accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext : 10, 1887

21

auf  die  unteren  Schichten  fort  und  bedingt,  dass  sich  etwa  am  30 sten  Kreise  das  Gefälle  der  Flächen  gleichen
Druckes  umkehrt  und  in  höheren  Breiten  polwärts  gerichtet  ist.
Wir  haben  in  den  benachbarten  Breiten  jenseits  des  30 3ten  Grades  also  schon  in  der  Tiefe  Gefälle  polwärts,
in  der  Höhe  viel  stärkeres  Gefälle  und  sehr  grosse  Westwind-Geschwindigkeit;  aber  im  Oberstrome  keine
oder  nur  eine  sehr  kleine  meridionale  Geschwindigkeits-Komponente.  Es  tritt  also  polwärts  vom  30 sten  Grade
die  allgemeine  meridionale  Zirkulation  zurück  und  bliebe  nur  noch  eine  allgemeine  Rotation  der  Luft  in
Richtung  der  Breitengrade  einzig  bestehen,  wenn  nicht  Umstände  besonderer  Art  zeitweise  diesen  Bewegungs-Zustand ­
  der  Luft  störten.  An  und  für  sich  ist  es  schon  unmöglich,  dass  Luftschichten  mit  verschiedener ­
  Wind-Geschwindigkeit  begabt  über  einander  hingleiten  können,  ohne  durch  Reibungs-Beeinflussung
in  Wechselwirkung  mit  einander  zu  treten.  In  besonderem  Maasse  wird  dies  erreicht,  wenn  durch  lokale
steigende  und  fallende  Ströme  eine  Mischung  der  oberen  und  unteren  Schichten  angebahnt  wird.  Solche
Mischung  wird  begünstigt  durch  die  Erwärmung  resp.  Ueberhitzung  der  unteren  Luftschichten,  durch  die
Sättigung  der  unteren  Luftschichten  mit  Feuchtigkeit,  durch  welche  bei  Kondensation  der  Dämpfe  im
steigenden  Strome  das  Freiwerden  zuvor  latenter  Wärme  herbeigeführt  wird.  Ferner  kann  zur  Mischung
der  Luftschichten  sehr  wohl  auch  Fluth-  und  Ebbe-Strömungen  in  der  Atmosphäre  einwirken,  wofern  nicht
gerade  die  Art  der  vertikalen  Temperatur-Vertheilung  dies  hindert.  Endlich  wird  eine  Mischung  der  Luftschichten ­
  auch  durch  die  Schwankungen  begünstigt,  welche  in  der  horizontalen  Vertheilung  der  Temperatur
sich  täglich  vollziehen.
Das  Resultat  der  Mischung  ist  ein  tlieilweiser  Ausgleich  der  Luft-Geschwindigkeiten  oben  und  unten.
In  der  Höhe  erleidet  der  Westwind  Verzögerung  durch  die  eingedrungenen  langsamer  strömenden  Luftmassen
tieferer  Schichten,  in  der  Tiefe  dagegen  stellt  sich  eine  Vergrösserung  der  Westwind-Geschwindigkeit  durch
das  Herabtauchen  schneller  fliessender  Luftströmungen  ein.  Als  nothwendige  Folge  dieses  Vorganges  ist
das  Bestehen  der  Ungleichung  2  v  co  sin  cp  >  0  für  die  Höhe  und  ——2  v  co  sin  </>  <  0  für  die  tieferen
Ql/  Ql/
Schichten  zu  erkennen.  Es  folgt  daher  in  der  Höhe  die  Luft  der  polwärts  gerichteten  Beschleunigung
——  2  v  co  sin  fj>  >  0  und  in  tieferen  Schichten  der  äquatorwärts  gerichteten  Beschleinigung  —2v  co  sin  cp  <0;
indem  die  ablenkende  Beschleunigung  der  Erdrotation  (2  v  co  sin  y)  die  Wirkung  des  Gefälles  (gjn)  überwindet. ­
  Natürlich  ist  alsbald  in  der  Höhe  v  nach  dem  Gesetz  der  Flächen  bei  dem  Uebertritt  in
höhere  Breiten  gewachsen,  unten  dagegen  v  bei  Entfernung  vom  Pole  kleiner  geworden,  so  dass  nach
kurzer  Zeit  oben  und  unten  die  meridionale  Bewegung  dadurch  zum  Abschluss  gelangt  sein  würde:
dass  sich  die  Gleichung-^--—-2  v  m  sin  y  —  0  oben  und  unten  wieder  ergäbe.  Solange  aber  fortlaufend  die
Mischung  der  Luftschichten  nach  oben  und  unten  statthat,  also  fortlaufend  den  oberen  Schichten  Bewegung
entzogen,  den  unteren  Bewegung  hinzugefügt  wird,  solange  bleibt  auch  in  der  Höhe  die  polwärts  gerichtete
meridionale,  und  unten  die  zum  Aequator  gerichtete  Geschwindigkeits-Komponente  erhalten;  so  dass  diese
Reibung  der  oberen  oder  unteren  Schichten  aneinander,  resp.  dieser  Maasseu-Austausch  der  Schichten  zur
Erhaltung  einer  allgemeinen  meridionalen  Luft-Zirkulation  führt,  welche  jedoch  durchaus  nicht  so  regelmässig ­
  sich  entwickelt,  wie  die  Zirkulation  der  heissen  Zone,  sondern  vielmehr  nur  als  ein  ganz  verkümmerter ­
  polarer  Zweig  der  absteigenden  Luft-Bewegung  anzusehen  ist,  deren  Hauptast  im  Bereiche  der
Stauströme  liegt  und  die  Trockenzone  bildet.
Ein  sehr  interessanter  Vorgang  vollzieht  sich  durch  die  also  eingeleitete  fallende  Zirkulation  in  der
gemässigten  Zone.  Die  oben  mit  grosser  Geschwindigkeit  begabte  Luft  sinkt  nach  unten,  folgt  der  Beschleunigung ­
  2  v  co  sin  y,  weil  unten  gjn  klein  ist,  so  dass  2  v  co  sin  y  die  meridionale,  zum  Pole  gerichtete
Beschleunigung  g\n  überwindet.  Die  Luft  weht  dann  bei  uns  in  der  nördlichen  Hemisphäre  als  Westnordwest,
drängt  die  Luftmassen  vor  sich  her,  auf  welche  die  Luft  stösst  und  erzeugt  also  Verstärkung  der  meridionalen
Druck-Differenzen  der  unteren  Schichten.  Sofort  neigen  sich  auch  in  den  oberen  Luftregionen  die  Flächen
gleichen  Druckes  stärker  dem  Pole  zu,  die  Geschwindigkeit  v  wächst,  da  die  Luft  nun  oben  dem  verstärkten
q
Gefälle  folgt,  bis  v  nach  der  Gleichung  —  2  vcosiny  =  0  dem  verstärkten  Gefälle  1/m  entspricht.  Die
Vergrösserung  der  Westwind-Geschwindigkeit  der  Höhe  bedingt  Uebertragung  schneller  bewegter  Luftmassen
auf  die  Tiefe,  weiter  als  unmittelbare  Folge  eine  verstärkte  Neigung  der  Flächen  gleichen  Druckes  unten,
somit  auch  oben  und  besitzen  also  ursächlich  dieses  Vorganges  die  Flächen  gleichen  Druckes  das  Bestreben
4

Archiv  1887.  3.
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.