlee: Niederschlag, Gewitter und Bewölkung etc.
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hier wurden in allen 2^2 Grad - Abschnitten in allen Monaten Regentage verzeichnet mit einer einzigen
Ausnahme, denn in dem Abschnitt von 15°—1772° n. B. findet sich für den Mai unter (nur) 30 Beobachtungs
tagen kein Regentag.
Wie schon bekannt ist durch die Ergebnisse der englischen Veröffentlichungen, 1 ) befindet sich in der
Mitte des Atlantischen Ozeans der meteorologische Aequator unter 5° n. B. Auch unser Diagramm zeigt
ihn genau an dieser Stelle. Während der nordhemisphärischen Sommer- und Herbstmonate befindet sich
die Mitte des Stillengürtels nördlich vom meteorologischen Aequator, genau während der beiden anderen
Jahreszeiten südlich von ihm.
Wie für alle berücksichtigten Theile des Atlantischen Ozeans, so stellt unsere Untersuchung auch für
den Stillengürtel in Folge des besseren Materials eine grössere Regen Wahrscheinlichkeit fest als die Arbeit
von Koppen und Sprung. Jede der früheren Untersuchungen hat für den Calmengürtel, sei es im
Atlantischen, sei es im Indischen Ozean, eine grössere Regenwahrscheinlichkeit erhalten als die vorher
gehende, und so ist auch eine Regenhäufigkeit, wie sie durch unsere Arbeit gefunden worden ist, für den
ozeanischen Stillengürtel bis jetzt nicht vermerkt worden. Liegen die Scheitelpunkte der Kurven, welche
für die einzelnen Monate die Regenwahrscheinlichkeit auf einem Meridianstreifen des Atlantischen Ozeans
ausdrücken, bei Koppen und Sprung immer zwischen 0.60 und 0.80 im Mittel bei 0.75, 2 ) so liegen sie
nach unseren Werthen alle zwölf zwischen 0.77 und l.oo und durchschnittlich bei 0.90. Es musste nun
auch die Ansicht fallen gelassen werden, dass jeder Theil der Zone, in der sich der Calmengürtel hin- und
herschiebt, einmal im Jahre am ganz trockenen Passatgebiete Theil nehme, sodass die Regenwabrschein-
lichkeit unter 0 20 sinke. 3 ) Unser Diagramm zeigt vielmehr, dass am meteorologischen Aequator ein Streifen
vorhanden ist, aus dem der Stillengürtel kaum ganz herauskommt und wo der Passat an der Grenze der Calmen-
zone immer schon flauer, veränderlicher und regenreicher ist. Dieser Streifen musste daher von den
Gegenden, in denen die Regenwahrscheinlichkeit in der Jahresperiode unter O.20 sinkt, auf der Karte durch
die gezähnte Linie ausgeschlossen werden, die zur Begrenzung dieser Gebiete ebenso wie in den Atlanten
des Indischen und des Atlantischen Ozeans und auf der Karte des Berghaus’schen Atlas angewandt wurde.
Aus unseren Diagrammen lässt sich ferner erkennen, dass die Intensität des Calmengürtels in seinen
verschiedenen Theilen im Laufe des Jahres Veränderungen erleidet, die durch sein Verhältniss zu den
Festländern Südamerika und Afrika bedingt sind. Nur wo seitlich, im Osten oder Westen, kein stärker
erhitztes Festland die Luft ansaugt, da entwickelt sich ungestört der Stillengürtel, da entstehen in grösserem
Maasse auf dem Meere selbst die kleinen Theildepressionen, welche Calmen, elektrische Erscheinungen und
Regengüsse im Gefolge haben. 4 5 ) Wenn am Ende des nordhemisphärischen Sommers der erwärmte Körper
Nordafrikas bis 30° w. L. die Passate zum westlichen Monsun verkehrt, dann zeigt, je mehr wir uns von
Westen der afrikanischen Küste nähern, der Calmengürtel eine desto geringere Intensität, indem Windstillen,
Gewitter und Regen dann im Osten am seltensten sind. Die Isobarenkarten zeigen, dass dann Nordafrika
geringen Luftdruck hat, im Stillengürtel des Ozeans aber dann der höchste Luftdruck des ganzen Jahres
herrscht. 6 ) Ist sechs Monate später im westlichen Theile des Ozeans der Gradient nach dem erhitzten
Festlande Südamerikas gerichtet, so macht sich auch hier eine Abnahme der Calmen, Gewitter und Regen
fühlbar. Wenn man die Wahrscheinlichkeit für diese drei Elemente aus den Charts of Meteorological Data
for nine 10° Squares gesondert nach Meridianstreifen zusammenstellt, so erkennt man, dass sich östlich
von 30° w. L. der Einfluss Afrikas fühlbarer macht, indem hier der Stillengürtel etwa im August, bei nörd
licher Lage seine geringste Intensität zeigt, westlich jenes Meridians jedoch der Calmengürtel etwa im
März, in Folge des Einflusses von Südamerika, also bei südlichster Lage am schwächsten ausgebildet ist.
Sehr klar zeigen diese Verhältnisse auch die Windkarten für die bürgerlichen Quartale im Atlas des
*) Yergl. besonders: „Meteorolog. Office, Bemarks to accompany Montbly Charts of Meteorol. Data for Square 3“ und
A. Müliry: „Die Meteorologie des Calmengürtels“, untersucht auf dem Atlant. Ozean. Zeitschr. f. Meteor., 1876. (Berichtigung
dazu, ebenda 1880, pag. 476.)
2 ) Kurventafel zu Koppen und Sprung: „Die Regenverhältnisse u. s. w.“ Annal. derHydr., 1880, Heft V.
3 ) Koppen und Sprung: „Kegenverhältnisse u. s. w.“ Annal. der Hydr., 1880, pag. 475.
4 ) Vergl.: „Tägliche synoptische Wetterkarten für den Atlant. Ozean und die anliegenden Theile der Kontinente.“ Heraus
gegeben von dem Dänischen Meteorolog. Institut und der Deutschen Seewarte. Die Beobachtungen elektrischer Erscheinungen
sind nur in den Manuskriptkarten angegeben.
5 ) Monatliche Isobarenkarten in: „Eeport on the Scientific Eesults ofthe Voyage ofH. M. S. Challenger“, -Vol. II, Part.V
A. Buchau: „Eeport on Atmospheric Circulation“. London 1889.